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SCHIFFSUNFALL: «Diamant» fuhr wohl zu nahe am Ufer – technischer Defekt ausgeschlossen

Wenige Tage nach der Kollision des MS Diamant mit einem Felsen vor Kehrsiten verdichten sich die Hinweise, dass das Schiff zu nahe am Ufer gefahren ist. Die Ermittlungen laufen; das Schiff fällt wohl monatelang aus.
Kilian Küttel
Trockengelegt: die «Diamant» in der Luzerner Werft. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 11. Dezember 2017))

Trockengelegt: die «Diamant» in der Luzerner Werft. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 11. Dezember 2017))

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Es ist Donnerstagabend, wenige Minuten vor 21 Uhr. Der Autohersteller Seat hat für einen Anlass auf das MS Diamant eingeladen, 163 Gäste sind gekommen. Darunter auch ein Autohändler aus dem Kanton Zürich. Nach dem Abendessen und kurz vor Kehrsiten, begibt er sich zum Ausgang des Schiffs. Er will zusammen mit zwei Kollegen das Anlegemanöver beobachten. Als er hinausblickt, stellt er fest: «Wir sind viel zu nahe am Ufer.» Seine Freunde schauen sich an, pflichten ihm bei. Ihnen ist unwohl. Und auch die beiden Besatzungsmitglieder, welche das Anlegen vorbereiten, machen einen nervösen Eindruck. Laut dem Augenzeugen rufen sie hoch zum Schiffsführer, wollen ihn warnen.

Doch es ist zu spät. Ein Ruck geht durch das Gerippe des 15,5-Millionen-Prunkstücks, das von der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) vor einem halben Jahr in Betrieb genommen wurde. «Wir sind sehr erschrocken und hatten ein mulmiges Gefühl», schildert der Anwesende. Die «Diamant» hatte einen Felsen unter Wasser gerammt. An mehreren Stellen schlug der Rumpf leck, worauf Wasser in Teile des Schiffs drang. Der Augenzeuge schildert, eine Mitarbeiterin sei aus dem Untergeschoss die Treppe hoch gekommen: «Sie sagte der Besatzung, Wasser laufe ins Schiff.» Da habe er gewusst, dass sie das Schiff werden schnell verlassen müssen. Die havarierte «Diamant» kann die rund 370 Meter bis zur Station in Kehrsiten aus eigener Kraft bewältigen. Die 163 Passagiere an Bord sowie die 4 Besatzungsmitglieder und die 12 Gastronomieangestellten können das Schiff unverletzt verlassen. «Hektik ist keine ausgebrochen. Die Stimmung war zwar angespannt, die SGV-Leute sind aber sehr gut mit der Situation umgegangen», so der Mann aus Zürich.

Ermittler: «Das Schiff fuhr nahe am Ufer»

Derzeit ermittelt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), wie es zur Havarie kommen konnte. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Christoph Kupper, bei der Sust unter anderem zuständig für Schiffsunfälle: «Wir haben den Schaden begutachtet und werden die gesammelten Daten nun auswerten – unter anderem die Aufzeichnungen des GPS- und Radargeräts.» Zudem hat die Sust bereits mit den beiden Schiffsführern gesprochen, die auf der «Diamant» im Einsatz gestanden hatten. Zur Ursache kann sich Kupper noch nicht äussern, sagt aber: «Das Schiff ist mit Sicherheit nahe am Ufer gefahren.»

Unsere Zeitung erreichten in den letzten Tagen mehrere Nachrichten von Personen, die zum Zeitpunkt des Unfalls an Bord der «Diamant» waren. Diese teilen unisono die Einschätzung Kuppers. Unter anderem hätten gar Äste von Bäumen am Seeufer das Schiff touchiert.

Bewiesen ist derweil noch nichts. Laut Kupper dürfte es mehrere Monate dauern, bis der offizielle Schlussbericht der Sust veröffentlicht wird. Und auch SGV-Direktor Stefan Schulthess verweist auf die laufenden Abklärungen, als ihn unsere Zeitung auf die Meldungen der Augenzeugen anspricht. Dennoch erklärt er: «Stand jetzt schliessen wir einen technischen Defekt aus.» Weiter sei es ja kein Geheimnis, dass der Zwischenfall nicht mitten auf dem See passiert sei. Allerdings dementiert Schulthess die Darstellung des Zürcher Augenzeugens, wonach die Besatzungsmitglieder den Schiffsführer warnen wollten: «Solche Rufe hat es meines Wissens nicht gegeben.»

Die beiden Schiffsführer wurden beurlaubt. Bis die Unfallursache geklärt ist, werden sie nicht im Fahrdienst eingesetzt. «Das hat aber nichts mit einer voreiligen Schuldzuweisung zu tun», versichert Stefan Schulthess. Viel mehr sei es eine Routinemassnahme, die bei derartigen Unfällen getroffen wird. «Nicht zuletzt auch, um die involvierten Personen zu schützen», sagt Schulthess. Noch nicht spekulieren will er zum jetzigen Zeitpunkt über die allenfalls zu treffenden Massnahmen, falls sich herausstellt, dass der Unfall auf fahrlässiges Verhalten zurückzuführen ist.

Schäden an Elektronik sorgen für langen Ausfall

Die «Diamant» befindet sich derzeit in der SGV-Werft in Luzern. Noch ist nicht bekannt, wie teuer der Unfall die SGV zu stehen kommt. Schulthess rechnet mit einem Sachschaden im siebenstelligen Bereich, der aber zum Grossteil versichert sei. Wie lange der neue Stolz der Schifffahrtsgesellschaft ausfällt, ist noch nicht genau bekannt. Schulthess geht allerdings davon aus, dass die «Diamant» im kommenden Frühling wieder auf dem See verkehren wird. Es seien aber nicht die Reparaturen am Rumpf, die in erster Linie so lange dauern würden. Schulthess: «Ein Teil der elektronischen Anlagen wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese zu ersetzen dauert eine längere Zeit, deshalb fällt die ‹Diamant› mehrere Monate aus.»

Das Ufer östlich der Station Kehrsiten-Bürgenstock bei Tageslicht. (Bild: Robert Bachmann (Kehrsiten, 10. Dezember 2017))

Das Ufer östlich der Station Kehrsiten-Bürgenstock bei Tageslicht. (Bild: Robert Bachmann (Kehrsiten, 10. Dezember 2017))

Der Wald am Bürgenberg reicht bis ans Wasser. (Bild: Robert Bachmann (Kehrsiten, 10. Dezember 2017))

Der Wald am Bürgenberg reicht bis ans Wasser. (Bild: Robert Bachmann (Kehrsiten, 10. Dezember 2017))

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