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Schluss mit günstigem Dauerparking: Luzerner Stadtrat stellt neues Parkierungskonzept vor

Die Kriterien für Anwohner-Parkkarten sollen deutlich verschärft werden. Damit sollen zusätzliche Parkplätze frei werden für all diejenigen, die im Quartier kurze Besorgungen machen wollen.
Robert Knobel
Sind gefragt: Parkplätze in der Luzerner Innenstadt, hier an der Sempacherstrasse. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. Juli 2017)

Sind gefragt: Parkplätze in der Luzerner Innenstadt, hier an der Sempacherstrasse. (Bild: Corinne Glanzmann, 3. Juli 2017)

Frau Müller besitzt im Bruchquartier ein Haus mit mehreren Parkplätzen. Diese vermietet sie für 1500 Franken im Jahr an Pendler, die in der Stadt arbeiten. Die Hausbewohner wiederum parkieren ihr Auto auf öffentlichen Strassen-Parkplätzen im Quartier. Sie haben zwar keine Parkplatz-Garantie, dafür kostet die Jahreskarte für unbeschränktes Parkieren auch nur 600 Franken.

Neustadt: Bis zu 80 Prozent sind Dauerparkierer

Solche Fälle will die Stadt Luzern künftig nicht mehr tolerieren. Denn erstens ist die Fremdvermietung von privaten Parkplätzen in den meisten Fällen illegal, weil die Baubewilligung eine ausschliessliche Nutzung durch den Besitzer vorschreibt. Und zweitens will man nicht, dass ganze Quartierstrassen als Freiluft-Parkings für Anwohner gebraucht werden. Verbreitet ist dieses Phänomen vor allem im Bruchquartier und in der Neustadt, wo bis zu 80 Prozent der Parkplätze von Dauerparkierern mit Parkkarte besetzt sind. Auf dem ganzen Stadtgebiet gibt es rund 2500 Autobesitzer, die mit einer Jahreskarte günstig parkieren. Kein Wunder haben Auswärtige, die kurze Besorgungen im Quartier machen wollen, oft keine Chance, einen freien Parkplatz zu finden.

Der Stadtrat will deshalb in der Innenstadt mehr Kurzzeit-Parkplätze schaffen, auf denen Anwohner-Karten keine Gültigkeit haben. Damit kommt er auch einem Anliegen des Gewerbes entgegen. Dieses Ziel ist im «Konzept Autoparkierung» definiert, das der Stadtrat am Dienstag vorgestellt hat. Der Grundsatz soll laut Stadtrat lauten:

Bis zu einer Stunde parkiert man oberirdisch, wer länger parkieren will, soll ins Parkhaus.

Das entspreche im Übrigen auch dem Bedürfnis der meisten Besucher, wie eine Erhebung gezeigt habe: Für kurze Besorgungen wollen die meisten möglichst in der Nähe auf einem Strassenparkplatz parkieren. Wer länger in der Stadt bleibt, bevorzugt meist das Parkhaus.

Erstaunlich: Hirschmatt-Quartier hat 1100 Privatparkplätze

Doch wo stellen die Innenstadt-Bewohner künftig ihr Auto ab, wenn sie die öffentlichen Parkplätze nicht mehr benutzen dürfen? Zumal es insbesondere in der Neustadt viele Wohnhäuser gibt, die über keine eigenen Parkplätze verfügen - denkt man zumindest. Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) sagt dazu: «Es gibt in der Innenstadt genügend private Parkplätze, um die Nachfrage abzudecken. Das Problem ist vielmehr, dass diese oftmals fremd vermietet werden.» Tatsächlich gibt es allein im Hirschmatt-Quartier rund 1100 private Parkplätze - fast dreimal soviel wie öffentliche. Das Konzept des Stadtrats sieht vor, dass Anwohner künftig nur noch eine Parkkarte erhalten, wenn sie beweisen können, dass sie keine Möglichkeit haben, einen privaten Parkplatz zu mieten. Luzern orientiert sich dabei an einem Modell der Stadt Biel. Dort hat die Massnahme zu einer starken Reduktion der Anwohner-Parkkarten geführt.

