«Schnee von gestern»
Anhaltende Leere bei meiner Zahnpasta – aber ein Zahn legt noch zu

Auf wundersame Weise ist die Tube der Favoriten-Zahnpasta unseres Autors schneller leer als auch schon. Warum eigentlich?

Hans Graber
Hans Graber
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Was ist bloss los mit mir und meiner Zahnpasta? Ich benutze seit langem «Candida Parodin» von der Migros. Neuerdings, so mein Gefühl, neigt sich der Tubeninhalt bereits nach wenigen Putzdurchgängen dem Ende zu. Nachforschungen haben indes ergeben, dass gleich viel drin ist wie zuvor. Es hat mal eine «Anpassung» gegeben, aber das war 2010. Die Füllmenge wurde damals von 100 auf 75 ml gesenkt. Der Preis blieb offenbar recht stabil. Aber man gönnt sich ja sonst fast nichts.

Bild: Fotolia

Mich wundert freilich, weshalb bei mir erst jetzt der Eindruck der ewigen Leere aufkeimt. Ein Spiegel meiner seuchengeprägtem Befindlichkeit? Nein, das dann doch nicht! Ausgeschlossen ist ferner, dass ich über Jahre von einem Vorrat an alten 100-ml-Tuben gezehrt habe, obwohl es bei uns zu Hause in den unteren Schubladen immer wieder mal zu fast schon archäologisch zu nennenden Ausgrabungen kommt.

Setzt meine Frau heimlich und verschwenderisch meine Zahnpasta ein? Sicher nicht. Sie zieht eine andere vor, natürlich «naturkosmetisch». Drücke vielleicht ich neuerdings zu sehr auf die Tube, weil ja sonst nicht mehr viel los ist? Klotzen statt kleckern wenigstens hier? Auch das ist wenig wahrscheinlich, obwohl beim Zähneputzen frühmorgens und spätabends mein Sehvermögen eventuell noch nicht bzw. nicht mehr ganz intakt ist.

Noch rätselhafter wird die Sache, weil es bei mir tendenziell weniger Zähne zu reinigen gibt und der Pastenverbrauch auch dadurch eigentlich eher sinken sollte. Erst neulich musste wieder einer weichen, ganz hinten unten. Er hat sich standhaft gewehrt. Der Zahnarzt musste mir laut seinen Worten eine «Elefantendosis» Betäubungsmittel spritzen.

Ob der fehlende Gebissteil ersetzt werden soll, ist offen. Verworfen wurde die «Luxuslösung», ein aufwendiger Wiederaufbau mit besten Materialien. Das wäre, wie wenn man einen Rolls Royce in einen Holzschopf stellen würde, sagte der Zahnarzt. Ich finde, man hätte das auch schonender ausdrücken können. Aber ich rechne es ihm hoch an, dass er wenigstens nicht auf seinen materiellen Vorteil bedacht ist. Er tendiert am ehesten dazu, in der entstandenen Lücke gar nichts zu machen. Nicht aufgrund der Lebenserwartung seines Patienten, nach dem Motto «hat eh keinen Zweck mehr», sondern weil der nun fehlende Zahn nicht systemrelevant war. Ich kaute nicht mit ihm, im Grunde war er überflüssig. Im Internet habe ich gelesen, dass 20 Zähne für einen Menschen völlig ausreichen würden, wobei Betroffene vermutlich Abstriche an ihrem Erscheinungsbild hinnehmen müssen. Ich kenne sogar welche, die haben nur drei oder fünf Zähne. Auch damit kann man leben, und bezüglich Optik dürfte ab einem gewissen Punkt alles egal werden. Oder fast schon wieder gut.

Darauf hoffe auch ich im Fall der Fälle. Bei einem Zahnverlust wandern ja die verbliebenen Zähne aufgrund des freien Platzes oft minim auseinander. Bei mir ist merkwürdigerweise das Gegenteil der Fall. Sie sind näher zusammengerückt, vielleicht aus Angst, dass die nächste «Elefantendosis» ihnen gilt. Einer wächst jetzt gar kontinuierlich leicht nach oben. Er überragt die anderen schon merklich.

Wo führt das noch hin? Ich gehe jetzt erst mal in die Migros. Heute gibt’s meine Zahnpasta zum Aktionspreis. Gute Gelegenheit, um massiv aufzurüsten. Auch für den Fall, dass es sich bei mir noch ins Dracula-mässige auswachsen sollte.