SCHLIESSUNG: Vorzeitige Schliessung der Asylunterkunft – Gemeinde ärgert sich

Der Kanton Luzern hat die Asylunterkunft vorzeitig geschlossen. Die Gemeinde hätte sich aber bei der Schliessung ein gemeinsames Vorgehen gewünscht. Sie bemängelt auch die Kommunikation des Kantons.

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Wird bereits als Asylunterkunft genutzt: Zivilschutzanlage in Buchrain. (Bild: Nadia Schärli (Buchrain, 11. März 2016))

Wird bereits als Asylunterkunft genutzt: Zivilschutzanlage in Buchrain. (Bild: Nadia Schärli (Buchrain, 11. März 2016))

Sandra Monika Ziegler

Auf Jahresende wird die temporäre Asylunterkunft in Buchrain geschlossen. Der Vertrag zwischen Gemeinde und Kanton läuft aber noch bis August 2017. Zwar entstehen der Gemeinde dadurch keine Kosten, aber es entfallen die Mieteinnahmen. «Der Gemeinde werden Mietzahlungen – pro Tag und Asylsuchendem 7.20 Franken – von an die 80 000 Franken entgehen», sagt die Buchrainer Sozialvorsteherin Sandra Gerber (CVP).

Die Gemeinde Buchrain rechnet für das Jahr 2017 mit einem Verlust von 877 800 Franken (wir berichteten). Gerber: «Klar fehlt uns das Geld in der Kasse. Doch bei der Berechnung der Mieteinnahmen gingen wir äusserst konservativ vor und rechneten mit einer durchschnittlichen Belegung von 40 bis 50 Personen.» Mehr als die fehlenden Einnahmen ärgert sich die Gemeinde über die Kommunikation des Kantons: «Wir hätten uns eine gemeinsame Planung der Schliessung gewünscht und nicht einfach einen Telefonanruf, der uns vor vollendete Tatsachen stellt», sagt Sandra Gerber. Die Gemeinde hoffe, dass der Kanton an seinem Kommunikationsverhalten arbeitet.

Simon Gerber, Leiter Administration und Koordination Asyl- und Flüchtlingswesen, verweist diesbezüglich auf die schwankenden Zahl von Asylsuchenden: «Die kurzfristige Öffnung und Schliessung von Anlagen lässt sich nicht vermeiden, was uns nur eine kurze Vorlaufzeit gibt. In jedem Fall wird aber informiert.»

Asylsuchende wollten bleiben

Die Betroffenen hätten mit «grosser Enttäuschung» reagiert, so Sandra Gerber. «Die Asylsuchenden wollten die Unterkunft nicht verlassen.» Sie erklärt: «Hier in Buchrain hat die Integration sehr gut geklappt, sie hatten eine optimale Betreuung, waren ausgesprochen integrationswillig und hatten auch ein kompetentes Betreuungsteam. Nur schon für die Freiwilligenarbeit hatten wir eine Liste mit über 40 engagierten Personen.» Dazu haben nebst Deutschunterricht auch Sport und das Begleiten an Veranstaltungen gehört. Dies sei jetzt nicht mehr der Fall. Von den 31 verbleibenden wurden 18 Asylsuchende in Wohnungen platziert, drei nach Oberkirch und zehn in die Unterkunft Utenberg verlegt. «Diese zehn Personen gehörten zu den am besten Integrierten und hatten teils auch Arbeit.» Da es sich teilweise um Schichtarbeit handelt, sei es für einige in der Unterkunft Utenberg problematisch: «Die Schichtarbeiter müssten tagsüber schlafen können, doch das ist dort nicht möglich. Es gibt aber auch solche, die zufrieden sind.»

Das Unterbrechen der geleisteten Integrationsarbeit schmerze aber alle Beteiligten, so Gerber. «Jene, die eine Wohnung haben, werden ein Mal pro Monat durch Wohnbegleiter betreut, das ist klar zu wenig. Und eine enge Betreuung durch die Sozialarbeiter ist auch nicht möglich. Die Asylsuchenden werden alleine gelassen und haben nichts zu tun. Das wirkt sich schlecht auf die Integration aus.» In Zentren sei, so Gerber, die Betreuung, die soziale Kontrolle und die Integration einfacher als in einzelnen Wohnungen. Buchrain ist deshalb skeptisch gegenüber der kantonalen Strategie, die unterirdischen Unterkünfte zu schliessen.

Dazu sagt Regierungsrat Guido Graf (CVP): «Asylsuchende befinden sich in einem laufenden Verfahren. Erst ab einer Schutzgewährung durch den Bund wird das Ziel der Integration verfolgt. Sinn macht Integration nur bei denen, die tatsächlich bleiben. Der Kanton leistet aber mit Deutschkursen einen Beitrag.»