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Schädlingsbekämpfung: Drohnen werfen Tierchen über Maisfelder ab

Immer häufiger werden in der Landwirtschaft Drohnen eingesetzt – im Kanton Luzern vor allem im Kampf gegen den Maiszünsler.
Susanne Balli
Eine Drohne mit Optikugeln über einem Maisfeld. In jeder Kugel befinden sich 1100 Schlupfwespen-Larven. (Bild: Daniel Blaser/agrarpiloten.ch)

Eine Drohne mit Optikugeln über einem Maisfeld. In jeder Kugel befinden sich 1100 Schlupfwespen-Larven. (Bild: Daniel Blaser/agrarpiloten.ch)

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft ist voll in Gang. So setzen immer mehr Landwirte auf moderne Technologien wie Melkroboter, GPS Systeme oder Drohnen. Letztere werden besonders im Rebbau eingesetzt – heute bisher vor allem in der Romandie. Mittels Drohnen kann zum Beispiel Pflanzenschutzmittel punktgenau und nur dort, wo es nötig ist, angebracht werden (siehe Kasten unten).

Der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft beschränkt sich aber nicht nur auf den Rebbau. «Drohnen sind auch zur Überwachung geeignet. Zum Beispiel können sie mit detaillierten Luftaufnahmen zeigen, wo Kulturen von Krankheiten oder Schädlingen befallen sind. Oder Landwirte können mit Drohnen ihren Ernteertrag genauer abschätzen», sagt Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain (BBZN).

Der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft beschränkt sich aber nicht nur auf den Rebbau. «Drohnen sind auch zur Überwachung geeignet. Zum Beispiel können sie mit detaillierten Luftaufnahmen zeigen, wo Kulturen von Krankheiten oder Schädlingen befallen sind. Oder Landwirte können mit Drohnen ihren Ernteertrag genauer abschätzen», sagt Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain (BBZN).

Biologische Schädlingsbekämpfung

Im Kanton Luzern wird vor allem in einem Bereich die Drohnentechnologie bereits regelmässig angewendet: Bei der biologischen Schädlingsbekämpfung auf Maisfeldern.

Der wichtigste Maisschädling ist der Maiszünsler. Die Raupe dieses Kleinschmetterlings bohrt sich ins Stängelmark der Maispflanze und frisst sich nach unten. Dadurch entstehen grosse Ernteausfälle. In der Schweiz wird der Maiszünsler seit Jahren auf biologische Weise mit den Trichogramma-Schlupfwespen bekämpft. Diese vernichten auf dem Feld die Eier des Maiszünslers.

Die Schlupfwespenlarven werden von der Fenaco Genossenschaft vertrieben. Regina Burger, Leiterin UFA-Samen Nützlinge bei der Fenaco Genossenschaft, sagt: «In der Schweiz werden rund 8500 Hektar Maisfläche mit Tirchogramma behandelt. Davon werden etwa 40 Prozent mit Drohnen beflogen.» Im Kanton Luzern werden Trichogrammen vorwiegend in den Ortschaften Grosswangen, Reidermoos, Langnau, Altbüron, Grossdietwil, Richental, Genttnau, Ohmstal und Rickenbach mit Drohnen – so genannten Multikoptern – ausgebracht. «Meist sind es zwei Freilassungen pro Hektar im Abstand von acht bis zehn Tagen», erklärt sie.

Doch wie genau funktioniert das Ausbringen der Schlupfwespenlarven mit Drohnen? Die Larven in der Tichogramma-Produktion der Fenaco werden in sogenannte Optikugeln abgefüllt. Das sind kleine weisse Kugeln, die biologisch abbaubar sind. 1000 Optikugeln finden im durchsichtigen Bauch des Multikopters Platz – in jeder Kugel befinden sich 1100 Larven von Schlupfwespen.

Vier Minuten für eine Hektare

Ohne Drohne müssen die Landwirte die Kugeln von Hand auf die Felder bringen. «Sie werden in Rähmchen aufgeklebt und an die Maispflanzen gehängt», erklärt Regina Burger. Was in aufwendiger Handarbeit viele Stunden dauert, erledigt der Multikopter viel schneller. Laut Angaben der Fenaco benötigt er gerade mal vier Minuten, um eine Maishektare mit Trichogrammen zu befliegen. Die Einsätze erfolgen laut Regina Burger zum Zeitpunkt, an dem der Schlupf des Maiszünslers erfolgt. Dies sei meist zwischen Mitte und Ende Juni der Fall. «Dieses Jahr erfolgte die erste Freilassung Anfang Juli, die zweite Freilassung steht dieser Tage an», sagt sie.

Tobias Weissert, Drohnenpilot bei agrarpiloten.ch, lenkt einen Multikopter über ein Maisfeld. (Bild: Daniel Blaser/agrarpiloten.ch)

Tobias Weissert, Drohnenpilot bei agrarpiloten.ch, lenkt einen Multikopter über ein Maisfeld. (Bild: Daniel Blaser/agrarpiloten.ch)

Weil die Drohnen, die dafür verwendet werden, unter 30 Kilogramm wiegen, braucht es vom BAZL keine spezielle Bewilligung. Nur wenn im fünf Kilometer grossen Umkreis von Flughäfen geflogen werde, sei eine Bewilligung von Skyguide notwendig. «Von uns beauftragte Drohnenfirmen übernehmen die Einsätze auf den zu befliegenden Flächen. Die Drohnenpiloten sind bestens ausgebildet und im Umgang mit der Verteilsoftware sehr erfahren.»

150 Franken pro Hektar und zwei Überflügen

Das speziell für diesen Einsatz patentierte System wird vorher mit den Parzellendaten des Landwirts durch einen Piloten vorprogrammiert. Er führt dann die Pflanzenschutzmassnahme ohne Beisein des Landwirts durch. Laut Burger kostet der Einsatz einer solchen Drohne 150 Franken. «Darin inbegriffen ist eine Fläche von einer Hektare und zwei Flüge zum Ausbringen der Nützlinge.» Das Ausbringen von Trichogramma-Schlupfwespen mit Drohnen lohne sich aber. Regina Burger sagt: «Mit dem Frass der Larve durch den Stängel besiedeln in der Folge auch Pilze die Maispflanzen.» So verursache der Maiszünsler neben Ertragseinbussen auch hohe Qualitätseinbussen.

Einsatz im Rebbau Versuche

Im Rebbau im Kanton Luzern werden Drohnen (noch) nicht eingesetzt, wie Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain (BBZN), sagt. «Im Gegenzug zur Romandie, wo im Rebbau steile Terrassenlagen bewirtschaftet werden, sind die Rebberge im Kanton Luzern mechanisierbar, das heisst, man kommt mit einem Gerät dazu», erklärt Felder.

Am Weinbauzentrum in Wädenswil werden verschiedene Versuche mit Drohnen durchgeführt, die der Kanton Luzern laut Felder unterstütz. In der Romandie ersetzen die Drohnen den Einsatz von Helikoptern beim Versprühen von Pflanzenschutzmitteln. «Das präzise Anbringen der Mittel bedeutet nicht nur mehr Schutz der Natur sondern schützt auch die Anwender und Anwohner. Daher sind Drohnen hier absolut sinnvoll», sagt Felder.

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