Gleichzeitig mit der Feststellung, dass es in Luzern genügend Privatparkplätze gibt, will der Stadtrat dafür sorgen, dass deren Zahl nicht allzu stark ansteigt. Deshalb soll das Parkplatzreglement überarbeitet werden. Das Reglement verpflichtet Bauherren, bei Neu- und Umbauten eine bestimmte Anzahl Parkplätze zu erstellen. Die Zahl dieser Pflicht-Parkplätze variiert je nach Lage des Quartiers: Je zentraler ein Ort, desto tiefer ist die Zahl der Pflicht-Parkplätze. Weil sich die ÖV-Erschliessung in vielen Quartieren in den letzten Jahren stark verbessert hat, will der Stadtrat die Zonen mit den tiefsten Pflicht-Parkplätzen ausdehnen.

Wenns um Parkplätze geht, sollen alle mitreden

Das jetzt präsentierte Parkierungskonzept definiert erst die groben Leitplanken. Wo wie viele Kurzzeitparkplätze geschaffen werden und wie hoch die Parkgebühren sein werden, ist noch offen. Der Stadtrat will die Details anlässlich eines Expertenworkshops in diesem Sommer erarbeiten. Dieser ist breit abgestützt und besteht unter anderem aus Vertretern von TCS, City Vereinigung, Quartiervereinen, Parkhaus-Vertretern, Bauherren sowie Kanton und Nachbargemeinden. Auch das Stadtparlament soll in die Planungen mit einbezogen werden. Im Frühling oder Sommer 2020 soll dann ein Bericht und Antrag zur Autoparkierung vorliegen, der dem Parlament vorgelegt wird.

Wozu man mit dem Auto in die Stadt fährt

Grundlage des «Konzepts Autoparkierung» ist eine Analyse, welche die Stadt Luzern 2017 von einem externen Ingenieurbüro erstellen liess. Über die Resultate hat unsere Zeitung am 4. Juli 2017 berichtet. Die Studie untersuchte insbesondere die Frage, zu welchem Zweck die Leute per Auto in die Stadt Luzern fahren, und wie lange sie dort bleiben. So zeigte sich etwa, dass das direkt an der Autobahnausfahrt gelegene Altstadt-Parkhaus besonders stark für Einkäufe (37 Prozent der Befragten) genutzt wird. Fast jeder zweite, der im Kantonalbank-Parking oder auf der Bruchstrasse parkiert, tut dies für «persönliche Erledigungen». Geschäftliche Gründe, zum Beispiel der Besuch einer Sitzung, werden hingegen eher selten angegeben. Nur etwa jeder Fünfte, der in der Innenstadt parkiert, tut dies aus geschäftlichen Gründen. Jeder Vierte hingegen ist für die Freizeit unterwegs.

Beim Einkaufen solls meist schnell gehen

Und wie lange bleiben die Besucher mit ihrem Auto in der Stadt? Auch hier gibt es interessante Unterschiede. Wer aus geschäftlichen Gründen das Altstadt-Parkhaus benutzt, bleibt dort in der Regel sehr lange, das heisst mehrere Stunden. Wer zum Einkaufen kommt, bleibt hingegen kaum mehr als zwei Stunden. Ein ähnliches Phänomen ist auch auf den Strassenparkplätzen zu beobachten. Wer auf der Bruchstrasse zwecks Einkaufen parkiert, fährt meist nach weniger als 30 Minuten wieder weg. Das gilt auch für den Hallwilerweg und die Winkelriedstrasse – nicht aber für die benachbarte Morgartenstrasse: Dort lässt man sich zum Shopping deutlich mehr Zeit.

Jeder fünfte Autofahrer stammt aus der Stadt Luzern selber

Interessant ist auch die Herkunft der autofahrenden Besucher: Immerhin jeder Fünfte, der in der Innenstadt parkiert, stammt aus der Stadt Luzern selber (22 Prozent). Und 23 Prozent stammen aus einer Agglomerationsgemeinde. Der Rest verteilt sich auf den übrigen Kanton Luzern (30 Prozent), die Zentralschweiz (13 Prozent) sowie Zürich/Aargau (10 Prozent) und übrige Kantone (2 Prozent). (rk)

Die vollständige Studie finden Sie hier

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