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Schiffe laufen auf Grund – jetzt wird der Luzerner Hafen bis zu 1,5 Meter tief ausgebaggert

Diesen Sommer wird der Hafen rund um die SGV-Werft zur Grossbaustelle: Insgesamt 25'000 Tonnen Seegrund sollen entfernt werden. Dies ist nötig, damit die Schiffe wieder freie Fahrt erhalten. Wer die nötigen 2,3 Millionen Franken bezahlen wird, ist aber noch unklar.
Robert Knobel
Der Hafen bei der SGV-Werft verlandet zunehmend. (Bild: Boris Bürgisser, 8. März 2019)

Der Hafen bei der SGV-Werft verlandet zunehmend. (Bild: Boris Bürgisser, 8. März 2019)

Wenn die Dampf- und Motorschiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) nach einem langen Arbeitstag auf dem See nach Luzern zurück kehren, werden sie über Nacht jeweils im Hafen zwischen Inseli und Alpenquai vor der Werft «parkiert». Doch anders, als man von einem «Schiff-Parking» erwarten würde, besteht dieses nicht nur aus Wasser: Die Schiffe fahren jeweils gegen die Quaimauer hin in den Schlamm hinein:

Der Grund dafür ist die zunehmende Verlandung des Luzerner Seeufers durch abgelagerte Sedimente. Dies ist zwar ein natürlicher Vorgang. Er wird aber durch die häufigen Schiffsbewegungen zusätzlich verstärkt . Damit die SGV-Schiffe nicht mehr länger auf Grund laufen, wenn sie in den Hafen einfahren, soll dieser nun ausgebaggert werden. Insgesamt rund 17‘000 Kubikmeter respektive 25'000 Tonnen Seegrund will die SGV entfernen und bis zu 1,5 Meter tief graben. Zurzeit liegt das Gesuch beim Kanton zur Prüfung auf – der Kanton muss die Bewilligung erteilen, weil der See ihm gehört.

Dieser Bereich des Hafens (orange) soll ausgebaggert werden.

Dieser Bereich des Hafens (orange) soll ausgebaggert werden.

Geht alles nach Plan, will die SGV die Arbeiten schon in diesem Sommer ausführen lassen. «Der Sommer ist dafür ideal, weil die Schiffe tagsüber auf dem See sind und wir so im Hafen ungestört arbeiten können», sagt Martin Wicki, Delegierter für Sonderprojekte der SGV Holding AG . Anders als bei der Ausbaggerung der Reuss vor einigen Jahren sollen im Hafen nicht herkömmliche Bagger zum Einsatz kommen. Vielmehr soll das Material am Seegrund abgesaugt und über temporär verlegte Leitungen direkt zu den Bahnwaggons transportiert werden, die am Alpenquai stationiert sind:

Über ein Werkgleis gelangen die Züge mit dem Aushubmaterial vom See zum Bahnhof.

Über ein Werkgleis gelangen die Züge mit dem Aushubmaterial vom See zum Bahnhof.

Per Bahn gelangt das Aushubmaterial anschliessend in eine Deponie. Pro Woche sollen rund zwanzig Waggons gefüllt werden. Die Saugmethode hat den Vorteil, dass im Gegensatz zum Bagger-Einsatz viel weniger Material aufgewirbelt wird.

Die Kosten für die Aushubarbeiten belaufen sich auf rund 2,3 Millionen Franken. Das ist ein hoher Betrag – den die SGV nach ihrer Meinung nicht alleine tragen soll. Martin Wicki: «Zurzeit sind wir in Verhandlungen mit dem Kanton bezüglich einer Kostenbeteiligung.» Denn der Kanton ist nicht nur Eigentümer des Sees, sondern er hat von Gesetzes wegen auch den Auftrag, den See schiffbar zu halten. Doch diese Vorgabe ist irgendwann infrage gestellt, wenn die Verlandung ungehindert weiter geht. Gemäss Martin Wicki sind Massnahmen in der jetzt geplanten Grössenordnung etwa alle 30 Jahre notwendig.

Unter der Verlandung leidet übrigens nicht nur die SGV. Auch der benachbarte Motorboothafen beim Inseli hat dieses Problem. Die Stadt Luzern als Besitzerin des Bootshafens hat daher bei der SGV angeklopft, damit dieser gleich mit ausgebaggert werden kann. Sobald die Bewilligung vorliegt, wird sich die Stadt mit den Bootsplatz-Mietern in Verbindung setzen.

Durch die Aushubarbeiten wird zwar ein Teil der Unterwasservegetation zerstört – darunter auch geschützte Algenarten. Diese sollen nach Abschluss der Arbeiten aber wieder angesiedelt werden. Hinzu kommen ökologische Aufwertungen für Fische.

SGV liebäugelt mit zusätzlichen Schiffen – und einem grösseren Hafen

Die Ausbaggerung des Hafens sorgt nicht nur dafür, dass die Schiffe wieder ungehindert fahren können, sondern legt auch die Basis für eine mögliche spätere Erweiterung des Hafens. Dies würde es der SGV erlauben, zusätzliche Schiffe zu parkieren. Denn mittelfristig könnte ein weiterer Flottenausbau zum Thema werden. «Bei weiter steigender Nachfrage und entsprechendem Ausbau des Angebotes fehlt uns irgendwann ein grosses polyvalentes Motorschiff vom Typ Diamant», sagt Martin Wicki. Im Moment liege der Fokus auf der Sanierung des Dampfschiffs Stadt Luzern, die noch bis 2021 dauert. Danach könne man sich wieder anderen Grossprojekten widmen.

Im Hinblick auf einen Ausbau des Hafens liessen die SGV von einem Ingenieurbüro schon einmal eine Konzeptstudie erarbeiten. Gemäss dieser könnten die heutigen Schiffstege bis zu 75 Meter in den See hinaus verlängert werden. Aufgerüstet werden könnte auch die SGV-Werft. Die Studie schlägt den Bau einer Werkplattform auf dem See unmittelbar vor dem Eingang zur Werft vor. Weiter draussen im See würde eine Hebeanlage erstellt, um die Schiffe auf die Werkplattform zu hieven:

Martin Wicki betont allerdings, dass es noch keine konkreten Pläne für eine Hafenerweiterung gebe. In zirka zehn Jahren könnte ein solches Projekt aktuell werden.

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