SCHIFFFAHRT: Dampferfreunde fürchten um «Gallia»

Die SGV musste bisher eine Mindest­anzahl von «Dampferkilometern» absolvieren. Der Vertrag läuft nun aus. Werden ein- zelne Schiffe überflüssig?

Roger Rüegger
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Das Oberdeck des Dampfschiffs «Gallia» - hier bei der Jubiläumsfahrt am 18. Mai. Das Schiff fährt zurzeit nur selten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Oberdeck des Dampfschiffs «Gallia» - hier bei der Jubiläumsfahrt am 18. Mai. Das Schiff fährt zurzeit nur selten. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Raddampfer «Gallia» feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Das Jubiläumsjahr verbringt die «Gallia» bis jetzt aber mehrheitlich auf dem Abstellplatz. Denn das Dampfschiff kommt jeweils nur ein- oder zweimal pro Woche zu einem Einsatz auf dem See. Dies weckt bei vereinzelten Mitgliedern der rund 11 500 Dampferfreunde Misstrauen. So befürchtet Daniel Eichenberger aus Luzern – er ist auch Aktionär der SGV –, dass die «Gallia» schleichend ausser Dienst gestellt wird.

«Vertragsloser Zustand»

Hinzu kommt: Bisher hat die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) den Dampferfreunden vertraglich zugesichert, pro Jahr rund 60 000 Schiffskilometer mit Dampfschiffen zu absolvieren. Eine solche Vereinbarung wurde immer dann getroffen, wenn eine Generalsanierung eines Dampfschiffes anstand, welche die Dampferfreunde mit ihren Spenden massgeblich unterstützten. Doch mit dem Abschluss der Sanierung der «Unterwalden» 2011 läuft nun auch die entsprechende Vereinbarung aus. «Wir befinden uns in vertragslosem Zustand», sagt Dampferfreunde-Präsident Beat Fuchs. Und weil zurzeit keine neue Sanierung eines Dampfschiffes ansteht, ist auch kein neuer Vertrag in Sicht. An der GV der Dampferfreunde vom vergangenen Samstag wurde von Seiten der SGV aber zugesichert, dass man sich weiter an die 60 000 Dampferkilometer halten werde und dass für die nächsten Jahre der Einsatz aller fünf Dampfschiffe garantiert sei.

Daniel Eichenberger findet dennoch, das sei keine Garantie, dass auch die «Gallia» künftig noch Passagiere befördern wird. «Die von der SGV garantierten Kilometer könnten locker mit zwei bis drei Dampfern absolviert werden», sagt er. Zudem will die SGV demnächst ein neues Motorschiff bauen – als Ersatz für das MS «Rigi». Doch Eichenberger fürchtet: «Welches Schiff der Neubau nun explizit in Frage stellt, ist offensichtlich – sicher kein Motorschiff.»

Dieses Jahr an 85 Tagen im Einsatz

Immerhin wird die «Gallia» zwischen Juli und Mitte August täglich zu Kursfahrten ablegen. Damit wird die Jubilarin in diesem Jahr auf rund 85 Betriebstage kommen. Zu wenig, finden auch andere Dampferfreunde. «Schade, dass die SGV so eine Marketingchance nicht nutzt. Bei 100 Jahren wären doch auch 100 Betriebstage angemessen», sagen Greth und André Hofer aus Küssnacht.

SGV-Direktor Stefan Schulthess sagt zu den Vorwürfen: «Bei der Bearbeitung des Fahrplans sind jeweils zwei offizielle Vorstandsmitglieder der Dampferfreunde involviert. Auch der Kilometerumfang, den die Raddampfer zurücklegen, wurde schriftlich festgehalten. Dieser ist für sämtliche Dampfschiffe aufgesetzt worden, und entsprechend werden auch alle fünf Schiffe eingesetzt. Das gilt bis auf weiteres.» Das neue Motorschiff, welches die SGV baue, sei ein Ersatz für das MS «Rigi» und habe überhaupt keinen Einfluss auf den Betrieb eines Raddampfers. Dass die «Gallia» damit in Zusammenhang stehe, sei eine Fehlinterpretation.

Bei Regen soll «Gallia» nicht raus

Den Wunsch, die altehrwürdige «Gallia» häufiger einzusetzen, kann Schult­hess zwar nachvollziehen. Er hält aber fest, dass die gegenwärtige Situation auch mit dem Wetter zu tun hat. Die «Gallia» – wie auch das Dampfschiff «Schiller» – sei zwar ein grosses Schiff, aber sie verfüge nur über rund 100 Innensitzplätze. «Es macht deshalb keinen Sinn, diese Raddampfer bei kühlem Frühlings- oder Herbstwetter in Betrieb zu nehmen», sagt Schulthess. Er fügt hinzu, dass die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees als betriebswirtschaftlich geführtes Unternehmen zuweilen andere Ziele habe als der Verein der Dampferfreunde. «Die Betriebskosten eines Raddampfers sind rund doppelt so hoch wie die Kosten eines gleich grossen Motorschiffes.»