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Versandhaus möchte in Schenkon kräftig ausbauen – stösst jedoch auf Granit

Die Lehner Versand AG plant in Schenkon eine Erweiterung ihres Gebäudes. Dem Vorhaben kommt aber der Gewässerschutz in die Quere.
Ernesto Piazza
Möchte seine Firma Lehner Versand in Schenkon erweitern: Mitinhaber Thomas Meier. (Bild: Roger Grütter, 8. Mai 2018)

Möchte seine Firma Lehner Versand in Schenkon erweitern: Mitinhaber Thomas Meier. (Bild: Roger Grütter, 8. Mai 2018)

Jetzt liegt in Schenkon die Ortsplanungsrevision auf. Und sie zeigt: Vor allem die Entwicklung des Gewerbegebiets «Zellgut» beinhaltet diverse Knacknüsse. Deshalb hat sich der Gemeinderat entschieden, eine erste Etappe vorzuziehen. Er will mit einer Teilrevision die dort bestehende Arbeitszone aufstocken.

Davon würden vor allem die Firmen Lehner Versand AG sowie die Pavese AG profitieren. «Von beiden haben wir eine Anfrage bekommen», sagt der CVP-Gemeindepräsident Patrick Ineichen.

«Brauchen dringend mehr Platz»

Lehner-Mitinhaber Thomas Meier bestätigt: «Wir brauchen dringend 6000 zusätzliche Quadratmeter Lagerfläche – und zwar eher gestern als heute», so der FDP-Kantonsrat. Um dem Engpass einigermassen zu begegnen, arbeitet das Versandhaus mit zwei Aussenlagern – und zwar im aargauischen Uerkheim und in Kottwil. Die dort gemieteten Palettenplätze kosten die Firma monatlich 30'000 Franken.

Es sei ein Dilemma, betont Meier, der zusammen mit seinem Bruder Philipp das rund 240 Mitarbeiter zählende Unternehmen führt. «Die ungenügenden Platzverhältnisse führen ebenfalls dazu, dass wir in unseren Expansionsplänen zurückgebunden werden. Zudem ist es ein ökologischer und logistischer Irrsinn, die Ware von den Aussenstandorten hin und her zu karren.»

Deshalb möchte das Versandhaus in Schenkon – dazu gehören acht Schweizer Filialen – das bestehende Gebäude um vier Etagen auf zirka 30 Meter aufstocken. Das entspricht einer Erhöhung von rund einem Drittel. Zudem soll mit einem Anbau von derselben Höhe ein Hochregallager realisiert werden. Hierfür möchte das Unternehmen einen Landstreifen erwerben. Diesbezügliche Gespräche mit dem Eigentümer der Parzelle seien gut verlaufen, so Meier.

In Grundwasserschutzzone kann nicht gebaut werden

Das Problem ist aber: Die erwähnte Fläche ist in einem Grundwasserschutzareal. Im Zusammenhang mit dem Bau der A2 wurde das Gebiet um Sursee hydrogeologisch untersucht und das Gebiet Zellfeld als geeignetster Standort für eine künftige Grundwasserfassung zur Versorgung der Region Sursee definiert.

«Gemäss Regierungsratsentscheid von 1989 darf das Gebiet dieses Schutzareals nicht der Bauzone zugeteilt werden. Ebenso darf man in einem Grundwasserschutzareal aufgrund der eidgenössischen Gewässerschutzverordnung keine Anlagen erstellen», erklärt Werner Göggel, Abteilungsleiter bei der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie (Uwe).

Gemeinde und Kanton haben das letzte Wort

Thomas Meier glaubt jedoch: «Die dafür notwendige Umzonung wäre möglich, sofern wir eine Dringlichkeit nachweisen. Die Autobahn A2, auf welcher täglich 60'000 Autos verkehren – manche mit Gefahrengut – führt mitten durch die Schutzzone. So sollte es doch möglich sein, einem Handelsbetrieb, der bautechnisch alles Mögliche unternimmt, dasselbe zu erlauben.»

Das Vorhaben bräuchte die Zustimmung des Regierungsrats und der Gemeindeversammlung. Patrick Ineichen dämpft allerdings die Erwartungen des Unternehmers. «Die Ausgangslage erscheint mir klar. Ich gehe nicht davon aus, dass hier, wenn die gesetzlichen Bedingungen dies vorschreiben, etwas zu machen ist und so ein Präjudizfall geschaffen wird.»

