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SCHENKON: Mit Hausarztstelle seinen Traum verwirklicht

Der frühere Weltklasse-Athlet Christian Wenk übernimmt eine Hausarzt- praxis. Auslöser für diesen Schritt war ein DOK-Film.
Ernesto Piazza
Christian Wenk zu Hause in Eich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Christian Wenk zu Hause in Eich. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Am Montagmittag bin ich zurückgekommen», sagt ein 40-jähriger nur so von Energie strotzender Mann. Nach einer viereinhalbmonatigen Reise durch diverse Länder Südamerikas ist Christian Wenk wieder zu Hause. Zusammen mit seiner Frau Jacqueline hat er das Abenteuer in vollen Zügen genossen. Auch weil er weiss: «Es war meine letzte Chance für eine nicht absehbare Zeit, so etwas zu machen.» Er sagt es – und setzt nur einen Moment später mit zwei flinken Handgriffen seinen Rollstuhl in die für das Gesprächs passende Position. Schnell wird klar: Wenk ist bereit, sich ab 1. April der neuen Herausforderung als Hausarzt zu stellen.

Ganze medizinische Bandbreite

Trotzdem: Der Schritt, den er jetzt vollzieht, ist keineswegs alltäglich. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Image und die Attraktivität dieses Berufsstandes momentan vielerorts leidet. Kommt dazu, dass er seinen Patienten im Rollstuhl sitzend und damit – auf den ersten Blick – nicht auf Augenhöhe begegnet. Dennoch sagt er: «Ich freue mich enorm auf die neue Herausforderung.» Wohl bewusst, mit diesem beruflichen Wechsel in gewisser Hinsicht auch einen Schritt zurückzumachen. Von der Oberarzttätigkeit am Notfallzentrum der Hirslanden Klinik St. Anna in die Hausarztpraxis. Oder mit andern Worten: Von der hoch spezialisierten Spitzenmedizin zur Grundversorgung. Wenk sagt: «Eine Hausarztstelle war schon immer mein Traum.» In dieser Funktion könne er die ganze medizinische Bandbreite abdecken und dazu Menschen über eine längere Zeit begleiten. Trotzdem sei man, ähnlich wie auf der Notfallstation, immer am Puls des Geschehens.

Wenn man Christian Wenk beim Erzählen zuhört wird schnell deutlich: Hier ist einer am Werk, der den Arztberuf liebt. Behinderung hin oder her. Diese zog er sich im Herbst 2000 in Japan zu. Als der damalige Weltklasse-Triathlet von einem Moment auf den andern abrupt aus seinem «normalen» Sportlerleben gerissen wurde. Christian Wenk prallte unverschuldet gegen ein Auto, und plötzlich war alles anders. Doch der 40-Jährige fasste wieder Boden und schloss zwei Jahre später erfolgreich sein Staatsexamen ab. Vor sieben Jahren lernte er bei einer Hausarzt-Praxisassistenz bei seinem jetzigen Schwiegervater René Hartmeier seine Frau Jacqueline kennen. Mit ihr ist er seit Herbst 2010 verheiratet und in Eich wohnhaft.

Fast jeder hat zwei Probleme

Dass ihn seine Behinderung in der Ausübung der Hausarzttätigkeit stören könnte, verneint er sofort. Im Gegenteil: Christian Wenk hat für seinen Neustart fachlich wie menschlich «ein sehr gutes Gefühl». Klar sei ein optimales Arbeiten mit Anpassungen der Einrichtung verbunden. Die Arbeit als Arzt passiere aber mit Kopf und Händen und nicht mit den Füssen. Zudem spiele Zeit und Empathie eine entscheidende Rolle. «Ich habe in jeder ärztlichen Tätigkeit erlebt, gerade auch auf der Notfallstation, dass fast jeder Patient zwei Probleme hat: das Symptom oder medizinische Problem weswegen er sich vorstellt, und – was wir Ärzte manchmal vergessen – die Angst, die damit verbunden sein kann. In meinen 12 Jahren Erfahrung als Arzt habe ich nicht ein einziges Mal erlebt, dass jemand wegen des Rollstuhls an meiner Kompetenz gezweifelt hat.»

Speziell freut ihn, dass sein Schwiegervater jetzt nicht nur ganz in seiner Nähe wohnt, «er übernimmt auch offiziell meine Stellvertretung». Dass Wenk jedoch überhaupt in Schenkon beruflich sesshaft wird, verdankt er einem speziellen Zufall. Als im Mai 2012 im SRF über ihn ein DOK-Film ausgestrahlt wurde, habe er gesagt, dass er sich vorstellen könne, eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Ursula Thüring sah und hörte es, und kurz darauf meldete sich ihr Mann Walter per Mail bei ihm zwecks allfälliger Praxisübernahme. Danach ging alles schnell. «Die Praxis – die Leute: Es war Liebe auf den ersten Blick», erinnert er sich.

Wenk hat auch gelernt, sich immer wieder neue Ziele zu stecken. «Was ich tue, mache ich mit vollem Einsatz, aus Begeisterung und mit viel Enthusiasmus. Oder ich lasse es sein.» So sei er seit jeher von seinen Eltern geprägt gewesen. «Sie taten alles mit Liebe und Leidenschaft, sie haben es vorgelebt», sagt er.

Sportlich ist Wenk oft mit dem Handbike in der Natur unterwegs. Hier holt er nicht zuletzt Kraft, um für die nächste Herausforderung gerüstet zu sein: für seine neue Hausarztpraxis in Schenkon.

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