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Freilichtspiele Luzern 2019: Schauspieler wagen sich aufs Glatteis

Die Freilichtspiele Luzern gastieren mit einem Shakespeare-Stück auf dem EWL-Areal in Luzern. Dafür wird extra eine Bahn aus synthetischem Eis aufgebaut – für ein Theaterstück wohl schweizweit erstmals.
Hugo Bischof
Produktionsleiter Christoph Risi und Regisseurin Barbara Schlumpf vor dem ehemaligen Gaskesselwerk, dem «Roten Haus», auf dem EWL-Gelände in Luzern, wo Shakespeares «Was ihr wollt» aufgeführt werden wird. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 22. Januar 2019)

Produktionsleiter Christoph Risi und Regisseurin Barbara Schlumpf vor dem ehemaligen Gaskesselwerk, dem «Roten Haus», auf dem EWL-Gelände in Luzern, wo Shakespeares «Was ihr wollt» aufgeführt werden wird. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 22. Januar 2019)

Die Freilichtspiele Luzern führen im Sommer 2019 William Shakespeares Komödie «Was ihr wollt» auf. Spielort ist für einmal nicht die Halbinsel Tribschen, sondern das EWL-Areal an der Industriestrasse in Luzern. Und, noch spezieller und vielleicht auch etwas verrückt: Alle Schauspielerinnen und Schauspieler werden mit Schlittschuhen auftreten. Das dürfte eine Schweizer Premiere sein, wenn nicht gar eine Weltpremiere.

Für das Theaterstück wird auf dem EWL-Areal (siehe nachfolgende Karte) eigens eine Eislaufbahn aufgebaut.

Eine Eislaufbahn in der Sommerhitze? Werden da die ehrgeizigen Pläne der Verantwortlichen nicht vor ihren Augen wegschmelzen? Christoph Risi, langjähriger Produktionsleiter der Freilichtspiele Luzern, beruhigt: «Es wird eine Bahn sein, die sich aus synthetischen Eisplatten zusammensetzt.»

Schauspieler müssen Eislaufen lernen

Also ein «Bschiss?» «Keineswegs», sagt Risi: «Auf Synthetik-Eis zu laufen, ist mindestens so anspruchsvoll wie auf Natur- oder Kunsteis.» Die Schauspieler werden also neben ihrem Rollenstudium diesmal auch Eislaufen lernen müssen. «Sie werden es, mit Unterstützung des Eisklubs Luzern, alle schaffen», ist Risi zuversichtlich.

Ähnliche Eisbahnen hat ein spezialisiertes Luzerner Unternehmen weltweit schon an vielen Orten gebaut, hier in der Nähe etwa im Länderpark Stans. Aktuell gibt es eine solche Synthetik-Eisbahn im Emmen Center:

Eine ähnliche Eisbahn aus synthetischem Eis, wie sie dereinst auf dem EWL-Areal für ein Theaterstück stehen wird, befindet sich bis 9. Februar im Emmen Center. (Bild: PD)

Eine ähnliche Eisbahn aus synthetischem Eis, wie sie dereinst auf dem EWL-Areal für ein Theaterstück stehen wird, befindet sich bis 9. Februar im Emmen Center. (Bild: PD)

Die Eislaufbahn für die Freilichtspiele Luzern wird vor dem ausgedienten Gaskesselwerk hinter dem EWL-Hauptgebäude aufgebaut werden. Das Backsteingebäude, bekannt als «Rotes Haus», wird so zur Kulisse für die Shakespearschen Irrungen und Wirrungen. Auffällig sind die hohen Fenster des Gebäudes. «Spiegelungen mit dem Eis werden für spezielle Effekte sorgen», schwärmt Regisseurin Barbara Schlumpf. Die Fenster seien einst mit Absicht so riesig gebaut worden, weiss sie: «Bei der Explosion eines Gaskessels wären die Fenster geborsten; so wäre der Druck nach aussen gewichen und der Schaden innen hätte sich in Grenzen gehalten.»

Für viele Zuschauer wird es wohl der erste Gang auf das weitläufige EWL-Areal sein. Auf den rund 20'000 Quadratmetern entsteht bald eine Neuüberbauung mit Dienstleistungs- und Wohnflächen. Nur das «Rote Haus» wird als Solitär stehen bleiben. Es ist als schützenswert eingestuft.

«Welt voller Liebesrausch»

In Shakespeares Stück geht es um das Vertauschen von Identitäten, auch um Zweifel an der logischen und gesellschaftlichen Ordnung und um «das Verrücktmachen der Liebe in einer Welt voller Liebesrausch», so Regisseurin Schlumpf. Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann hat die Vorlage im Auftrag der Freilichtspiele Luzern bearbeitet, auf die Eisbahn im Sommer übertragen und sie auf rund 90 Minuten verkürzt. Eine aus früheren Hürlimann-Werken bekannte Figur, der Sargtoni, wird darin eine vermittelnde Rolle einnehmen.

«Das EWL-Areal war Hürlimanns Wunsch-Spielort», sagt Produktionsleiter Risi. «Er wollte die Handlung in ein städtisches Ambiente verlegen.» Dass das Stück auf einer Eisfläche spielt, macht übrigens auch inhaltlich Sinn: Der Zweittitel von «What you will» (Was ihr wollt) lautet «Twelfth Night». Er spielt auf die zwölf «Rauhnächte» zwischen Weihnachten und Dreikönig an, «in denen die Geister herumgezogen sind, die Menschen ausgelassene Kostümfeste feierten und sich Geschichten erzählten, um ihre Furcht und dass Grauen vor der Dunkelheit zu besänftigen», sagt Barbara Schlumpf.

Die Probenarbeiten haben begonnen, wegen der Kälte zunächst in einem Raum des EWL-Hauptgebäudes. Die synthetische Eisbahn wird ab Februar zunächst im Innern des «Roten Hauses» aufgebaut und an Ostern nach draussen verlegt. Die Bruttokosten für die Gesamtproduktion betragen gut 900'000 Franken und liegen damit im üblichen Rahmen für eine Produktion der Freilichtspiele Luzern. Die letzte Produktion der Freilichtspiele Luzern war im Sommer 2017 das Stück «Die Stadt der Vögel» auf der Halbinsel Tribschen.

Der Vorverkauf für «Was ihr wollt» startet am 1. Februar. www.freilichtspiele-luzern.ch

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