Lehner Versand gibt Studie für Pumpwerke in Auftrag

Dennoch besteht Hoffnung für Meier: Denn in der Nähe des Hauptsitzes gehören der Lehner Versandhaus AG mit den Parzellen 856 und 857 weitere 3600 Quadratmeter. Auf letzterem Grundstück befindet sich die Grundwasserfassung Zellfeld (Pumpwerk III). Deren Konzession läuft Ende 2021 aus. Ende 2018 ist das Pumpwerk von der Wasserversorgungsgenossenschaft Schenkon auf die Aquaregio AG übergegangen. Diese will längerfristig die Wasserversorgung in der Region Sempachersee sichern.

Beide Parzellen befinden sich innerhalb von Schutzzonen einer Grundwasserfassung. Damit stehen diese Flächen für eine Erweiterung grundsätzlich nicht zur Verfügung. Weiter genügen die Schutzzonen um das Pumpwerk III den gesetzlichen Anforderungen nicht mehr. Einerseits sind sie zu klein und andererseits stehen dort Anlagen, die nicht zulässig sind. Deshalb soll diese Fassung nach Ablauf der Konzession ins erwähnte Grundwasserschutzareal Zellfeld verlegt werden. Dort will man ein neues Pumpwerk bauen. Momentan laufen hierfür hydrogeologische Abklärungen. Diese wurden von der Lehner Versand AG in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dürften im Verlaufe des Septembers vorliegen.

Je nach vorhandener Ergiebigkeit und Qualität des Grundwassers im Schutzareal Zellfeld sollte es zudem möglich sein, längerfristig die beiden auf Surseer Gebiet liegenden Grundwasserfassungen (Pumpwerk I+II) dorthin zu zügeln. Sie erfüllen wegen der Nähe zur Autobahn die Vorgaben, die heute an Schutzzonen gestellt werden, nicht in allen Belangen. Diese beiden Konzessionen laufen 2036 respektive 2037 ab.

«Die Versorgungssicherheit geht vor»

Dass die Lehner Versand AG expandieren will, kann Sacha Heller, Verwaltungsratspräsident der Aquaregio AG, nachvollziehen. Und dass das jetzige Gebäude auf rund 30 Meter aufgestockt werden soll, ebenfalls. Das sei für ihn bei der heutigen Verdichtung völlig okay. Heller sagt aber auch: «Unsere Aufgabe ist es, ohne Wenn und Aber die Wasserversorgung für die Bevölkerung im Raum Aquaregio für die nächsten 80 Jahre zu sichern.» Und hierfür seien die örtlichen Begebenheiten nun mal gegeben, dass dieses Gebiet als ergiebigstes Grundwasserareal definiert wurde. «Die Versorgungssicherheit geht vor.»

Aquaregio ist nur dann bereit, die Lage neu zu beurteilen, wenn sich die Situation grundlegend ändern sollte. Das heisst: Dieselbe Fördermenge und Qualität liesse sich an einem Ort realisieren, wo die gesetzlichen Vorgaben, also vor allem Schutzzonenabstände, eingehalten werden.

Aquaregio treibt Investitionen voran

Die drei Pumpwerke decken im Moment rund 35 Prozent des neuen Verbunds ab. «Sie werden gemeinsam aufeinander abgestimmt betrieben und nutzen den gleichen Grundwasserträger», so Heller. «Für uns sind sie neben dem Seewasserwerk in Sempach der grösste Wasserbezugsort.» Momentan hat die Aquaregio diverse Projekte in Bearbeitung. So laufen für die Verbindungsleitung von Sempach nach Sursee (Seeleitung) und derjenigen von Sempach nach Rippertschwand sowie des dazugehörenden Pumpwerks die Beschaffungen der Planungsleistungen. Alle diese Projekte sind in einer ersten Investitionsphase budgetiert.

Weil für die Lehner Versand AG bei diesen Szenarien «viele Unsicherheiten bestehen», so Meier, konzentriere man sich in einer ersten Phase auf eine möglichst schnelle Aufstockung des bestehenden Gebäudes entlang der Autobahn. Der Lehner-Mitinhaber erklärt aber auch: «Sollte alles schieflaufen oder weitere langwierige Verzögerungen geben, wären wir gezwungen, andere Standorte zu prüfen.» Gemeindepräsident Patrick Ineichen sagt dazu: «Der Gemeinderat ist daran interessiert, dass in Schenkon angesiedelte Firmen tatsächlich hier bleiben. Und wir setzen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten auch dafür ein.»

Gemäss Gemeindeordnung muss Schenkon mit der Schlussabstimmung der Ortsplanungsrevision an die Urne. Diese ist frühestens für Winter 2020/21 geplant. Bei der separaten Teilrevision betreffend die erwähnte erste Etappe sieht die Exekutive die Beschlussfassung an der Gemeindeversammlung im Mai 2020 vor. Mit dem Zeitraster kann Meier leben. Wobei er betont: «Für uns ist entscheidend, dass wir die Gewissheit haben, dann loslegen zu können.»

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