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Kolumne

«Schnee von gestern»: Meine liebe Not mit den Noten

Der erste Ausgabetag der neuen Hunderternote brachte Redaktor Hans Graber auf eine Idee: Warum eine solche nicht verschenken? In der Familie hatte jemand Geburtstag. Bloss: Der Bezug der Note auf einer Bank erwies sich als nervenaufreibend.
Hans Graber
Hans Graber.

Hans Graber.

Schon wieder muss ich von einem kleinen monetären Eklat berichten. Nein, es dreht sich bei mir nicht alles um Geld, aber manchmal verstehe ich speziell diese Welt nicht mehr. Von vorne: Üblicherweise wäre es nie mein Ansinnen, unter den Ersten zu sein, die eine neue Banknote ergattern können. Der Ausgabetag des neuen Hunderters am 12. September war aber gleichzeitig ein Geburtstag im Familienkreis. Deshalb kam ich auf die hübsche Idee, dem Geschenk noch eine solche Note beizulegen. So einfach ging das nicht. Am ersten Tag gab es diese Hunderter nur an den Schaltern der Nationalbank und ihrer wenigen Agenturen.

Eine dieser Agenturen ist die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Hauptsitz. Pilatusstrasse. Also machte ich mich auf den Weg, obwohl ich Bankschalter sonst tunlichst meide. Alleine die Architektur vor allem grösserer Banken löst bei mir Unbehagen aus. Aussen dicke Säulen, innen eine sakrale Atmosphäre, die Offenheit vermitteln soll, aber meine Beklemmung nur verstärkt. Gesprochen wird im Flüsterton, und die Angestellten hinter den Schaltern wirken jederzeit wie frisch geduscht.

Früher konnte man sich noch aussuchen, in welche Schlange man sich einreihte, um von jener Person bedient zu werden, der man sich am ehesten anvertrauen möchte. Heute gibt es nur noch eine Hauptschlange, und man wird zum nächsten freien Schalter gezwungen. «Zwei neue Hunderternoten, bitte», sagte ich schüchtern dem jüngeren Herrn. Wenn schon, denn schon, wollte ich auch eine für mich. Zur Bezahlung legte ich mein EC-Kärtchen hin, das von der Aargauer Kantonalbank stammt, der ich immer treu war. Da Kantonalbanken untereinander kulant sind, glaubte ich, das sei kein Problem. War es aber. «Macht in dem Fall 210 Franken», flüsterte der Bankmann.

Mir ist bekannt, dass die Geldinstitute trotz übertroffener Gewinnerwartungen und weiterhin schöner Boni unsere Unterstützung brauchen. Aber irgendwann ist es genug. Ich nehme es seit Jahren klaglos hin, den Banken die Arbeit abzunehmen und mich bei Einzahlungen selber mit Referenznummern und dergleichen Zumutungen herumzuschlagen. Ich akzeptiere, dass man heute froh sein muss, sein Geld noch ohne Negativzins bei der Bank deponieren zu können. Alles abheben und zu Hause aufbewahren, scheint mir gerade in unserem Fall keine gute Variante. Früher versteckten wir ab und zu einen Notgroschen im Kleiderschrank, etwa in der Aussentasche des bordeauxroten Jackets oder im gelben Regenmäntelchen meiner Frau. Die so versteckten Noten landeten mehr als einmal in der Altkleidersammlung.

Ich fragte den Bankmann, ob es keine Lösung ohne 10-Franken-Zuschlag gebe. Die gab es. Zum einen hätte ich an den im Bankinnern nur ein paar Schritte entfernten Bancomaten gehen können, dort mit derselben EC-Karte 200 Franken in alten Noten spesenfrei beziehen und dann die paar Schritte zurück zum Schalter bringen können. Der bare Irrsinn. Ich wählte das andere: Da ich auch über ein LUKB-Konto verfüge, liess ich die zwei Hunderter dort abziehen. Der Bankmann schaute mir eindringlich in die Augen und flüsterte, die Verbuchung laufe also über das gemeinsame Vorsorgekonto von meiner Frau und mir. Ich habe das als Misstrauensvotum gedeutet. Leicht stotternd habe ich dem Herrn hoch und heilig versprochen, dass ich meine Frau über den Abhub von 200 Franken vom gemeinsamen Vorsorgekonto brav informieren werde.

Ich war total geknickt, als ich draussen war. Die Idee, jemandem einen nigelnagelneuen Hunderter zu schenken, fand ich extrem blöd. Vorwürfe mache ich aber niemandem, und die LUKB muss sich auch nicht rechtfertigen. Falls doch: Für läppische 5 Franken, überwiesen auf das Vorsorgekonto, wäre ich bereit, ihr Schreiben zu lesen. Für weitere 20 Franken würde ich eine Antwort verfassen.
Oder sagen wir: 40.

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