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Schliessung des Restaurant Goldener Wagen in Oberkirch: «Es wird Wehmut mitschwingen»

Patrick Sommer verlässt nach acht Jahren das Restaurant in Oberkirch. Den 39-jährigen Küchenchef zieht es zurück in seine engere Heimat: In Grosswangen übernimmt er den Betrieb seines Vaters.
Ernesto Piazza
Patrick Sommer (links) – hier mit Restaurantleiter Christian Berger – im Restaurant Goldener Wagen. (Bild: Eveline Beerkircher (Oberkirch, 10. Januar 2019))

Patrick Sommer (links) – hier mit Restaurantleiter Christian Berger – im Restaurant Goldener Wagen. (Bild: Eveline Beerkircher (Oberkirch, 10. Januar 2019))

Leichte Musik erfüllt die Gaststube. Noch ist es ruhig an diesem nasskalten Wintermorgen im Restaurant Goldener Wagen in Oberkirch. Küchenchef Patrick Sommer findet Zeit für ein kurzes Gespräch, bevor am Mittag wieder viel Betrieb herrscht. «Auch für die letzten Tage haben wir schon viele Reservationen entgegennehmen dürfen», sagt der 39-Jährige. Und mit «wir» meint er auch seinen Geschäftspartner und Restaurantleiter Christian Berger sowie ein Team von rund 15 Angestellten.

Doch in zwei Wochen geht eine achtjährige Gastrogeschichte zu Ende. Sommer zieht es zurück zu seinen Wurzeln. Dazu aber später mehr. Er sagt: «Wir haben hier etwas aufgebaut und dürfen ein wenig stolz auf das Erreichte sein.» Sein Lächeln wirkt bescheiden und zufrieden. Viele hätten ihnen abgeraten, diesen Betrieb zu übernehmen. Zuvor gab es diverse Wechsel, das Restaurant lieft oft nicht gut. «Doch wir wollten beweisen, dass man als junge Gastronomen erfolgreich sein kann.»

«Man muss Menschen gern haben»

Nach der Kochlehre und Weiterbildungen bis zum eidgenössischen Diplom, hat Sommer unter anderem in den beiden Luzerner Hotels Seeburg und Continental Park gearbeitet. Kochen ist definitiv seine grosse Leidenschaft, sein Traumberuf schlechthin. Deshalb steht er privat ebenfalls sehr gerne am Herd – dann jedoch bei «etwas Musik und einem Glas Wein». Sommer ist ein Geniesser. Es ist immer wieder das einfache, das ihn fasziniert. «Ich schneide auch gerne einen Bund Schnittlauch.»

Wichtig, um erfolgreich ein Restaurant zu führen, «ist der persönliche Kontakt zu den Gästen», weiss Sommer. Das sei der Schlüssel zum Erfolg. «Man muss Menschen gern haben.» Und so sind die rund 200 Plätze im Oberkircher Speiselokal oft gut gebucht. «Jeder Gast ist bei uns willkommen.» Die Küche bezeichnet er als Herz eines Gastrobetriebs. Doch man müsse auch zu den Gästen gehen. «Ein ‹Grüezi› und ein ‹Dankeschön› wird immer geschätzt. Ein Betrieb steht und fällt mit denjenigen, die drin stehen.»

Und man muss im Restaurant präsent sein. Im letzten Jahr fehlte er nur einen Tag. An einem Sonntag bestritt er mit seiner Freundin Tanja einen Ironman. Seine Lebenspartnerin arbeitet mit einem 80-Prozent-Pensum als Lehrerin. Der Dienstag – und somit einer der beiden Ruhetage – ist «ihr» gemeinsamer Tag. «Tanja ist relativ flexibel», sagt Freund Patrick. So bringen die beiden die Beziehung auf einen stimmigen Nenner.

«Die Zahl der Schweizer Servicelehrlinge geht
sukzessive zurück.»

Patrick Sommer, Küchenchef

Zum grassierenden «Beizen-sterben» macht sich Sommer auch seine Gedanken. Oft würden Nicht-Fachleute ein Restaurant eröffnen, sagt er. Um jedoch erfolgreich zu sein, sind auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse gefragt. Zudem ortet der Gastronom einen akuten Fachkräftemangel. Als beispielsweise das Bürgenstock-Ressort eröffnete, hatte er Mühe, das Personal für die Wintersaison zu finden. «Zudem geht die Zahl der Schweizer Servicelehrlinge sukzessive zurück. Diese Lage entspannt sich nicht, sie wird prekärer.» Auch deshalb ist es für ihn ein wichtiges Credo, «möglichst die besten Mitarbeiter zu rekrutieren». Und: «Um erfolgreich zu sein braucht es Konstanz, etwas Glück und das Wohlwollen der Gäste.»

Sommer ist gerne Gastgeber. Auch an Tagen, die weit mehr Arbeitsstunden aufweisen, als ein «nine-to-five»-Job. Denn für ihn ist unbestritten: «Das Produkt und die Mannschaft müssen passen. Und wenn ein Gastronom die Rechnungen bezahlen kann, hat er sicherlich schon einiges richtig gemacht.»

Wie es in Oberkirch nach ihm weitergeht, weiss er nicht. Dass Sommer mit dem «Goldenen Wagen» einen gut laufenden Betrieb mit vielen Stammgästen verlässt, habe keineswegs mit dem Pachtverhältnis zu tun, betont er. «Dieses ist immer fair gewesen.» Der Grund liegt vielmehr bei seinem Vater. Dieser führt das Restaurant Pinte in Grosswangen, das ihm auch gehört. Weil er pensioniert wird, will er aufhören. Da sah Sohn Patrick keinen Grund, «dort nicht einzusteigen». Er hat zusammen mit Vater Ueli und seinem langjährigen Weggefährten Christian Berger eine AG gegründet. Das Restaurant sei zwar etwas kleiner, dafür hätten sie einen «eigenen und vielschichtigen Betrieb». Möglich, dass er ihn baulich etwas verändert. Doch im Grundsatz soll die «Pinte» bleiben, wie sie ist. Auch mit vielen Gästen aus dem Dorf. Zudem soll sie weiter als Vereinslokal dienen.

Erst das Lokal - dann das Essen

Für Sommer ist das Rottal «gastronomisch sehr interessant». Das Essenskonzept in der Pinte sei gut, gleichwohl sieht er die Möglichkeit, kulinarisch die eine oder andere Veränderung einzubringen. «Ich möchte einfache Produkte neu positionieren.» Mitbewerber sieht er nicht als Konkurrenz. Man müsse von seinem eigenen Ding überzeugt sein und dieses durchziehen. Ob italienisch, mexikanisch oder asiatisch: Heute würden die Gäste sowieso erst wählen, was sie essen. Bevor sie sich schliesslich für das Lokal entscheiden.

Bisher blieb ihm keine Zeit, sich auf den Abschied vorzubereiten. Aber er weiss: «Es wird Wehmut mitschwingen. Doch das gehört dazu.» Mitte März geht es wieder neu los. Zuvor stehen noch Ferien auf dem Programm. Wo es hingeht, weiss er noch nicht. Doch Sommer hat eine Vorliebe für Nordspanien – und isst gerne einen Fisch aus dem Atlantik.

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