SCHLÄGEREI: Strafbefehl gegen das «Opfer» von Ruswil

Ein junger Mann wurde vor dem Fire-Pub in Ruswil übel zugerichtet. Jetzt, nach über einem Jahr, gerät er selber in ein schiefes Licht. Die Staats- anwaltschaft hat Strafbefehl gegen ihn erhoben.

Pascal Imbach
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Firepub in Ruswil. (Bild: Archiv Neue LZ)

Firepub in Ruswil. (Bild: Archiv Neue LZ)

Der Fall hat in und um Ruswil hohe Wellen geworfen: Vor dem Fire-Pub, mitten auf dem Dorfplatz der Luzerner Gemeinde, wurde am Weihnachtsabend 2011 ein junger Ruswiler von einem Schlägertrupp spitalreif geschlagen. Er erlitt schwere Verletzungen und war zwischenzeitlich arbeitsunfähig, so zumindest schilderte das vermeintliche Opfer damals selber den Vorfall. Sein Verdacht: Er wurde von Mitgliedern einer Motorradgang zusammengeschlagen, die mutmasslich von der Betreiberin des Pubs aufgeboten worden waren (wir berichteten im Januar 2012).

Nun erscheint der Fall Fire-Pub aber in einem neuen Licht: Über ein Jahr nach der Gewalttat ist das vermeintliche Opfer selber im Visier der Behörden. Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, hat die Staatsanwaltschaft Sursee bereits vor rund fünf Monaten Strafbefehl gegen den heute 30-Jährigen ausgestellt. Es geht dabei unter anderem um Körperverletzung und Diebstahl.

Noch keine Verurteilung

Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, bestätigt den Strafbefehl, kann aufgrund des noch laufenden Verfahrens aber keine detaillierten Angaben machen. «Die Wirtin des Fire-Pubs hat Strafklage gegen den Mann eingereicht, das ist richtig», sagt Kopp. Bislang sei ein Strafbefehl ergangen, «ob es zu einem juristischen Verfahren – in diesem Fall vor Bezirksgericht – kommen wird, ist derzeit noch offen». Wie in solchen Fällen üblich, kann der Beschuldigte den Strafbefehl und die damit verbundene Strafe entweder akzeptieren, oder zurückweisen. Ist Letzteres der Fall, hat der Staatsanwalt zu entscheiden, ob er gegen den Beschuldigten einen neuerlichen, womöglich leicht modifizierten Strafbefehl verhängt oder ob er den Fall in die Hände eines Richters legt. «Genau dies ist im Moment in Abklärung. Ein Entscheid ist diesbezüglich noch nicht gefällt», sagt Kopp. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt für den Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Hasstiraden gegen die Besitzerin

Der 30-Jährige war diese Woche für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Pub-Betreiberin hingegen äussert sich auf Anfrage – gibt sich aber bewusst zurückhaltend. «Ich habe in den vergangenen eineinhalb Jahren genug durchgemacht», sagt sie. Was sie damit meint, ist in Ruswil ein offenes Geheimnis: Nach Bekanntwerden der Schlägerei vor dem Pub haben Unbekannte im Dorf massiv Stimmung gegen die Wirtin gemacht. So wurden beispielsweise beim Vitaparcours Zettel aufgehängt, auf denen die Frau verunglimpft und zum Boykott ihrer Bar aufgerufen wurde (wir berichteten). Auch gegen Mitarbeiterinnen des Pubs gab es gezielte, persönliche und ebenfalls anonyme Drohungen, wie der Anwalt der Pub-Chefin unserer Zeitung gegenüber damals bestätigt hat.

Grosser Schaden fürs Geschäft

Von sieben Briefen mit massiven Drohungen gegen die Angestellten des Pubs ist in diesem Zusammenhang die Rede, ausserdem seien die Barfrauen auch telefonisch von unbekannten Personen eingeschüchtert worden. Wer hinter den Aktionen steckt, ist ungeklärt. Für die Wirtin, die nicht aus Ruswil, sondern von einer Gemeinde «auswärts» stammt, ist das eine Riesenbelastung. «Alles, was ich möchte, ist, dass das Ganze endlich ein Ende hat», sagt sie unserer Zeitung gegenüber. «Der Schaden für mich als Privatperson sowie für mein Geschäft ist enorm. Das kann man in Franken gar nicht beziffern.» Zum Strafverfahren gegen das vermeintliche Opfer möchte sie sich nicht im Detail äussern. «Was ich sagen kann, ist, dass es eine gewisse Genugtuung für mich ist, dass diese Person von der Justiz nun einmal genauer unter die Lupe genommen wird.» Dass der junge Mann unter gewissen Umständen nämlich aggressiv und unberechenbar sei und im Dorf schon mehrfach negativ auffiel, darüber wüssten in Ruswil viele Bescheid.

Keine Beweise für Verletzung?

Zu denken geben der Wirtin nicht zuletzt auch die mutmasslich falschen Aussagen, die der Ruswiler im Dorf – und auch gegenüber den Medien – nach dem Vorfall machte. Da war beispielsweise die Rede von einer Schädelfraktur, die er erlitten haben soll. Für schwere Verletzungen aber habe es zu keinem Zeitpunkt eine ärztliche Bestätigung gegeben. «Dass er mich hingegen in meiner eigenen Bar tätlich angegriffen und gewürgt hat, bevor er von anderen Gästen aus dem Lokal gewiesen wurde, das hat er verschwiegen.»

Ungeachtet der neusten Entwicklungen läuft auch gegen die Chefin des Fire-Pubs noch ein Verfahren. Dieses zieht sich nun schon längere Zeit hin (siehe Kasten). Auch für die Wirtin gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.