Kolumne

«Schnee von gestern:» Es gibt immer etwas zu tun – aber was?

Wenn man plötzlich viel Zeit hat zu Hause... Unser Autor überlegt sich, öfter zu kochen. Als Vorbild dienen ihm flinke Fernsehköche.

Hans Graber
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Hans Graber.

Hans Graber. 

(Bild: LZ)

Es fällt zunehmend schwer, trotzdem sollte man versuchen, das Positive nicht gänzlich ausser Acht zu lassen. Unsereiner hat ja durch den Wegfall von sozialen Kontakten, Wirtshausbesuchen Fussballspielen und der Präsenzmarkierung an allerlei Aufläufen jetzt mehr Zeit für sich. Sehr viel. Diese Zeit kann man nun nutzen. «Es gibt immer etwas zu tun» (Hornbach), aber nur in gewohnten Pfaden kann man nicht mehr trampen. Apropos, ich habe schon mal abgemessen für den Fall, dass man die Wohnung gar nicht mehr verlassen darf: Wenn ich auf unserem über Eck führenden Balkon 408-mal hin und her laufe, komme ich auf 10000 Schritte täglich.

Ich liebäugle auch mit der Anschaffung eines Hometrainers (Einsteigermodell «Hammer Cardio Fit»). Aber ich fürchte, dass ich den ohne fremde Hilfe kaum stabil zusammenmontieren könnte. Spitäler haben jetzt anderes zu tun, als eingeklemmte Hände, Leistenbrüche und Steissbeinprellungen zu behandeln. Vermutlich mache ich mich deshalb eher in der Küche nützlich, wobei es mit diesem Nützlichmachen so eine Sache ist. Erwünscht ist es bei uns nur bedingt.

Zum Hobbykoch fehlt mir das Urvertrauen, was sich allein darin zeigt, dass ich nur streng nach Rezept vorgehen kann und bei vagen Angaben wie «wenig Pfeffer» bereits leicht ins Schlingern gerate. Ein paar Gerichte gelingen mir achtbar, unter anderem Wurstweggen und Holstein-Schnitzel, aber zur höheren Schule reicht es nicht, und es fehlt an Ehrgeiz, das zu ändern. Schuster, bleib bei deinem Geschreibsel.

Ich sehe mich in der Küche mehr als Hilfskraft – da aber sehr wohl mit Ambitionen. Vorbild sind mir Fernsehköche. Hei, wie flink die das Gemüse schneiden. Hei, wie sie die Pfannen über dem Herd schwenken. Hei, wie sie zum Finale die Speisen auf dem Teller noch mit ein paar Tropfen eines reduzierten Sösschens oder eines edlen Balsamico nappieren oder wie man dem sagt. All das fasziniert mich. Das möchte ich auch können.

Bei mir aber ist es so. Das Gemüseschneiden verläuft leidlich bis zäh, nichts mit Zack-zack-zack. Ich habe auch mal so ein Santokumesser gekauft, aber es liegt nicht am Messer, sondern an mir. Gleich wie beim Pfannenschütteln. Beim mir schwappt immer etwas auf den Boden, auf die Wandabdeckung oder auf die heisse Herdplatte, wo sich dann strenge Röstaromen entwickeln. Und erst das Nappieren! Wenn ich das versuche, wirken die Speisen danach verunstaltet. Wie wenn ein Vogel drübergeflogen wäre und … genau.

Aber ich will nun üben. Genieren muss ich mich nicht, wenn es nach Verbranntem riecht und die Teller entstellt aussehen. Meine Frau ist sehr nachsichtig, und Gäste kommen eh keine. Es braucht einfach Geduld. Zeit hat man ja jetzt. Man muss immer das Gute sehen. Und leise hoffen, dass es nicht des Guten zu viel wird.

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