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«Scheinbar ist alter Beton mehr wert als alte Leute»: Würzenbach kämpft für Alterswohnungen

Die künftige Nutzung des Schädrüti-Schulhauses in der Stadt Luzern ist nach wie vor ungewiss. Geht es nach den Quartierbewohnern, sollen dort Alterswohnungen entstehen. Doch dafür gibt es einige Hürden, etwa beim Denkmalschutz. Verhilft nun die reformierte Kirche dem Wunsch zum Durchbruch?
Ines Häfliger und Robert Knobel
Das ehemalige Schulhaus Schädrüti im Würzenbach-Quartier darf vorerst nicht abgerissen werden. (Bild: Manuela Jans-Koch, 20. November 2018)

Das ehemalige Schulhaus Schädrüti im Würzenbach-Quartier darf vorerst nicht abgerissen werden. (Bild: Manuela Jans-Koch, 20. November 2018)

Die Betonfassade ist verwaschen, der Grundriss könnte kaum verwinkelter sein: Das Schulhaus Schädrüti im Würzenbach-Quartier ist ein typischer 70er-Jahre-Bau. Im Sommer 2013 schloss das Primarschulhaus seine Pforten – das 1973 erbaute Gebäude wurde den Anforderungen an den Schulbetrieb nicht mehr gerecht. Derzeit wird das Schädrüti für die Bildung von Asylsuchenden zwischengenutzt. Ein Provisorium: Die langfristige Verwendung des Schädrütis ist und bleibt ungewiss.

An fehlenden Ideen scheitert es dabei nicht. Wieso das Areal nicht für Alterswohnungen nutzen, dachten sich die beiden FDP-Grossstadträte Laura Grüter Bachmann und Rieska Dommann. Schliesslich ist das 2600 Quadratmeter grosse Grundstück optimal gelegen. Es ist gut an den öffentlichen Verkehr angebunden, Einkaufsmöglichkeiten und ein Spitex-Standort befinden sich in unmittelbarer Nähe. Zudem fehlt es dem Würzenbach-Quartier an bezahlbarem Wohnraum mit Dienstleistungen.

Auch Reformierte wollen ihr Gebäude abreissen

Mit einem Postulat versuchten die beiden FDP-Grossstadträte im November 2014 ihr Anliegen durchzusetzen. In diesem forderten sie den Stadtrat auf, den Alterswohnungsbau auf seine Realisierbarkeit zu analysieren. Das Postulat wurde überwiesen, der Stadtrat machte sich an die Prüfung des Anliegens. Doch inzwischen ist der Stadtrat zum Schluss gekommen, dass sich eine Umnutzung des Schulhauses in Alterswohnungen nicht rentieren würde – die Mietpreise der Wohnungen wären schlicht zu hoch. Ein Neubau wäre zwar lohnender, aber nur, wenn eine grössere Fläche überbaut werden könnte. Genau hier will nun Rieska Dommann, der selber im Büttenenquartier wohnt, ansetzen. Gegenüber des Schulhauses liegt nämlich das reformierte Kirchgemeindehaus Würzenbach, in dem bis vor kurzem auch die Post untergebracht war. Die Kirchgemeinde spielt ebenfalls mit dem Gedanken, auf ihrem Grundstück Alterswohnungen zu realisieren. «Dadurch eröffnet sich eine einmalige Chance, dass die Stadt zusammen mit der reformierten Kirchgemeinde ein Projekt realisieren kann, das die kritische Grösse für einen wirtschaftlichen Betrieb erreicht», schreibt Dommann in einem erneuten Postulat, das er diese Woche eingereicht hat. Darin fordert er den Stadtrat auf, umgehend mit der Kirchgemeinde Kontakt aufzunehmen. Unterzeichnet ist das Postulat auch von CVP, SVP und Grünen.

Die frühere Poststelle Würzenbach gehört der reformierten Kirchgemeinde. Diese will das Gebäude abreissen und möglicherweise durch Alterswohnungen ersetzen. (Bild: Dominik Wunderli, 2. Juni 2017)

Die frühere Poststelle Würzenbach gehört der reformierten Kirchgemeinde. Diese will das Gebäude abreissen und möglicherweise durch Alterswohnungen ersetzen. (Bild: Dominik Wunderli, 2. Juni 2017)

Marlene Odermatt, Präsidentin der Reformierten Kirchgemeinde Luzern, bestätigt, dass eine Umnutzung des Areals geplant ist. «Wir wollen das Gebäude abreissen und neu bauen.» Eine Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass Alterswohnungen im Quartier einem grossen Bedürfnis entsprechen würden. Einer Zusammenarbeit mit der Stadt stehe man offen gegenüber, betont Odermatt. Erste Gespräche mit der Stadt und der Viva AG hätten bereits stattgefunden.

Denkmalschutz: Schulhaus ist «erhaltenswert»

Allerdings könnte der Denkmalschutz diese Pläne durchkreuzen. Denn das Schulhaus Schädrüti ist im kantonalen Bauinventar als «erhaltenswert» aufgeführt. Zudem liegt es in der Ortsbildschutzzone B, wo Abbrüche nur in Ausnahmefällen möglich sind. Der Stadtrat soll sich deshalb auch mit den Denkmalbehörden in Verbindung setzen, fordert Rieska Dommann. «Im Quartier braucht es endlich eine Lösung. Die Nachfrage ist gegeben. Der Stadtrat muss die Bedürfnisse der Anwohner ernst nehmen.»

Auch Josef Galetti, Präsident des Quartiervereins Seeburg-Würzenbach-Büttenen, ist unzufrieden mit der jetzigen Situation. «Die Ideen haben wir, doch die Unterstützung des Stadtrates fehlt uns. Scheinbar ist alter Beton mehr wert als alte Leute.» In Beton gemeisselt sei das Abrissverbot für das Schädrüti-Schulhaus nicht, glaubt Rieska Dommann. Tatsächlich plant der Stadtrat, die Abrissbestimmungen in der Ortsbildschutzzone B zu lockern (wir berichteten). Bis die Bau- und Zonenordnung (BZO) entsprechend angepasst ist, dauert es aber noch einige Jahre. Auch auf kantonaler Ebene ist ein Abriss trotz dem Prädikat «erhaltenswert» nicht unmöglich. Allerdings muss die Denkmalpflege in die Planungen mit einbezogen werden. Wie genau die Alterswohnungen letztendlich realisiert werden, ist für Rieska Dommann nebensächlich: «Ich möchte bezahlbaren Wohnraum für ältere Leute im Quartier. Ob dieser nun mit einem Umbau oder Neubau geschaffen wird, spielt mir keine Rolle.»

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