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SCHÖTZ: Er versteckt sich nicht in seiner Kirche

Andreas Barna ist ein Seelsorger zum Anfassen. Der Dorfpfarrer ist dafür bekannt, am Sozialleben in seiner Gemeinde aktiv teilzunehmen, und kommt dort mit seiner offenen Art gut an.
Seine Kirche steht allen offen: der Schötzer Pfarrer Andreas Barna. (Bild: Nadia Schärli (25. Januar 2018))

Seine Kirche steht allen offen: der Schötzer Pfarrer Andreas Barna. (Bild: Nadia Schärli (25. Januar 2018))

An der Fasnacht sieht man Andreas Barna nicht nur hinter dem Altar, sondern auch an der Schötzer «Trebhuus-Bar». Dann setzt sich der Pfarrer an den Tresen und bestellt sich ein Wasser oder eine Cola. Alkohol trinkt er wegen seines Hobbys, dem Krafttraining, nur selten. Einmal war Barna in der Bar, als ein junger Schötzer zu ihm kam, dem Pfarrer auf die Schultern klopfte und sagte: «Du besch eifach e geile Siech.» Es gab eine Runde Shots. Barna trank ausnahmsweise mit.

Andreas Barna erzählt die Anekdote nicht, um damit anzugeben. Schön sei das gewesen, dieses spontane Kompliment. Es habe gezeigt, dass seine Art, Pfarrer zu sein, richtig ist: bei den Leuten sein, sich nicht in der Kirche verstecken.

Applewatch am Handgelenk

Wer sich einen katholischen Pfarrer vorstellt, der wird ziemlich ­sicher nicht Barna im Kopf haben. Hellblonde mittellange Haare im Undercut geschnitten, eine Apple­watch am Handgelenk, 40 Jahre alt. Seit fünf Jahren ist Andreas Barna der katholische Pfarrer in Schötz. Gut 4400 Einwohner zählt die Gemeinde. Die meisten sind katholisch. «Schötz ist eine starke Gemeinde, die Leute halten zusammen», sagt Barna. Das zeige sich unter anderem in den über 30 Vereinen, in denen die Leute Mitglied sind. «An der GV des Frauenvereins habe ich als Barkeeper die Bar geschmissen. Ich war der Hahn im Korb, das war lustig.»

Dass sich Pfarrer Barna nicht hinter seinem Altar versteckt, komme bei den Schötzern an. «Ich will mit den Leuten auch ausserhalb der Kirche, also neben den Gottesdiensten, Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen, ins Gespräch kommen.» Gute Gespräche entstünden unter anderem im Laden, im Restaurant, auf der Strasse. Man könne nicht mehr warten, bis die Leute in die Kirche kommen. «Für viele gehört der Besuch des Gottesdiensts ja nicht mehr zum Sonntagsprogramm. Das muss man akzeptieren.»

Sich anbiedern oder gar bekehren wolle er bei solchen Kontakten ausserhalb der Kirche nicht. «Wir sprechen über den Alltag und, wer möchte, auch über Gott. Wer dann noch vertieft Seelsorge in Anspruch nehmen will, kann einen Termin abmachen oder eine Whatsapp-Nachricht schicken.» Seelsorge per Smartphone. Auch das gibt es beim jungen Pfarrer.

Modern sind nicht nur seine Seelsorgemethoden, sondern auch seine Ansichten zur katholischen Kirche. Geht es nach Barna, könnten alte Zöpfe wie das Zölibat schon längst abgeschnitten sein. Frauen und Verheirateten sollte der Weg zum Priesteramt offen sein. Willkommen heisst er in seiner Kirche auch Menschen jeglicher sexueller Orientierung. «Egal ob sie hetero-, homo-, bi- oder transsexuell sind. Man soll auf das Herz und auf den Verstand schauen, nur das zählt.»

Bevor Andreas Barna nach Schötz kam, war er acht Jahre lang Pfarrer in Bern. Eine Regel des Bistums Basel besagt, dass Pfarrer alle acht bis zehn Jahre die Gemeinde wechseln müssen – ob sie nun wollen oder nicht. Das Personalamt legte Barna nahe, dass er nach Bern doch mal aufs Land in eine katholische Gegend ziehen solle. So kam er nach Schötz.

Geboren und aufgewachsen ist Andreas Barna allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Budapest, in Ungarn. Nach der Matura habe er sich entscheiden müssen, was er studieren soll. Kinderarzt oder Priester seien seine bei- den Berufswünsche gewesen. Schliesslich entschied er sich für das Studium der Theologie. «Ich habe einfach auf mein Herz gehört und habe es bis heute nicht bereut.» Es folgte das Studium in Freiburg, Deutschland, und in Ungarn, wo er zum Priester geweiht wurde. Im Jahr 2005 zog es Barna weiter in die Schweiz. Hier gefällt es ihm mittlerweile so gut, dass er sich in Schötz einbürgern lassen möchte.

Briefe gegen den Krebs

Dass Andreas Barna zu seiner Gemeinde eine so enge Beziehung hat, liegt auch daran, dass viele Einwohner ihm bei einer schweren Zeit zur Seite standen. Barna erkrankte 2014 an Krebs. Eineinhalb Jahre kämpfte er um sein Leben. In dieser Zeit hätten ihm die Schötzer und Bewohner aus anderen Gemeinden stapelweise Briefe geschrieben, ihm viel Kraft und Hoffnung gewünscht, für ihn gebetet und an ihn gedacht. «Die vielen Briefe und ihr seelischer Beistand haben mich ermutigt weiterzukämpfen.» Mittlerweile sei er wieder gesund.

Geht es nach der Regel des Bistums, bleiben Barna noch fünf Jahre, bis er in die nächste Kirchgemeinde ziehen muss. Wo die sein könnte, daran wolle er noch nicht denken. Er möchte die Zeit, die ihm bleibt, mit den Menschen teilen – inner- und ausserhalb der Kirche. «Jesus ist ja auch mit den Leuten unterwegs gewesen und hat mit ihnen gefeiert. Ich möchte mit ihnen lachen und weinen, einfach für sie da sein.»

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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