SCHLACHTFEIER: Feier-Rede: «Winkelried ist ein Vorbild»

Der Kommandant der Schweizer Garde, Daniel Anrig, hat an der Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach zu mehr Gemeinschaftssinn und persönlichem Engagement aufgerufen. Als Vorbild diente ihm dabei Arnold Winkelried, der Held von Sempach.

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Gedenkfeier zu Schlacht von Sempach. In der St.Stefan Kirche in Sempach. Oberst daniel Rudolf Anrig (links) und Regierungsrat Guido Graf mit ihren Weibel. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Gedenkfeier zu Schlacht von Sempach. In der St.Stefan Kirche in Sempach. Oberst daniel Rudolf Anrig (links) und Regierungsrat Guido Graf mit ihren Weibel. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Winkelried hatte der Legende nach am 9. Juli 1386 bei Sempach Lanzen von habsburgischen Rittern gepackt, um den Eidgenossen eine Bresche zu öffnen. Dabei spiesste er sich selbst auf und fand dabei den Tod.

Thema der diesjährigen Feier war die "Energie". Wer an etwas Grösseres als sich selbst glaube und nicht sich selbst ins Zentrum stelle, setze Energie frei, sagte Anrig am Anlass in der Kirche St. Stefan. Winkelrieds Engagement sei ein Beispiel dafür, welch einen Mehrwert die Leistung und die Opferbereitschaft eines Einzelnen erbringen könne.

In der Schweiz hat der einzelne Mensch gemäss Anrig die Möglichkeit, an der Verwirklichung gemeinsamer und übergeordneter Ziele mitzuwirken und so Energie freizusetzen. Der Gardekommandant führte dazu das Milizsystem, den Föderalismus und das Vereinswesen an.

Gegen Effekthascherei

Viele Talente und Privilegierte würden sich aber nicht für die Gemeinschaft einsetzen, kritisierte Anrig. In einer Zeit der Effekthascherei tendiere man dazu, sich nur bei gebührender Wahrnehmung zu engagieren oder es sich bequem zu machen.

Individualismus, Partikularinteressen und Entfremdung von Armee, Kirche und Vereinen würden an der Kraft der Gesellschaft nagen, sagte Anrig. "Wir müssen wieder vermehrt daran glauben, kraftvoll die Zukunft mit unserer Energie und Kampfkraft gestalten zu können, ohne bloss auf den schnellen Effekt aus zu sein."

Vor dem Festakt hatte der Theologieprofessor Markus Ries im ökumenischen Gottesdienst die Festpredigt gehalten. Einst hätten Helden und Waffen über die Stärke des Volkes entschieden, sagte er. Heute dagegen sei das Schicksal der Schwächeren der Massstab.

Ries erinnerte an die Präambel der Bundesverfassung, in der es heisse, "dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen". Für 1386 würden so neue Erinnerungsorte entstehen, etwa die Gassenküche oder die Notschlafstelle.

Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ
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Energiehaushalt der Gesellschaft

Auch der Luzerner Regierungspräsident Guido Graf thematisierte in seinem Grusswort die "Energie" und die Solidarität in der Gemeinschaft. Der Gesellschafts-Energiehaushalt dürfe nicht aus dem Gleichgewicht geraten, sagte er. Die Schlacht bei Sempach sei ein wichtiges Ereignis für die Unabhängigkeit der Schweiz und damit für die Entwicklung einer solidarischen Gemeinschaft gewesen.

Vor der Feier waren die geladenen Gäste - der gesamte Luzerner Regierungsrat, der Kantonsratspräsident, Delegierte der Kantone Aargau und Schwyz, der Justiz, der Armee und der Zunft zu Safran - vom Luzerner Tor zur Kirche marschiert. Fahnendelegationen begleiteten die Prozession.

Im Städtchen Sempach wurde aus Anlass der Schlachtfeier ein zweitägiges Mittelalter-Fest durchgeführt. An Marktständen wurden Felle, Amulette und Honigwein verkauft, altes Handwerk und mittelalterliche Waffen vorgeführt.

Es ist das dritte Mal, dass die Gedenkfeier nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Städtchen stattfand. Mit der Neukonzeption der Feier hatte der Kanton Luzern darauf reagiert, dass ab 2003 Rechtsextreme mit auf das Schlachtfeld marschierten. 2009 führten junge Linke eine Gegendemonstration durch. (sda)

Hier finden Sie die komplette Festpredigt von Dr. Markus Ried, die Festrede von Daniel Arnig, das Grusswort von Regierungspräsident Guido Graf sowie der Ablaufplan der Feier.