Kolumne

«Schnee von gestern»: Ein kleiner Nachtrag zu den grossen Themen

Früher waren es die Kinder, jetzt sind es Krankheiten: Unser Autor Hans Graber stellt Veränderungen bei den Gesprächsthemen in geselliger Runde fest. Das liegt natürlich am Alter ...

Hans Graber
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Hans Graber

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Die Gesprächsthemen in geselligen Runden passen sich natürlich dem Lebensalter an. Waren es einst noch die Kinder, sind es heute Krankheiten, welche neben der Konstante Fussball viel zu reden geben. Selbstdiszipliniert habe ich es seinerzeit weitgehend vermieden, in der Zeitung über unsere Kinder zu schreiben. Sie können ja nichts dafür, dass sie mich zum Vater haben. Es gab in Sachen Kinderberichterstattung nur eine Ausnahme. Das war, als ich mit den zwei noch kleinen Söhnen das Warenhaus Nordmann (Manor) an der Weggisgasse nicht wie geplant mit neuem Spielzeug verliess, sondern mit einem Plastiksack halbvoll mit Erbrochenem.

Heute bemühe ich mich, nicht über fortschreitendes Siechtum zu schreiben, obwohl, eben, das ist jetzt in unseren Kreisen ein grosser gemeinsamer Nenner. Ein reifer Freund klagte letzte Woche in einem SMS: «Gestern an einem 60. Geburtstag. Ab 60 sollte man nicht mehr hingehen. Gesprächsthemen – Arthrosen, Herzrhythmen, Gewicht usw., mit nahtlosem Übergang, wo man wie gut essen kann.» Genau, Essen ist ein weiterer Kernpunkt. «Essen ist der Sex der älteren Leute», klärte mich die Sexberaterin Fux auf, als ich noch ihr Arbeitskollege war. Die Theorie hat was für sich.

Item, nichts über den Gesundheitszustand. Fast nichts. Dieses Jahr indes gab es ein kleines, aber einschneidendes Erlebnis, das kurz gestreift werden soll. Ausser der Entfernung der Mandeln als Jugendlicher musste ich mich – Gott sei’s gedankt – bis 2019 ja praktisch nie mehr einem Eingriff unterziehen lassen. Die Mandeln hatten damals ein derartiges Ausmass angenommen, dass sie zum Prunkstück jedes anatomischen Museums gereicht hätten.

In diesem Herbst wurde mir nicht etwas entfernt, sondern eingesetzt, in einer dreiminütigen Prozedur im Brustbereich unter die Haut. Das kleine Gerätchen macht selber nichts, es zeichnet nur die Tätigkeit unseres Zentralorgans auf und übermittelt die Daten einmal täglich weissnichtwohin. Dies im Zuge der bislang vergeblichen Ursachenforschung eines im Sommer erlittenen Aussetzers. Was mich fasziniert, ist der Name des neuartigen Gerätchens: Eventrecorder.

Das Wörtchen Event hat sich bei uns seit den 1990er-Jahren breit gemacht. Was genau ein Event ist, will sich mir jedoch bis heute nicht recht erschliessen. Meine Erfahrung: Eine Hundsverlochete wird nie besser, wenn sie zum Event erhoben wird. Im Gegenteil. Und auch dieser Eventrecorder deutet darauf hin, dass es sich am besten eher ohne Events lebt. Deshalb, Leserin und Leser, hoffe ich für Sie, dass Sie 2020 eventfrei bleiben. Seien Sie glücklich, wenn bei Ihnen im nächsten Jahr übers Normale hinaus wiederum rein nichts los sein sollte. Trotzdem einen guten Rutsch und eine schöne Zeit!

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