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Kolumne

«Schnee von gestern»: Die merkwürdige Ballung von Geburtstagen

Wie kommt es, dass gleich fünf bekannte von Hans Graber am selben Tag Geburtstag haben? Was war da los? Theorien gibt es jedenfalls.
Hans Graber
Hans Graber

Hans Graber

Mit dem jüngsten Neuzugang sind es nun fünf. Fünf von rund 125 Leuten, die in meinem Geburtstagskalender am selben Tag registriert sind. Früher war ich in solchen Dingen ganz nachlässig, was wiederholt für Verstimmungen sorgte. Seit man aber Geburtstage im Handy speichern kann, bin ich ein recht zuverlässiger Gratulierer geworden (apropos: happy birthday, Marco und Justino!). Und ich bin nun jeweils selber etwas betupft, wenn ich zu gegebener Zeit nicht auch zum Wiegenfest beglückwünscht werde.

Fünf von 125 also. Fünf am 26. September. Aufs Ganze gesehen, bei 366 zur Verfügung stehenden Tagen, eine beachtliche Häufung. Statistik-Füchse führen ins Feld, dass in ihrem Fach Milchmädchenrechnungen nicht zweckdienlich sind. Gelernt habe ich, dass in einer Gruppe von 23 Leuten die Chance, dass zwei am selben Tag Geburtstag haben, bereits bei 50 Prozent liegt. Mit 57 Leuten steigt dieser Wert auf 99 Prozent. Trotzdem, dass fünf meiner guten Bekannten an einem 26. September geboren wurden, beschäftigte mich letzte Woche stark.

Was war da los? Man sollte sich die Sache keinesfalls plastisch ausmalen. Aber über den Zeitpunkt einer Zeugung darf man schon ein wenig sinnieren. Exakt bekannt ist mir nur ein einziges solches Datum. Ein lieber Freund hat mir nach Jahren mal erzählt, dass eines seiner Kinder praktisch während unserer Hochzeitsfeier entstanden ist. Diese wurde an einem 21. Juni im Solothurnischen absolviert. In einem Waldhaus. Ich war gerührt.

Ausgehend vom Geburtstag 26. September habe ich nachgerechnet. Klar, nicht jede Schwangerschaft dauert gleich lang, aber wenn man es zurückverfolgt, kommt man ziemlich genau auf Silvester/Neujahr. Das erklärt natürlich einiges. Vor allem in den eigenen vier Wänden können Silvesterabende zäh werden. Mitternacht will erdauert sein. Musikantenstadl, Bauernschwänke, zum 483. Mal «Dinner For One» und andere Fersehknüller sind nicht jedermanns Sache. Da ist es durchaus denkbar, dass man zur Überbrückung der Zeit bis zum grossen Bimbam ein Alternativprogramm in Erwägung zieht.

Oder der Neujahrstag. Man hat wenig geschlafen, war vermutlich nicht mehr ganz nüchtern. Da legt man sich am Mittag nach dem traditionellen päpstlichen Segen gerne noch einmal aufs Ohr oder sonstwohin – vielleicht trotz Halbdämmer leicht beschwingt von den Wiener Philharmonikern, die im TV mit Walzern und Polkas wie «Entre-acte valse», «Hereinspaziert!» oder «Tritsch-Tratsch-Polka» das neue Jahr einfiedeln.

Ich will jetzt nicht weiter ausholen, aber unterstützt wird die Feiertagsthese durch den Umstand, dass in der Gesamtbevölkerung auch 20., 21. und 22. September sehr häufige Geburtstage sind. Anscheinend die häufigsten überhaupt. Da wäre man dann bei Weihnachten, vor allem dem etwas in der Luft hängenden Stephanstag, an welchem man sich nach den überstandenen Familenschläuchen wieder nach Halt sehnt. Schöne Theorie.

Verwirrend für mich ist nur, dass es in meinem Geburtstagskalender schon Ende Oktober eine neuerliche Ballung gibt. Ein Sechserpack, hier verteilt auf drei Tage. Was war denn jetzt da wieder? In Frage kommen Vorfasnacht, der früher noch gepflegte Feiertag Mariä Lichtmess, auch Unserer Lieben Frauen genannt, sowie die Erleichterung über das Ende des dunklen Januarlochs.

Aber was ist mit dem 22. November, der in meinem Geburtstagskalender mit vier Einträgen zu Buche steht? Gleich wie der 30. Januar. Was will uns das sagen? Dass halt immer mal Weihnachten/Neujahr sein kann? Dass das Lebensglück nun mal ungerecht verteilt ist? Dass ich mir andere Freunde suchen sollte? Oder nur, dass es sich ohne Geburtstagskalender letztlich irgendwie unbeschwerter lebt?

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