Kolumne

«Schnee von gestern»: Missverständnis in der Boutique

Unser Kolumnist Hans Graber wurde schon häufig mit falschem Namen angesprochen. Beim Kaffeekauf kam es neulich zu einem besonders amüsanten Kommunikations-Fauxpas.

Hans Graber
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Hans Graber

Hans Graber

Mit meinem Namen habe ich bereits einiges mitgemacht: Von Grab, Graf, Traber, Grabner, Grabherr, Gruber, Greber und dergleichen musste ich lesen und hören. Obwohl unser Geschlecht schon mal einen Bundesrat und einen italienischen Rennrodel-Weltmeister hervorgebracht hat und auch den Partner von Sven Epiney stellt, ist der Name längst nicht allen geläufig.

Speziell im Kontakt mit Deutschen muss ich stets nachdoppeln. Ich sage jeweils «wie Graben, aber mit ‹r › am Schluss». Mit dem Resultat, dass ich zum Grabener werde. Hierzulande gibt es etwas weniger Probleme, aber eventuell beginne ich, im Alter undeutlicher zu sprechen. Im Schweizerdeutschen kennt man dafür das wunderschöne Wort «loorgge». Ein bisschen ein «Loorggi» war ich immer schon, vielleicht akzentuiert sich das nun. Feststellen musste ich obendrein, dass ich vermehrt Selbstgespräche führe, erschreckenderweise zum Teil hörbar für andere. Bei diesen Selbstgesprächen gehe ich oft hart mit mir ins Gericht oder spreche mir Mut zu. Alles mit bescheidenen Folgen. Immerhin, ich verstehe noch gut, was ich mir sage.

«Hans Graber» gab ich an, als ich letzte Woche im Nespresso-Laden in der Buobenmatt nach meinem Namen gefragt wurde, weil ich dort registriert bin. Ich mag den pechschwarzen Ristretto. Aber erst nach dem Mittagessen. Morgens muss es anderer Kaffee sein. Bertschi Birsfelden. Bedient wurde ich in der Nespresso-Boutique (so heisst sie offiziell) von einer überaus freundlichen Mitarbeiterin, trainiert auch im Umgang mit leicht verdruckten Leuten wie mir. Sie musste mir zu ihrem Bedauern mitteilen, dass sie unter meinem Namen mit Wohnsitz Luzern niemanden finde. Es stellte sich im Weiteren aber heraus, dass sie nur meinen wohl etwas «loorggig» ausgesprochenen Namen falsch verstanden hatte. Nämlich – jetzt kommt’s: Hans Araber. Ob es diesen Namen gibt? «Telsearch» weist zu diesem Suchwort auf zwei Vollblut-Arabergestüte hin. Und in der deutschen Bundesliga kickt ein Fussballer namens Bellarabi. Aber Araber? Hans Araber? Nein.

Die Boutique-Frau und ich hatten es im Zuge dieses Missverständnisses dann noch recht lustig miteinander. Und wie so oft, wenn das Eis mal gebrochen ist, kaufte ich völlig enthemmt auch Kaffeesorten, die ich gar nicht wollte. Volluto, Vivalto, Capriccio, Fortisso. Im Nachhinein könnte ich mir jeweils fortissimo in den Hintern treten und muss dann wieder Selbstgespräche führen. Hans Araber. Soll ich mich künftig so nennen? Oder zumindest einmal bis Ende Jahr? So hätte ich wenigstens einen plausiblen Grund, mich ohne schlechtes Gewissen dem alle Jahre wieder überbordenden Weihnachtsgewese zu entziehen. Wir Araber sind ja diesbezüglich tendenziell ziemlich zurückhaltend.

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