Luzerner Landgemeinden rüsten sich für schnelleres Web auf dem Land

Vier Regionen spannen für eine neue Technologie zusammen. Vorreiter ist Luthern.

Roseline Troxler
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Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel für schnelleres Internet. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel für schnelleres Internet. (Bild: Carlo Reguzzi/Keystone)

Der Gemeindeverband Region West, dem 28 Gemeinden in der Region Entlebuch, Willisau, Rottal und Hinterland angehören, setzt sich ein ambitioniertes Ziel: «Bis in fünf Jahren sollen im Verbandsgebiet alle ganzjährig bewohnten Gebiete Anschluss an Hochbreitband haben.» Dies sagt Guido Roos, Geschäftsführer des Verbands. Hochbreitband, also extrem schnelles Internet, das sei die Daten-Autobahn der Zukunft. Für einen durchschnittlichen Haushalt ist derzeit bei einer Übertragungsgeschwindigkeit ab 30 Megabit pro Sekunde von Hochbreitband die Rede. Doch dies wandelt sich stetig. Das Thema war auch Schwerpunkt der Delegiertenversammlung vom Dienstag.

Für Roos ist eine gute Internetanbindung heute Pflicht. Dies zeige sich etwa dann, wenn man ein Unternehmen ansiedeln oder ein Haus veräussern will. Er unterstreicht, wie wichtig es ist, in diesem Thema voranzuschreiten. «Wir wollen nicht abgehängt werden. Diese Gefahr droht, wenn wir nicht vorwärtsmachen.» Roos erklärt, zwischen den Luzerner Gemeinden gebe es grosse Unterschiede. «In neuen Quartieren grösserer Gemeinden gibt es teils bis zu vier Parallelnetze, während ländliche Gemeinden gar nicht mit Breitband erschlossen sind.» Guido Roos ermunterte die Delegierten am Dienstag denn auch, neue Technologien aktiv anzugehen. Roos betont:

«Auf die Landbevölkerung wartet in diesem Thema niemand, wir müssen daher selber aktiv werden.»

Netz in Luthern soll 65 Kilometer lang werden

Bereits getan hat dies Luthern. Die Gemeinde strebt für alle Haushalte und Betriebe einen Hochbreitbandanschluss an. Das Netz entspricht dereinst einer Länge von 65 Kilometern. Heini Walthert, Gemeinderat Ressort Infrastruktur, erklärt auf Anfrage: «Wir hatten in den letzten Jahren mit Abwanderung zu kämpfen und müssen die Attraktivität als Wohngemeinde und Arbeitsort erhöhen.» Bei der Versorgung mit Internet gebe es im Moment noch grosse Lücken, so Walthert. «Derzeit laufen Verhandlungen mit möglichen Partnern.» Der Gemeinderat rechnet für das Netz mit Gesamtkosten von zirka 3,6 Millionen Franken. Je nach Partner und Businessmodell soll der Anteil der Gemeinde deutlich tiefer liegen. «Im Sinne der Solidarität sollen sich aber alle Bürgen an den Initialkosten beteiligen.» Die Stimmbürger werden an einer Gemeindeversammlung über das Projekt abstimmen können. «Bei einer Zustimmung rechnen wir damit, dass es zwei Jahre dauert, bis alle Haushalte einen Hochbreitbandanschluss erhalten.»

Damit das Thema nicht jede Gemeinde für sich angeht, will der Verband Möglichkeiten zur Realisierung aufzeigen. Dafür will er mit dem Kanton zusammenspannen. «Es sollen bestehende Ansätze durchleuchtet, neue Ansätze entwickelt und die Vor- und Nachteile für jede Gemeinde aufgezeigt werden», so Roos. «Eine kleine Entlebucher Gemeinde hat ganz andere Voraussetzungen als etwa Willisau.»

Projektkosten liegen bei rund 400000 Franken

Für das auf drei Jahre angelegte Schlüsselprojekt wird mit Kosten von 400000 Franken gerechnet. Kanton und Bund dürften sich daran beteiligen. Die Unterstützung von Bund und Kanton wird voraussichtlich aus Geldern für die Neue Regionalpolitik (NRP) erfolgen. Der Bund legt bei der NRP in den Jahren 2020 bis 2023 den Fokus auf die Digitalisierung im ländlichen Raum.

Neues Teilmitglied aufgenommen

Pfaffnau ist neues Teilmitglied im Gemeindeverband Region Luzern West. Die Delegierten haben den Beitritt am Dienstagabend einstimmig beschlossen. Die Gemeinde ist nebst Dagmersellen das zweite Teilmitglied im Verband. Pfaffnau, das an der Grenze zu Bern und Aargau liegt, ist bereits im Berner und Aargauer Pendant Mitglied, weshalb eine Vollmitgliedschaft nicht angestrebt wurde. «Gerade in Fragen rund um den öffentlichen Verkehr oder Kulturförderung haben sowohl Pfaffnau wie auch der Verband Interesse, an einer Zusammenarbeit», sagt Guido Roos, Geschäftsführer des Gemeindeverbands. Der Pfaffnauer Gemeindepräsident Thomas Grüter meint, dass man in vielen Fragen von Entscheidungen des Gebiets der Region Luzern West beeinflusst werde. (rt)