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Schlitteln und Wandern statt Skifahren: Zentralschweizer Wintersportorte brauchen einen Plan B

Die Skigebiete rüsten sich für schneearme Winter. Sie setzen zunehmend auf Alternativen zum Skifahren. Erste Auswirkungen sind in den Zentralschweizer Skigebieten schon diese Saison zu spüren.
Lucien Rahm
Auch auf Melchsee-Frutt erhält das Schlitteln einen höheren Stellenwert. (Bild Philipp Schmidli, 20. Januar 2018)

Auch auf Melchsee-Frutt erhält das Schlitteln einen höheren Stellenwert. (Bild Philipp Schmidli, 20. Januar 2018)

Obwohl sich das Klima in den kommenden Jahren weiter erwärmen dürfte: Auf Schnee muss in der Schweiz vorerst noch nicht ganz verzichtet werden. Dennoch stellen sich auch die Zentralschweizer Skigebiete zunehmend auf schneearme Winter ein. So investieren sie beispielsweise fleissig in Beschneiungsanlagen. Für die kommende Saison haben die Wintersportgebiete Brunni, Mörlialp und Sörenberg ihre Beschneiungseinrichtungen erweitert. Jene auf dem Titlis-Gletscher wurde bereits letztes Jahr vergrössert.

Doch Investitionen in die Schneesicherheit sind nicht der einzige Weg, um auf die steigenden Temperaturen zu reagieren. Eine andere Möglichkeit kann es sein, das alternative Angebot auszubauen. «Dieser Prozess ist bereits im Gang», sagte Sepp Odermatt, Präsident der Transportunternehmungen Zentralschweiz (TUZ) am Donnerstag am jährlichen Medienanlass des Branchenverbands in Luzern. Gemeint ist damit, den Gästen nebst dem Skisport vermehrt Tätigkeiten wie beispielsweise Schlitteln oder Schneeschuhwandern zu ermöglichen. «Oder man bietet gehobene Kulinarik an», fügt Sepp Odermatt an.

Die Leute sollen «bewusster schlitteln»

Mit welchen neuen Attraktionen sie ihr Angebot in der kommenden Saison anreichern, haben die 13 grössten Zentralschweizer Skigebiete am Donnerstag aufgezeigt. Im Segment Schlitteln möchten gleich mehrere Gebiete noch mehr punkten. Auf Melchsee-Frutt beispielsweise setzt man den Fokus künftig auch auf die Sicherheit. «Schlitteln ist nicht viel ungefährlicher als Skifahren», sagte der Geschäftsführer des Obwaldner Skigebiets, Daniel Dommann.

Auf der Frutt steht für Schlittler daher per Saisonbeginn ein Lernparcours bereit. Vor dessen Absolvierung vermittelt ein Animationsfilm den Schlittlern, wie ihr Gefährt korrekt zu bedienen und was dabei besser zu unterlassen ist. «So möchten wir erreichen, dass unsere Gäste bewusster schlitteln.» Denn je nach Geschwindigkeit hat es die acht Kilometer lange Melchsee-Schlittelpiste, auf der man rund 1000 Höhenmeter zurücklegt, in sich. Daniel Dommann sagt dazu: «Ein bis zwei Streckenabschnitte können bei höherem Tempo etwas anspruchsvoll sein.» Die Investition scheint gerechtfertigt: Nachgefragt werde das Angebot immer häufiger, sagte Dommann. Zwar mache das Schlitteln am Gesamtumsatz nur einen einstelligen Prozentbetrag aus. Doch: «Letztes Jahr konnten wir eine Zunahme von 30 Prozent verzeichnen.» Gerade bei Schulklassen sei das Schlitteln zunehmend beliebt. «Früher war man in der Schule ein Aussenseiter, wenn man Schlitten statt Ski fuhr, heute ist es umgekehrt.»

Schneearme Winter – hier ein Bild vom Titlisgebiet – machen den Skigebieten zunehmend zu schaffen. (Bild: Roger Grütter (Engelberg, 1. November 2016))

Schneearme Winter – hier ein Bild vom Titlisgebiet – machen den Skigebieten zunehmend zu schaffen. (Bild: Roger Grütter (Engelberg, 1. November 2016))

Fondue im Freien

Auch gemächlichere Alternativen zur Skipiste sollen sich den Wintergästen künftig noch mehr bieten. Auf der Rigi beispielsweise wird das Winterwandern weiter vorangetrieben. Auf die kommende Saison hin wurden zwei neue Schneeschuh-Wege errichtet. Wer mit dem Wandergerät nicht vertraut ist, kann sich dabei von einem Instruktor begleiten lassen. Dabei preisen die Rigi-Verantwortlichen auch an, dass sich so eine Wanderung mit einer Vielzahl weiterer Angebote kombinieren lässt – zum Beispiel mit kulinarischen. So können sich Wanderer einen Rucksack abgeben lassen, der alles Notwendige beinhaltet, um im Freien ein Fondue oder Raclette zu veranstalten. Doch nicht nur von Essen oder Schneeschuh-Instruktoren kann man sich auf der Rigi begleiten lassen: Eine geführte Wanderung von Kaltbad bis Wölfertschen-First können Gäste in Anwesenheit von Bernhardiner-Hunden absolvieren.

