SCHÖTZ: Kampf gegen Strassenprojekt

Die Kantonsstrasse soll für 10 Millionen Franken ausgebaut werden. Doch Gegner haben eine Petition gegen das Vorhaben ein­gereicht – und selbst der Gemeinderat hat Vorbehalte.

Roger Rüegger
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Auf 1,1 Kilometern soll diese Strasse in Schötz verbreitert werden. Auch ein Rad- und Gehweg soll entstehen. (Bild Pius Amrein)

Auf 1,1 Kilometern soll diese Strasse in Schötz verbreitert werden. Auch ein Rad- und Gehweg soll entstehen. (Bild Pius Amrein)

Roger Rüegger

Die Kantonsstrasse im Zentrum von Schötz präsentiert sich mit zwei holprigen Fahrspuren und beidseitigem Trottoir. Velostreifen oder ein Radweg fehlen im Ortskern. Bei einem Verkehrsaufkommen von über 10 000 Fahrzeugen pro Tag ist die Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer nicht mehr gewährleistet.

Nun will der Kanton die Strasse ausbauen. Der gesamte Projektperimeter beträgt gemäss der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur Kanton Luzern (VIF) 1,1 Kilometer. Von Alberswil her kommend sind auf rund 500 Metern eine Fahrbahn von 7 Metern Breite sowie ein einseitiger Rad-/Gehweg, welcher durch einen Grünstreifen abgetrennt ist, vorgesehen. Im Anschluss sind beidseitig Radstreifen und Trottoirs geplant, welche eine Strassenbreite von 13 Metern ergeben. Die Kosten für das Vorhaben betragen total 10,1 Millionen Franken.

801 Unterschriften in 14 Tagen

Doch gegen das Projekt «Kantonsstrasse K 11, Industriegebiet Süd–Bushaltestelle St. Mauritz» haben etliche betroffene Anwohner mobilgemacht. Ein Komitee lancierte eine Petition. Am Montag deponierten die Initianten beim Gemeinderat 801 Unterschriften, davon sind 500 von stimmberechtigten Schötzern. «Wir sind nicht gegen die Sanierung der Fahrbahn oder gegen ein Projekt generell. Aber es geht darum, dass die Anliegen der Bevölkerung ebenfalls berücksichtigt werden sollen», sagt Mitinitiant Kurt Lehmann, der direkt an der Hauptstrasse wohnt.

Die Initianten lehnen das Projekt in der Form, in der es bis am 23. Mai auf der Gemeinde aufgelegen ist, ab. Im Wortlaut heisst es: «Bedingt durch das Projekt wird die Strasse durch das Dorf optisch und real um 3 Meter breiter. Die beiden Radstreifen links und rechts zu je 1,5 Metern sind nur durch Striche abgetrennt und auch für den motorisierten Verkehr benutzbar, wenn keine Radfahrer darauf sind. Die gesamte optische Verkehrsbreite beträgt 13 Meter. Das verleitet zu schnellerem Fahren, zieht mehr Verkehr an und vermindert dadurch generell die Sicherheit.» Es führe zudem zu einer erheblich höheren Lärmbelastung, da die Fahrzeuge bedeutend näher an den bestehenden Gebäuden vorbeifahren würden. So gefährde es die mehreren hundert Schulkinder, die die Strasse als Schulweg und als Verbindung zu den neuen Sportanlagen benutzen.

Gemeinderat setzt sich ein

Gegen den Ausbau der Kantonsstrasse wurden zudem 25 Einsprachen eingereicht. Diejenigen Schötzer, die gegen das Projekt sind, hoffen, dass der Gemeinderat bei seiner Stellungnahme beim Kanton ihre Anliegen mit einbezieht. Gemeindeammann Guido Iten sagt: «Grundsätzlich begrüssen die meisten Einwohner einen Ausbau, der aus Sicherheitsgründen nicht in Frage gestellt wird. Zumal eine Sanierung des Belags ohnehin nötig ist, denn die Kantonsstrasse verdient in diesem Zustand den Namen nicht mehr.» Ein grosses Fragezeichen stelle sich hinter die 13 Meter Breite. «Im Wissen, dass aufgrund der engen Dimensionen einige Liegenschaften massiv vom geplanten Ausbau betroffen sind, wird sich der Gemeinderat dafür einsetzen, dass man das Projekt redimensioniert», so Iten.

Ob die Schötzer Chancen haben, dass der Ausbau in einer abgespeckten Form realisiert wird, ist fraglich. «Das vorliegende Projekt basiert auf aktuellen Normen und den Vorgaben gemäss kantonalem Radroutenkonzept», erklärt Beat Hofstetter, Abteilungsleiter der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur. Zur Dringlichkeit des Projekts sagt er: «Der Kantonsrat hat das Vorhaben mit Beschluss vom 5. November 2014 zum aktuellen Bauprogramm 2015 bis 2018 für die Kantonsstrassen in den Topf A aufgenommen. Zudem ist der Strassenabschnitt im Radroutenkonzept 1994 ergänzt in der ersten Priorität enthalten.»

Wann der Baustart erfolgt, ist noch unklar. Hofstetter: «Nach Abschluss des Bewilligungsverfahrens, welches auch die Behandlung der Einsprachen beinhaltet, wird der Kantonsrat das Geschäft behandeln.» Dieser Zeitpunkt sei abhängig von der Länge des Bewilligungsverfahrens und sei somit noch offen.

Zukunft in Frage gestellt

Die Belagsanierung kostet 1,7 Millionen Franken, die Strassenentwässerung und weiterer Leitungsbau 1,9 Millionen und die Radverkehrsanlage mit Strassenbau 6,5 Millionen. Im Projekt enthalten sind auch Bushaltestellen. «Die heutige Bushaltestelle Moosbrücke wird aufgehoben. Dafür werden beim Projektanfang bei der Einmündung des Hostriswegs sowie im Dorf auf Höhe des Schulhauses neue Haltestellen entstehen», erklärt Hofstetter.

Auf den Ausbau der Strasse blicken viele Anwohner mit Sorgen. Zum Beispiel Uschi Walthert, die ein Blumengeschäft entlang der Kantonsstrasse führt: «Dass an der Strasse etwas verändert werden muss, sehe ich auch ein. Bei einer Bauzeit von zwei Jahren muss ich mir aber überlegen, Konsequenzen zu ziehen.» Sie fürchtet, dass ihr Geschäft massiv unter der Baustelle leiden wird. Bis es aber so weit ist, kann es noch eine Weile dauern. «Frühester Baubeginn ist gemäss Bauprogramm für die Kantonsstrassen 2018», sagt Beat Hofstetter.