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SCHENKON: Ein Macher wechselt von der Gemeinde zum Wein

In wenigen Tagen geht Gemeindeschreiber Fritz Hüsler nach 44 Jahren in Pension. Auch dank ihm hat sich die Bevölkerung von Schenkon in dieser Zeit vervierfacht. Jetzt hofft er, dass seine Reben ähnlich gedeihen.
Bald hat Fritz Hüsler noch mehr Zeit für seinen Rebberg. (Bild: Nadia Schärli (Schenkon, 21. Dezember 2017))

Bald hat Fritz Hüsler noch mehr Zeit für seinen Rebberg. (Bild: Nadia Schärli (Schenkon, 21. Dezember 2017))

Fritz Hüsler lächelt zufrieden. Die Traubenlese ist vorbei. Die Arbeiten im Weinberg am Eichberg sind für dieses Jahr erledigt. Hierfür hat er in der Vergangenheit bereits unzählige Stunden aufgewendet. Für den 64-Jährigen ist das Hobby mittlerweile zur echten Passion geworden. «Wenn ich etwas mache, dann mit vollem Engagement – oder ich lasse es sein», sagt er. Dieser Leitsatz ist nicht nur sein treuer Begleiter, er sei damit gut gefahren – auch während der 44 Jahre als Schenkoner Gemeindeschreiber.

Noch hat er zwar die eine oder andere Pendenz zu erledigen. Doch das berufliche Ende, der Gang in die Pension, naht mit Riesenschritten. Dass seine Sesshaftigkeit so lange andauerte, sei nicht abzusehen gewesen, sagt Hüsler. Das FDP-Mitglied hatte damals im Alter von weniger als 20 Jahren den Zuschlag für die Stelle als Gemeindeschreiber in der damaligen CVP-Hochburg Schenkon erhalten.

«Qualitatives Wachstum war mir wichtig»

In all den Jahren lag ihm das Wohl der Gemeinde sehr am Herzen. Visionäres (Mit-)Denken, innovative, kreative Ideen gepaart mit akribischem Umsetzen waren seine Visitenkarte. Mit viel Herzblut trieb er die Entwicklung des bei seinem Antritt 700 Seelen zählenden Dorfes voran. Heute zählt Schenkon über 2800 Einwohner. «Qualitatives Wachstum war mir wichtig», erklärt er. Mit knapp 20 Gemeinderäten arbeitete Hüsler zusammen. Er polarisierte, hinterfragte, weiss, «dass ich nicht immer der Einfachste gewesen bin». Doch stets stand für ihn die Sache im Vordergrund. «Ich durfte bei meiner Arbeit viel Vertrauen spüren.» Auf der Verwaltung hielt ihm Ehefrau Helen notfalls den Rücken frei. Auf sie durfte und darf er sich verlassen.

Genauso kann man auf ihn zählen. Dies hat er jüngst erneut bewiesen, als er von seinen geliebten Jagdferien im Burgenland unvermittelt nach Schenkon zurückkehrte. Sein Freund und ehemaliger Gemeindepräsident Robert Kaufmann (CVP) war nach längerer Krankheit verstorben. Ihm hatte Fritz Hüsler noch versprochen, die Trauerfeierlichkeiten mitzugestalten.

Der 64-Jährige ist und bleibt ein Macher, ein Gemeindeschreiber alter Prägung – ohne dabei altmodisch zu wirken. «Ich habe die Kommune wie ein Unternehmen angeschaut», betont er. «Wenn ich nachts um drei Uhr realisiert hätte, dass die Fahnen beim Zentrum für den Anlass vom nächsten Tag nicht hochgezogen sind, hätte ich dies sofort gemacht.» Hüsler nahm für Schenkon unzählige Aufgaben wahr. Vieles davon stand nicht in seinem Pflichtenheft. Berufliche Routine kannte er während seiner rund 11 000 Tage im Dienste der Öffentlichkeit keine. Immer wieder schaffte es Hüsler, gute Steuerzahler von den Vorzügen Schenkons zu überzeugen. Bei der Gemeindezeitung «Kontakt» wirkte er über vier Jahrzehnte federführend, mit stets viel pulsierendem Herzblut. Der Slogan «Schenkon, die andere Gemeinde» stammt ebenfalls aus seiner Feder. Freche PR-Sprüche und Aktivitäten riefen auch Neider auf den Plan. Die Bauprojekte Seepark und Kirschgarten gäbe es ohne ihn kaum.

«Vater» des kleinen KKL am Sempachersee

Kultur gehört zu seinen Steckenpferden. So darf Hüsler getrost als «Vater der Sempacher Seekonzerte» bezeichnet werden. Es sei sein kleines KKL, wie er die Veranstaltungen jeweils liebevoll nennt. Ein wunderbares Erlebnis war für ihn das Geschenk des Schenkoner Ehrenbürgers Werner G. Sieger an die Gemeinde. Auf dem Steinway-Konzertflügel griff vor voll besetzten Rängen sogar die weltberühmte Pianistin Hélène Grimaud in die Tasten. Und Fritz Hüsler war auch immer zur Stelle, wenn es bei der von ihm ins Leben gerufenen und von seiner Frau Helen lange Jahre präsidierten Kulturgruppe eine zupackende Hand brauchte.

«Etwas Wehmut ist dabei», sagt er. Doch jetzt sei die Zeit reif, um innezuhalten, Distanz zu gewinnen. Fritz Hüsler hinterlässt markante Spuren. Da und dort werden sie sichtbar bleiben. In einer Woche schliesst er das Gemeindeschreiber-Kapitel nach 44 Jahren, doch der Macher hat bereits ein neues aufgeschlagen: Dem von ihm initiierten Weingutprojekt am Eichberg wird er sich zusammen mit «seiner» Helen künftig noch mehr widmen können. Denn untätig sein, ist nicht sein Ding.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

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