Kolumne

«Schnee von gestern»: Es muss nicht immer Corona sein

Unser Kolumnist Hans Graber befasst sich zwar mit schlankmachenden Bakterien und dem Phänomen Grosskopf – trotzdem kommt er nicht ganz um das Thema der Stunde herum.

Hans Graber
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Hans Graber.

Hans Graber.

Ich bin im Dilemma. Soll auch hier vom Virus die Rede sein? Oder soll ich mich über etwas anderes auslassen, auf die Gefahr hin, als tumber Holzpflock tituliert zu werden, verbunden mit der Leserfrage, ob ich denn wirklich keine anderen Probleme hätte. Gleichwohl tendiere ich aus psychohygienischen Überlegungen eigentlich zum Alternativprogramm. Aber als Rentner (und somit Risikopatient) hat man viel Zeit zum Fernsehen und Radiohören. Da gibt es kein Entrinnen. Corona hat einen voll im Griff. Ich jedenfalls kann jeweils stundenlang an fast nichts anderes mehr denken. Aber ich bemühe mich um einen Kolumnen-Kompromiss. Halb Viren, halb was anderes (Bakterien).

Zum Virus nur ein paar Fragen, auf die ich bislang trotz fleissigem Medienkonsum keine Antworten gefunden habe. Weshalb nur wird die mantramässig wiederholte Botschaft, dass es keinen Grund zur Panik gebe, im Schweizer Fernsehen stets mit Weltuntergangsmiene verkündet? Was machen die Viren in der Armbeuge, wenn sie mal dort hocken? Wie viele Task-Forces braucht der Mensch? Kann ein gequältes Lächeln jemals einen feuchten Händedruck ersetzen? Und: Am Donnerstag behauptete ein deutscher Hygieniker, man könne die schnell nass und dadurch unbrauchbar werdenden Schutzmasken eine halbe Stunde bei 80 Grad in den Backofen legen, dann seien sie wieder verwendbar. Aber sind die Viren dann wirklich weg? Oder isst man sie beim nächsten Gratin mit?

Womit elegant übergeleitet ist zum Essen. Und zum Übergewicht. Heute kann man ja alles online lesen, auch diese Kolumne. Ein Text gerät so unvermittelt in ein neues Umfeld, gerne begleitet von Werbeversprechen. Letztes Mal war just über meinem Kopf folgender Hinweis platziert: «Der Fett-Killer aus Ihrer CH-Apotheke!» Beworben wurden Tabletten, die Einfluss auf die Darmflora nehmen und einen «Zündaktivismus für schlankmachende Bakterien» auslösen.

Nicht klar wurde bei dieser Werbung-Foto-Kombination, ob man in mir den spitzenmässigen «Fett-Killer» der Apothekerzunft zu sehen hat, oder doch eher den Prototyp von jemandem, auf den der «Killer» angesetzt werden sollte. Mein BMI liegt im Normalbereich, aber aus langer Familientradition habe ich einen etwas wuchtigen und recht fleischig wirkenden Kopf abgekriegt. Dieser lässt wohl fälschlicherweise vermuten, dass in der Darmflora unten der «Zündaktivismus» betätigt werden müsste.

Andererseits hat so ein Grosskopf den Vorteil, dass gewisse Verformungen gar nicht erst sichtbar werden, weil sie zum Glück in der Masse verschwinden. Das sagte mir neulich tröstend ein Hals- und Gesichtschirurg in der Sprechstunde. Was nur zeigt: Ich habe schon auch andere Probleme, will Ihnen damit aber nicht auch noch zur Last fallen. Es gibt ja bereits genug, mit dem man irgendwie fertig werden muss.

Trotz allem ein gutes Wochenende.

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