Klewenalp: Ein «Frauentag» zum halben Preis

Nebst einer breiteren Angebotspalette sollen auch komfortablere Anfahrtswege die Leute in die Skigebiete locken. Neben der per se wegen ihrer Bekanntheit schon anziehenden «steilsten Standseilbahn der Welt», die von Schwyz nach Stoos führt, wurde vor kurzem ein neues Parkhaus für 430 Autos eröffnet. Darin sind keine Stützsäulen anzutreffen – «damit auch die Männer unter uns endlich besser einparken können», scherzte Ivan Steiner, Marketingleiter der Stoosbahnen. Damit für etwas «kleinere Männer» ein «Traum wahr wird», machen die Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte demnächst auch ihre Pistenfahrzeuge für Gäste zugänglich. Ab Januar können Mitfahrten in den Schneefahrzeugen gebucht werden. Und um letztlich auch noch den Frauen etwas Spezielles anbieten zu können, ist auf der Klewenalp von Januar bis März jeder Montag ein «Frauentag»: Weibliche Gäste erhalten die Klewenalp-Tageskarte dann jeweils zum halben Preis. Das gleiche gilt aber auch für Männer – jeweils am Dienstag.

Weitere Millionen für künstliche Beschneiung

Für die kommende Saison haben einige der grossen Zentralschweizer Skigebiete weitere Investitionen zur Erhöhung ihrer Schneesicherheit getätigt. «Wir haben noch einmal 250'000 Franken in unsere Beschneiung investiert», sagte beispielsweise André Strasser, Verwaltungsratspräsident der Skilifte Mörlialp oberhalb von Giswil, am Medienanlass der Transportunternehmungen Zentralschweiz. In den vergangenen Jahren habe man feststellen müssen, dass die zur künstlichen Beschneiung nötigen Temperaturen an immer weniger Tagen gegeben sind. «Wir haben uns daher entschieden, die Leistung der Anlage zu erhöhen.» So könne man die wenigen ausreichend kalten Stunden optimal nutzen.

Die veränderten klimatischen Bedingungen haben auch die Brunni-Bahnen Engelberg dazu bewogen, ihre Beschneiungsanlage für die kommende Saison zu verschnellern. «Am Schluss werden es rund eine halbe Million Franken sein, die wir dafür aufwenden», sagte Brunni-Geschäftsführer Thomas Küng.

Fünf Millionen Franken investiert

Rund fünf Millionen Franken sind in die Erweiterung der Beschneiungsanlage am Rothorn bei Sörenberg geflossen. Für die neu designte Skipiste vom Eisee – dieser dient als natürlicher Speichersee für das für die Beschneiung benötigte Wasser – hinunter könne man nun sicheren Schnee bieten, sagte René Koller, Direktor der Bergbahnen Sörenberg.

Anlagen müssen immer wieder erneuert werden

Mit diesen Investitionen ist es jedoch nicht getan. Künftig werden die Beschneiungseinrichtungen regelmässig erweitert werden müssen, schätzt Koller. «Die Technologie zur Beschneiung entwickelt sich laufend weiter. Neuere Anlagen sind dann bereits wieder noch leistungsfähiger und energieeffizienter.» So würden bereits wieder neue Investitionen nötig. Und auch Neubauten müssten mittlerweile bereits von Beginn weg beschneit werden können. «Heute baut man eigentlich keine neuen Skipisten oder -lifte mehr ohne die zugehörige Beschneiungsanlage.» (lur)

Dynamische Preise für Skipässe bleiben umstritten

Im Skigebiet Andermatt-Sedrun gibt es seit letzter Saison keine fixen Preise mehr. Die Tagespässe kosten je nach Nachfrage mehr oder auch weniger. «Die Erfahrungen sind gut», sagt Produktmanager Michael Meier. Die Gäste würden das letzte Saison eingeführte Modell mittlerweile kennen und wissen, dass sie bei einer frühzeitigen Buchung von tieferen Preisen profitieren können. «Wir belohnen jene Kunden, die rechtzeitig kaufen – zwar mit der Unsicherheit des Wetters, aber zu einem attraktiven Preis.»

«Dieses Theater machen wir nicht mit»

Doch Andermatt bleibt ein Einzelfall. «Dieses Theater mit den dynamischen Preisen machen wir nicht mit», sagt etwa Titlis-Marketingleiter Peter Reinle. Die Erwachsenen-Tageskarte werde auch in der kommenden Saison nie mehr als 65 Franken kosten, punktuell seien Vergünstigungen denkbar. Mit den unterschiedlichen Preisen je nach Alter habe man bereits ein komplexes Preissystem, das man nicht noch mehr verkomplizieren möchte. Auch Gespräche mit Gästen hätten gezeigt, dass diese gar keine dynamisches Preismodell wollen. «Unsere Kunden wünschen sich Planungssicherheit und möchten an der Kasse nicht von irgendwelchen Fantasiepreisen überrascht werden.» Auch hinsichtlich ihres psychologischen Effekts hält Reinle dynamische Preise für suboptimal. Würde statt einer Ober- eine Untergrenze definiert, könne der Kunde an der Kasse unter Umständen auf einen Preis treffen, der angesichts des kommunizierten Tiefstpreises hoch erscheint. «Ich weiss nicht, ob das bei den Gästen ein gutes Gefühl erzeugen würde.» Zumindest vorerst halte man daher an stabilen Preisen fest.

Preis des «Ski-Generalabos» bleibt unverändert

Stabil bleibt auch der Preis des «Schneepasses Zentralschweiz» (1130 Franken für ein Erwachsenen-Jahresabo), mit dem sich die 13 grössten Zentralschweizer Skigebiete besuchen lassen. «Mit einem tieferen Preis hätten wir die Skigebiete im Verbund bei ihren eigenen Angeboten konkurrenziert», sagt Sepp Odermatt, Präsident der Transportunternehmungen Zentralschweiz (TUZ). Angestrebt werden in der kommenden Saison 1200 Verkäufe. (lur)

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