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SCHÖTZ: Holt er für die Schweiz den Oscar?

Alles aufgeben, um dem grossen Traum zu folgen. Wer tut das schon? Clovis Kasanda ist ausgezogen, um Schauspieler zu werden. Dafür nahm der Schötzer auch den Umweg durch ein ehemaliges Kriegsgebiet in Kauf.
Andreas Bättig
Auf Heimatbesuch: der momentan in Brüssel wohnhafte Theater- und Filmschauspieler Clovis Kasanda in der Luzerner Altstadt. (Bild: Nadia Schärli (27. Dezember 2017))

Auf Heimatbesuch: der momentan in Brüssel wohnhafte Theater- und Filmschauspieler Clovis Kasanda in der Luzerner Altstadt. (Bild: Nadia Schärli (27. Dezember 2017))

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Natürlich wirkt es zuerst etwas grossspurig, wenn Clovis Kasanda Sätze sagt wie «Ich will für die Schweiz den Oscar holen» oder «Ich träume von einem Grammy». Doch wer den 34-Jährigen erlebt, mit ihm redet, der weiss: Abgehoben ist der Schötzer nicht. Seine Träume sind nun mal einfach ziemlich gross. Das passt auch zum Filmbusiness, zu dieser Traumfabrik: «Think big» – «Denke gross» sei denn auch sein Lebensmotto.

Doch es dauerte seine Zeit, bis der gebürtige Kongolese den Mut fand, seinen Träumen auch nachzugehen. Wer gibt in der Schweiz schon seinen sicheren Job auf und begibt sich ins Ungewisse? Kasanda hat es getan: «Wir haben doch alle Angst davor, etwas komplett Neues anzufangen. Ich hatte die ja auch. Aber irgendwann war mir klar, wenn ich jetzt nicht Schauspieler werde, bereue ich es mein ganzes Leben.»

Vom Farbfachmann zum Bühnendarsteller

Als Teenager lag das Ziel, professioneller Schauspieler zu werden, noch in weiter Ferne. «Das ist beim Berufsberater ja auch keine Option», sagt er und lacht. Also ging er den bodenständigen Weg und liess sich zum Farbfachmann ausbilden.

Nach der Rekrutenschule ging es mit der Schauspielerei aber richtig los. 2006 stand er für das Projekt Heimat 611 der Regisseure Ruth Schürmann und Reto Anbauen auf der Bühne. Hinzu kamen weitere Auftritte als Komparse mit Sprechrolle für das Luzerner Theater im Stück «Liebe Kannibalen Godard». «Das war natürlich grossartig, gleich für das Stadttheater spielen zu können. Sie suchten dringend einen schwarzen Schauspieler. So viele gibt es in Luzern ja nicht», sagt Kasanda. Spätestens jetzt waren die letzten Zweifel ausgeräumt, Schauspieler werden zu wollen. «Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich einfach glücklich. Ich spürte, dass das mir gut tut.»

Kasanda war jedoch bewusst, dass eine Schauspielausbildung an einer renommierten Schule viel Geld kostet. Er zerbrach sich lange den Kopf, wie er sie finanzieren könnte. Denn als Farbfachmann verdiente er zwar ganz ordentlich, grosse Summen liessen sich aber nicht auf die Seite legen.

Für den Traum nach Bosnien

Kasanda fand jedoch einen speziellen Finanzierungsweg für die Schauspielschule: Er ging zur Swisscoy. Die Auslandtruppe der Schweizer Armee. Einsatzgebiet: Kosovo und Bosnien. «Diese Jobs sind gut bezahlt und Kost und Logis werden nochmals zusätzlich übernommen. So konnte ich gut Geld auf die Seite legen.»

Als Kasanda sich danach jedoch auf die Suche nach einer Schauspielschule machte, erlebte er einen Schock. Mit 28 war er bereits zu alt für die meisten Schulen. «Die wollen junge Leute, die sie formen können.» Durch Schauspiel-Freunde fand er dann noch eine Schule mit gutem Ruf: die Jacques Lecoq-Schauspielschule mitten in Paris, an welcher auch Mummenschanz lernten. «Die wollten Schüler, die schon Lebenserfahrung und eine eigene Meinung mitbringen.»

Paris, Grossstadt, über zwei Millionen Einwohner. Für Kasanda eine grosse Umstellung. Aufgewachsen ist er in Schötz, einem Dorf mit gut 3000 Einwohnern. Seine Mutter beantragte im Luzerner Hinterland Asyl und zog Kasanda, der mit vier Jahren aus dem Kongo in die Schweiz kam, zusammen mit zwei Brüdern und einer Schwester alleine auf. «Meine Mutter hat alles für uns getan. Sie ging von Anfang an arbeiten. Wir verbrachten eine Superzeit in Schötz und wurden gut im Dorf aufgenommen.» Seine Mutter habe es geschafft, ihre Kultur den Leuten näherzubringen, indem sie die Leute zu sich nach Hause einlud. Diese von zu Hause mitgebrachte Offenheit habe ihn auch in Paris weitergebracht. Kasanda fand schnell Anschluss. Baute sich ein Umfeld auf. Da Paris zum Leben ziemlich teuer ist, musste er neben der Schauspielerei «tschöpple», wie er sagt. Er hütete beispielsweise Kinder oder machte sich als Aktmodel einen Namen. «Ich war bei ziemlich renommierten Kunstschulen Aktmodel und lernte dabei viel über Ruhe, Konzentration und Körperbeherrschung. Wenn man drei Stunden still sitzen muss, dann tut das mit der Zeit weh.» Kasanda biss sich durch. Wusste, wofür er das alles machte. Als schwarzer Schauspieler Rollen zu finden, sei jedoch mit zusätzlichen Hindernissen verbunden: «Da merkt man, dass der Wurm drin ist. Schwarze bekommen oft nur Klischee-Rollen. Als Türsteher oder Butler zum Beispiel.» Das sei völlig absurd. «Die Gesellschaft ist doch mittlerweile so durchmischt. Es sollte gar keine typischen weissen oder schwarzen Rollen mehr geben. Alle können alles spielen», sagt Kasanda.

Seit kurzem lebt er nun in Brüssel. Von dort möchte er seine Karriere als Theater- und Filmschauspieler vorantreiben. London, wo die Schauspiel- und Theaterszene gross sei, sei nicht weit weg. Und sollte sich doch etwas in Paris ergeben, sei auch das nah. Die Schweiz habe er natürlich auch nicht vergessen. «Wir hätten hier im Bereich Film so viel Potenzial», ist Kasanda überzeugt. Man müsse sich nur mal Dänemark oder Belgien anschauen. Das seien ähnlich kleine Länder, und die hätten einen beachtlichen internationalen Ruf im Filmbereich. «Man muss in der Schweiz mehr wagen, mehr investieren. Ich glaube an die hiesige Schauspielszene.»

Lieber scheitern, als nicht probieren

Auch wenn der Weg von Kasanda bis jetzt kein einfacher war. Seinen Schritt, seinem Traum nachzugehen, habe er bis jetzt nicht bereut. «Ich empfehle jedem, mal eine Bilanz seines Lebens zu ziehen und auf einem Blatt Papier aufzuschreiben, was er bis jetzt erreicht hat.» Das sei in der Regel mehr, als man denkt. «Das gibt einem Mut, wieder etwas Neues anzufangen.» Und wenn man mit seinem neuen Projekt dann doch scheitere, sei es immer noch besser, als sich das ganze Leben zu fragen: «Was wäre wenn.»

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