Schenkon: Vom Urwald auf die Leinwand

Josef und Lotti Stöckli zeigen ihren neusten Dokumentarfilm. Für «Vom Fluch der Soja» reisten sie sechs Monate nach Brasilien.

Ernesto Piazza
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Zurück aus Brasilien: Josef (69) und Lotti (70) Stöckli in ihrem Zuhause in Schenkon. (Bild: Boris Bürgisser)

Zurück aus Brasilien: Josef (69) und Lotti (70) Stöckli in ihrem Zuhause in Schenkon. (Bild: Boris Bürgisser)

«Die bei solchen Projekten gemachten Erfahrungen sind unbezahlbar», sagt Lotti Stöckli (70). «Wir haben das Privileg, ein anfängliches Hobby mittlerweile als unsere grosse Leidenschaft ausleben zu dürfen», fügt Ehemann Josef (69) an. So weilte das Filmemacher-Ehepaar aus Schenkon im vergangenen Jahr für Dreharbeiten während sechs Monaten im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso auch bekannt als der «Wilde Westen Brasiliens». Entstanden ist der rund 40-minütige Dokumentarfilm «Vom Fluch der Soja». Heute Abend findet im Begegnungszentrum Schenkon die Premiere statt.

Ausgewandert vor 40 Jahren

Als das Ehepaar vor 40 Jahren ein erstes Mal nach Südamerika auswanderte, dachte es allerdings nicht daran, dass das Filmschaffen sie über eine so lange Zeit buchstäblich fesseln würde. Der jetzt pensionierte Sekundarlehrer Josef Stöckli war nämlich damals soeben für eine Stelle an der Auslandschweizer-Schule in Santiago de Chile gewählt worden. «Wir wollten dort einige Jahre bleiben und auch Land und Leute kennen lernen», sagt er. Für seine Frau Lotti ging es primär darum, im Ausland den eigenen Horizont zu erweitern. Sie sei bereits während eines früheren USA-Aufenthalts bei einem Abstecher nach Mexiko vom Latino-Virus infiziert worden. In dieser Zeit entstand der erste Film: «Diesen drehten wir mit südchilenischen Indianern», blickt Josef Stöckli auf seine filmischen Anfänge zurück.

Nach vier Jahren allerdings wurden sie mit der Frage konfrontiert, ob ihre beiden Kinder Reto und Sibylle in Südamerika eingeschult werden sollen. Letztlich entschieden sie sich für eine Rückkehr in die Schweiz. 1984 folgte jedoch für die vierköpfige Familie ein zweiter Aufbruch nach Südamerika. Diesmal mit der Destination Brasilien. Erneut arbeitete Josef Stöckli diesmal für drei Jahre – an einer Schule für Auslandschweizer.

Fernab unserer Zivilisation

Wieder zurück in der Schweiz professionalisierte er sukzessive sein filmisches Schaffen. «Uns beschäftigten zusehends Themen, die sich hinter all den schönen Kulissen verborgen hielten.» Die Filmemacher interessierten sich fortan vor allem für Menschen, die sich mit ihren Schicksalen am Rande der Gesellschaft bewegen. «Diesen Personen wollen wir mit unseren Werken eine Stimme geben», sagt er. Dadurch bewegen sie sich oft fernab von der uns gemeinhin bekannten Zivilisation. Lotti Stöckli weiss denn auch: «Bei unseren Dreharbeiten gibt es keine Viersternehotels.» Übernachtungen in der Hängematte bei den Menschen vor Ort, gehörten dazu. «Wichtig ist für uns immer, ihr Vertrauen zu gewinnen», sagt Josef Stöckli. Nur so bekomme man die Chance, die tatsächlichen Verhältnisse filmisch festzuhalten.

So passiert ist es auch beim jüngsten der mittlerweile rund 20 Dokumentarfilme. Auf die Thematik Soja seien sie bei den letzten beiden Projekten in Brasilien gestossen, so Lotti Stöckli. «Damals fuhren wir an solchen Plantagen vorbei und sahen, mit welchen Problemen Kleinbauern in deren unmittelbarer Nähe konfrontiert sind.» Ihr Film «Vom Fluch der Soja» vermittelt denn auch viel ökologisch-sozialen Hintergrund. Das Thema habe ebenfalls mit uns Schweizer Konsumenten zu tun, sagt Josef Stöckli. «Denn je mehr die Nachfrage nach Fleisch in allen Teilen der Welt steigt, desto mehr würden Tiere mit Soja gefüttert. Und entsprechend lukrativer wird das Geschäft mit der eiweisshaltigen Bohne für eine kleine Schicht von Privilegierten.»

Rund 240 Millionen Tonnen Soja werden jährlich auf der Welt produziert. Um diese Menge herzustellen, braucht es 100 Millionen Hektaren Boden. Das entspricht 25 Mal der Fläche der Schweiz. Inmitten dieser Monokulturen versuchen die Kleinbauern in Brasilien, ihre für sich benötigten Lebensmittel anzubauen. Bei der Begleitung dieser Menschen stellten Stöcklis unschwer fest: «Das ist ein fast aussichtsloses Unterfangen.» Und weiter betonen sie: 900 Millionen Liter hochgiftige Pestizide und Herbizide landeten in Brasilien jedes Jahr auf den riesigen Kulturen. «Darunter befinden sich mehr als 50 Substanzen, die in Europa schon längst verboten sind.» Die Folgen sind absehbar: Nicht wenige der Kleinbauern klagten, dass das viele Gift ihnen Gemüse und Früchte kaputt mache, sagt Josef Stöckli. «Dies lässt die Leute aber nicht nur kontinuierlich verarmen: Die Menschen werden auch noch krank.» Der Wind verbreite die mit Flugzeugen gespritzten Schadstoffe und bringe vielen dadurch sogar den Tod, so der Schenkoner.

Solidarität erwirken

Insgesamt 180 Drehtage haben Josef und Lotti Stöckli in ihr aktuellstes Werk investiert. Verdienen lasse sich mit ihren Projekten allerdings nichts. Für sie ist wichtig, dass die Ausgaben jeweils gedeckt sind.

Mit ihrem Film «Vom Fluch der Soja» versuchen die Stöcklis, ein Stück Solidarität bei Menschen zu erwirken, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Deshalb ist ihr Projekt eng in die ökumenische Kampagne von Fastenopfer, Brot für alle, eingebunden. «Wir engagieren uns hier für eine gute Sache», sagt Josef Stöckli.

Hinweis: Die Filmpremiere in Schenkon ist ausgebucht. Weitere Informationen zu zusätzlichen Vorführungen des Films gibt es auf Anfrage: stockli@gmx.ch.