Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SCHNEE: Ökologische Schneeproduktion – ausgetüftelt in Emmen

Fast kein Skigebiet kommt ohne Kunstschnee aus. Und Beschneiungsanlagen sind Stromfresser. Nicht jene der Firma Bächler – sie brauchen weder Strom noch Kompressor.
Sandra Monika Ziegler
Schneilanze im Skigebiet Melchsee Frutt. (Archivbild Manuela Jans-Koch)

Schneilanze im Skigebiet Melchsee Frutt. (Archivbild Manuela Jans-Koch)

Laut Meteo Schweiz brachte das anhaltende Schönwetter mit Warmluftzufuhr der Schweiz den mildesten Dezember seit Messbeginn 1864. Die einen freuts, die anderen ärgerts. Passionierte Neujahrsskifahrer haben es dieses Jahr ungleich schwerer, passende Hänge zu finden. Und in solch schneearmen Zeiten wünscht sich manch eine Berggemeinde Kunstschnee herbei. Das könnte in Zukunft durchaus möglich, erschwinglich und sogar ökologisch sein. Mit der Schneilanze «NESSy ZeroE» wird nämlich umweltfreundlicher Schnee produziert – ohne Strom und ohne Kompressor.

Nötig ist ein Speichersee

«NESSy ZeroE» ist eine Konstruktion der Firma Bächler Top Track AG aus Emmenbrücke. Laut Claus Dangel, Mitglied der Geschäftsleitung, setzt sich der Name Nessy, aus den Worten «neues energieeffizientes Schneisystem» zusammen. Bei der Firma Bächler spricht man deshalb nicht von einer Schnee-, sondern einer Schneilanze. Doch wie soll die «ökologische Schneekanone» funktionieren? Dangel erklärt: «Unser System braucht einen Speichersee, der möglichst weit oben im Skigebiet vorhanden ist oder noch angelegt werden muss. Mittels Gravitationsdruck kann die Pumpleistung ersetzt werden.»

So komme «NESSy ZeroE» völlig ohne Energie aus, betont Dangel. Dies, weil die für Druckluft benötigte Energie aus dem Wasserdruck erzeugt wird. Punkto Ressourcenverbrauch sagt Dangel: «Das verbrauchte Wasser ist lediglich als Schnee zwischengespeichert. Ein Ressourcenverbrauch findet also gar nicht statt.» Bis «NESSy ZeroE» produziert werden konnte, brauchte es mehrere Jahre Forschung. Entwickelt wurde sie zusammen mit dem Lawinenforschungs-Institut Davos, der Fachhochschule Nordwestschweiz und weiteren Spezialisten. Die Entwicklungskosten beziffert das Emmenbrücker Unternehmen auf über 2 Millionen Franken.

Ohne chemische Zusatzstoffe

Und welche chemischen Zusatzstoffe werden verwendet? «Keine, unser technischer Schnee besteht aus Wasser und Druckluft», sagt Dangel. Trotzdem: Der intensive Wasserverbrauch wirkt sich auch aufs Ökosystem aus. Zweieinhalb Kubikmeter Schnee verschlingen einen Kubikmeter Wasser. Und weil die beschneiten Hänge im Frühjahr länger mit Kunstschnee bedeckt bleiben, muss sich die Pflanzenwelt in ihrem Wachstum anpassen. Dangel betont aber: «Sind Grasnarben nicht mit Schnee bedeckt, verursachen die Skifahrer und Snöber bedeutend mehr Schäden an der Flora.» Dies hätten ihm auch die Bauern bestätigt, die Land im Skigebiet Melchsee Frutt besitzen und bewirtschaften.

Pionierarbeit auf Melchsee Frutt

Die erste Pilot-Anlage der «NESSy ZeroE»-Schneilanzen wurde 2013 auf der Melchsee Frutt montiert. Die dort eingesetzten Lanzen haben sich bewährt. Der Einsatz ist geglückt und die Funktionssicherheit bei 100 Prozent, sofern der Speichersee Wasser hat. Dangel: «Wasser hatte es bis anhin immer genug, und bis heute gab es keine Ausfälle von Schneilanzen.» Mittlerweile beschneien rund 13 solcher Lanzen das Skigebiet Melchsee Frutt. Die letzen zwei Schneilanzen wurden dieses Jahr dazu bestellt.

Die Schneilanzen beschneien die letzten 1000 Meter der Talabfahrt. Pro Lanze können 50 bis 60 Pistenmeter beschneit werden. Eine Schneilanze kostet rund 10 000 Franken. In diesem Betrag sind die Bodeninstallationen nicht eingerechnet. «Als Bodeninstallation ist die Wasserleitung vom Speichersee zur Lanze gemeint», so Dangel.

Kostengünstig sei ihre Beschneiungsanlage auch deshalb, weil keine Wartungskosten anfallen. Dangel: «Sind die Schneilanzen einmal montiert, funktionieren sie und sind auch einfach in der Handhabe.» Schon im Januar 2013 hatte sich Claus Dangel im Wissensmagazin «Einstein» des Schweizer Fernsehens zuversichtlich gezeigt, dass ihre Erfindung bald weltweit im Einsatz stehen wird. Diese neuste Generation von Schneilanzen, so Dangel damals, hat den Vorteil, dass sie nur noch einen Wasseranschluss benötigen. Er sollte recht behalten mit seiner Einschätzung.

In der Schweiz sei heute der Marktanteil zwischen 45 bis 55 Prozent noch nicht ausgeschöpft, sagt Dangel: «Da die meisten Skigebiete bereits einen Speichersee haben, ist unser System ideal für die Beschneiung.» International siehts noch besser aus: Die Geschäfte von Bächler Top Track AG mit China boomen. Diesen Part hat Mario Koch unter sich. Er konnte in den letzten drei Jahren die Verkaufszahlen verdoppeln.

Hart umkämpfter Markt

Das Schweizer Geschäft mit dem Kunstschnee teilen sich zwei vom Staat subventionierte Südtiroler Unternehmen und die Emmenbrücker Firma. Mit der «ökologischen Schneilanze» ist Bächler Top Track AG jedoch die einzige Schweizer Firma. Sie beschäftigt zwölf Mitarbeitende, die jährlich zwischen 400 bis 600 Schneilanzen produzieren.

Sandra Monika Ziegler

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.