SCHEIN-EHEN: Ja-Wort mit Drogen und Geld bezahlt

Ausländer heiratet eine drogensüchtige Schweizerin und versorgt sie mit Stoff: Dieses Muster kennt man auch in Luzern.

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(Karikatur Jals/Neue LZ)

(Karikatur Jals/Neue LZ)

33 Scheinehen zwischen afrikanischen Dealern und schweizerischen Drogenabhängigen hat die Fremdenpolizei der Stadt Bern in den letzten Monaten aufgedeckt. 

Dies meldete jüngst die «SonntagsZeitung». Sind ähnliche Tricks auch im Kanton Luzern angewendet worden? «Ja», sagt Walter Haas vom Luzerner Amt für Migration. «Es kommt vor, dass wir Ehen aufdecken, bei denen gegen Drogen oder gegen Geld geheiratet wurde.» 

Heirat für Geld und Drogen

Haas schildert, wie ein solcher Fall ablaufen kann: Amir S., Asylbewerber aus Eritrea, droht die Ausreise. Er trifft in der Stadt Luzern Marlen L., eine drogenabhängige Schweizerin, und verspricht ihr Geld und Drogen, wenn sie ihn heiratet. Marlen L. willigt ein. Kurz nach der Heirat beantragt Amir S. eine Aufenthaltsbewilligung beim Amt für Migration. 

Das Gespräch
Den Luzerner Beamten sticht sofort ins Auge, dass Amir S. als Asylbewerber in der Schweiz ist und ohne die Heirat ausreisen müsste. Sie laden ihn und seine Ehefrau zum Gespräch ein. Dabei verheddern sich die Eheleute in Widersprüche und geben zu, dass für die Ehe Geld geflossen ist und Drogen beschafft wurden. 

Nachdem klar ist, dass es sich um eine Scheinehe handelt, verfügt das Amt für Migration die Ausreise von Amir S. und schaltet das Amtsstatthalteramt ein: Es ermittelt wegen Scheinehe. 

50 verdächtige Ehen
Solche oder ähnliche Fälle ereignen sich im Kanton Luzern mehrmals pro Jahr. Meist sind es in der Schweiz wohnhafte Frauen, die Ausländer ohne Aufenthaltsbewilligung heiraten. «Allerdings handelt es sich nicht ausschliesslich um afrikanische Männer», präzisiert Haas. Auch sind nicht in allen Fällen Drogen im Spiel. «Meist sagen die Schweizerinnen, dass sie für die Ehe Geld bekommen haben», sagt Walter Haas.

Pro Jahr unterzieht das Amt für Migration rund 50 verdächtige Ehen einer eingehenderen Überprüfung. Verdächtig bedeutet: Die Heirat steht im Zusammenhang mit einem Wegweisungsverfahren, es bestand nur kurze Bekanntschaft vor der Heirat, der Altersunterschied ist gross, die Eheleute können sich kaum verständigen, sie machen widersprüchliche Aussagen, es wurde gegen Bezahlung von Geld oder Beschaffung von Drogen geheiratet, oder die Personen gehören einer sozialen Randgruppe an. 

In 20 der 50 überprüften Fälle erhärtet sich der Verdacht, und der ausländische Ehepartner wird weggewiesen.

Luzia Mattmann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Luzerner Zeitung.