SCHAUSPIEL: Im Le Théâtre in Kriens tanzen die Puppen

Das Musical «Avenue Q» wird derzeit im Le Théâtre gezeigt. Speziell ist, dass im Stück Handpuppen auf echte Figuren wie David Hasselhoff treffen.

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David Hasselhoff (gespielt von David Chrisman mit roter Rettungsboje) teilt sich die Bühne im Musical «Avenue Q» mit diversen Handpuppen. (Bild Nadia Schärli)

David Hasselhoff (gespielt von David Chrisman mit roter Rettungsboje) teilt sich die Bühne im Musical «Avenue Q» mit diversen Handpuppen. (Bild Nadia Schärli)

Die Avenue Q steht für eine fiktive Strasse von New York – und zwar viel weiter draussen als etwa die Avenue A oder B. Dort leben Menschen, die ihre besten Tage schon hinter sich haben, wie beispielsweise David Hasselhoff, der nun als Hauswart zum Rechten schaut und seinem einstigen Ruhm und Sixpack hinterher trauert. Nur ein Teil der Bewohner dort sind Menschen, überwiegend hausen hier Puppen, die noch von Liebe und Karriere träumen und nach dem «Purpose», der Bestimmung im Leben, suchen. Diese Puppen sind jedoch nichts fürs Kinderzimmer, denn ihre Themen sind nicht ganz jugendfrei – aber nie billig. In den schmissigen, unter die Haut und in die Beine fahrenden Songs geht es um das Outing des homosexuellen Rod, um Pornografie im Internet, Rassismus, käufliche Liebe und Obdachlosigkeit.

Man will glücklich mitsingen

Was sich jetzt vielleicht düster anhört, ist das komplette Gegenteil, wie die Premiere am Donnerstagabend vor fast ausverkauftem Haus im Le Théâtre bewies. Die sieben Schauspieler und neun Handpuppen steigern sich zwei rasante Stunden lang von Pointe zu Pointe, treiben den Zuschauern die Lachtränen in die Augen und vermischen Tanz, Spiel, Gesang und Musik in ein einzigartiges Spektakel, das auf ganz hohem Niveau exzellent unterhält. Songs wie «It sucks to be you» oder «The internet is for porn» schmuggeln sich sofort ins Ohr, sodass man glücklich mitsingen will. Die sechsköpfige Band im Hintergrund sorgt für den perfekten musikalischen Boden, auf dem die Lieder fruchten und zu blühen beginnen.

Beziehung zur Puppe

Hinter der Produktion steht MachArt Musicals, eine Gruppe junger Kulturschaffender. Ihr Ziel ist es, unbekannte Musicals in der Schweiz professionell aufzuführen. Lea Oxley, die den Figuren «Kate Monster» und «Lucy the Slut» Leben einhaucht, verriet: «Ich stehe in einer direkten Beziehung zu den Puppen. Heute vor der Premiere war ich nervös und erwischte mich dabei, wie ich zu Lucy auf meiner Hand sagte: ‹Das schaffen wir!›»

Es ist in der Tat sehr beeindruckend, wie Spieler und Puppen miteinander verschmelzen, synchron singen und sich bewegen. Als Zuschauer konzentriert man sich plötzlich nur noch auf die Puppen, lebt mit ihnen ihre Emotionen mit und taucht komplett ein in diese ganz eigene, verspielte Welt. Und ein bisschen fühlt man sich wie als Kind bei seinem ersten Kasperlitheater: völlig verzaubert und fasziniert.

Yvonne Imbach

Hinweis

Aufführungen bis 19. März jeweils Do/Fr/Sa um 19.30 Uhr im Le Théâtre, Kriens. Tickets und Infos: www.avenueq-musical.ch oder www.le-theatre.ch und Telefon 041 348 05 05.