Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Schliessung von Therapiezentrum verschärft die Platznot in der Luzerner Psychiatrie

Das Institut für Heilpädagogik und Psychotherapie in Luzern schliesst per Ende Monat. Nun werden andere Dienste stärker belastet – obwohl teils schon heute Wartelisten bestehen.
Stefan Dähler
Das an der Luzerner Moosmattstrasse gelegene Institut für Heilpädagogik und Psychotherapie. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Das an der Luzerner Moosmattstrasse gelegene Institut für Heilpädagogik und Psychotherapie. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Nach über 80 Jahren stellt das Institut für Heilpädagogik und Psychotherapie (IHP) an der Luzerner Moosmattstrasse Ende Monat seinen Betrieb ein. Grund für die Schliessung ist die angespannte finanzielle Situation des Vereins. Trotz grosser Anstrengungen aller Mitarbeitenden sei es nicht gelungen, den Betrieb kostendeckend zu führen, sagt Vereinspräsident Erwin Hofstetter.

Trotzdem seien die Angebote des IHP sehr gut ausgelastet gewesen, die Zahl der Klienten habe zugenommen, so Hofstetter. 2018 nahmen inklusive Weiterbildung und Beratung rund 600 Klienten die Dienste des IHP in Anspruch. Neben privaten Anmeldungen erhalte es auch viele Zuweisungen von Ärzten, Sozialdiensten, Kinderheimen, der Psychiatrie, der Schulpsychologie oder der Opferhilfe. «Unser Schwerpunkt liegt bei der Traumatherapie und bei Bindungsthemen», sagt Erwin Hofstetter. Im Zentrum stehen etwa ambulante Abklärungen und Behandlungen von Verhaltensauffälligkeiten, insbesondere bei Beziehungsproblemen und traumatischen Erfahrungen sowie Fragen zum Kindswohl bei Trennungen. Dank Spenden in den Sozialfonds des IHP habe man auch Kinder und Jugendliche aus finanzschwachen Familien begleiten können.

Wo sollen die Klienten unterkommen?

Wie geht es nun weiter? «Einzelne Therapeutinnen und Therapeuten werden auf selbstständiger Basis eine Praxis betreiben», sagt Hofstetter. Er ist optimistisch, dass es für alle Angestellten des IHP Luzern eine Anschlusslösung gibt. Sorgen bereitet Hofstetter die Frage, wo die Klienten des IHP Luzern künftig unterkommen sollen. «Die Kinder- und Jugendpsychiatrie oder die Schulpsychologie sind bereits stark ausgelastet.»

Die Luzerner Psychiatrie (Lups) bestätigt diese Einschätzung. Die Schliessung des IHP bedaure man sehr. «Es geht eine jahrzehntelange Tradition zu Ende. Das IHP hat als kompetente Institution im Bereich der Psychotherapie für Kinder und Jugendliche sehr wertvolle Arbeit geleistet», sagt Thomas Heinimann, Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensts. Er rechnet damit, dass es nun zusätzliche Anmeldungen geben wird. Heinimann:

«Das ist insofern problematisch, weil wir bereits jetzt mit zum Teil sehr langen Wartefristen zu kämpfen haben.»

Durch die Schliessung des IHP dürfte also die bereits jetzt teilweise angespannte psychotherapeutische Versorgungssituation für Kinder- und Jugendliche im Kanton Luzern weiter zunehmen.

Es seien zusätzliche Kapazitäten nötig. «Es stellt sich aber die Frage, wie und wo diese zur Verfügung gestellt werden können. Eine grosse Herausforderung wird die Finanzierung sein», sagt Heinimann. «Das IHP als nichtmedizinische Institution konnte ja nicht oder nur teilweise über die Krankenkasse abrechnen. Aber auch wenn die Möglichkeit der Abrechnung über die Krankenkasse besteht, ist zu berücksichtigen, dass die ambulanten Leistungen unterfinanziert sind.» Ein personeller Ausbau sei daher nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen angepasst werden oder vom Kanton zusätzliche Gelder gesprochen werden.

Kanton «beobachtet die Situation»

Dem Kanton Luzern ist die Situation bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie bekannt. «Momentan kann noch keine Stellung dazu genommen werden, wie sich das Angebot nach der Schliessung des IHP entwickeln wird», schreibt Hanspeter Vogler, Leiter Fachbereich Gesundheitswesen im Gesundheits- und Sozialdepartement, auf Anfrage. Verschiedene Therapeutinnen und Therapeuten würden in einer anderen Form weiterarbeiten. «Der Kanton und die Lups beobachten die Situation und werden bei Bedarf allfällige Massnahmen diskutieren.»

Betroffen von der Schliessung des IHP sind auch städtische Institutionen. «Die Fallzahlen steigen bei der Jugend- und Familienberatung Contact bereits deutlich, und das wird noch zunehmen – Contact ist aber nicht psychotherapeutisch konzipiert», lässt die Kommunikationsabteilung der Stadt Luzern auf Anfrage verlauten. Auch der Kinder- und Jugendschutz werde Probleme haben, für ihre Klientel die psychotherapeutische Versorgung sicherzustellen. «Ein weiteres Ansteigen der Fallzahlen ist auch beim jetzt schon sehr stark ausgelasteten Schulpsychologischen Dienst denkbar, in dessen Auftrag aber nur kurze Behandlungen vorgesehen sind.» Auswirkungen auf die Schulsozialarbeit seien ebenfalls möglich. Weiter heisst es bei der Stadt:

«Und nicht zuletzt kann es auch eine Zunahme von Sonderschulmassnahmen im Bereich Verhalten nach sich ziehen.»

Daher bedauert auch die Stadt Luzern die Schliessung des IHP sehr. Wie und wer die Auswirkungen auffangen soll, sei offen und werde «eine Herausforderung sein».

Stadt und Kanton Luzern haben das Institut finanziell auch unterstützt. Der Kanton leistete an die nicht gedeckten Kosten einer Therapieeinheit einen Beitrag von 30 Franken, pro Jahr maximal 90'000 Franken. Die Stadt steuerte einen jährlichen Betrag von 10'000 Franken bei. Eine Erhöhung seitens der Stadt aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten des IHP sei zur Diskussion gestanden, der Kanton hatte eine solche bereits zugesichert, teilt die Dienststelle Volksschulbildung mit. Das reichte aber nicht, um das Institut zu retten. Der Verein schrieb 2018 einen Verlust von rund 75'000 Franken. Um eine Nachfolgeorganisation aufzustellen, sei die Zeit zu knapp gewesen, so Erwin Hofstetter. Für eine Übernahme des IHP durch die Volksschulbildung fehlt derzeit die Grundlage für Psychotherapie im Gesetz über die Volksschulbildung, so die Dienststelle.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.