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SCHÖTZ: Verloren geglaubte Kirche wiederentdeckt

Bei einer Grabung sind Archäologen auf eine mittelalterliche Kirche gestossen. Überreste eines irischen Klosters wurden hingegen keine entdeckt. Doch ein Schötzer hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Die gefundenen Gräben zeugen von einstigen Kapellenmauern. (Bild: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

Die gefundenen Gräben zeugen von einstigen Kapellenmauern. (Bild: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

Ein grosses weisses Zelt spannt sich über die Baugrube, mitten in Schötz. Wo einst eine Metzgerei stand, soll ab Januar ein neues Wohn- und Geschäftshaus samt Tiefgarage entstehen. Doch die Bauarbeiter stiessen beim Aushub im November auf etwas, ­womit niemand mehr gerechnet hatte: die Überreste der Kapelle St. Johannes und diverse Skelette. Die ersten Spuren der mittelalterlichen Kirche wurden 1844 gefunden. Beim Bau der Metzgerei im Jahre 1954 dann sind weitere Mauerreste entdeckt worden. «Wir mussten davon ausgehen, dass mit dem Bau alle Spuren verschwunden sind», sagt Fabian Küng von der Kantonsarchäologie. Dennoch hätten Archäologen den Aushub begleitet und seien bald auf erste Skelette gestossen.

Küng sagt zur Grabung: «Für die regionale Geschichte ist sie enorm wichtig. Sie bietet die allerletzte Chance, die Spuren zu sichern.» Auch kantonsweit handle es sich um einen Spezialfall. «Anderswo sind die mittelalterlichen Überreste von Kirchen meist von den aktuellen Gotteshäusern überbaut worden.»

Bau der Kirche ist älter als erste Erwähnung von Schötz

Im Mittelalter gab es in Schötz die beiden Ortsteile Oberschötz und Niederschötz. Beide besassen ein eigenes Gotteshaus, die Kapelle St. Johannes gehörte zum Unterdorf. Laut Fabian Küng entstand die Kirche bereits im 10. oder 11. Jahrhundert. Der Bau ist ­damit deutlich älter als die Schriftquellen, in welchen Schötz erstmals erwähnt wurde. «Die Ausgrabung ergänzt somit die schriftlichen Quellen.» Genau kann die Kirche noch nicht datiert werden. Sie besitzt aber eine lange Baugeschichte. Vor Ort ist heute nur noch das Negativ der Mauern ersichtlich, also deren Gräben. Um die Kirche herum erstreckte sich ein Friedhof. Hier wurden Frauen, Männer und Kinder, nur in Tücher gehüllt, beigesetzt. Fabian Küng: «Die Kirche wurde später zu einer Kapelle degradiert und nach 1500 schliesslich bis auf den Grund abgebrochen.» Die Skelette sollen noch genauer untersucht und archiviert werden.

Nicht erhärtet hat sich laut Küng der Verdacht eines Schötzers, am Ausgrabungsort lasse sich eine klösterliche Niederlassung nachweisen. Johann Häfliger hatte dazu Recherchen getätigt und aufgrund von Quellen und anderer Funde in Schötz die Anwesenheit von irischen Mönchen vermutet. Küng sagt: «Wir haben keine Spuren eines irischen Klosters gefunden. Auch in den Quellen wird diese Vermutung nicht gestützt.» Johann Häfliger allerdings hält an seiner These fest. «Ich habe immer noch die Hoffnung, dass die Grabung meine These bestätigen könnte.»

Die Rettungsgrabung, die rund 140000 Franken kostet, soll Mitte Januar zu Ende gehen. Dann werden die Bauarbeiten für das neue Gebäude fortgesetzt.

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Am Samstag, 16. Dezember, findet in Schötz zwischen 10 und 16 Uhr ein Tag der offenen Grabung statt.

Archäologen sichern in Schötz Spuren der früheren Kapelle St. Johannes samt Friedhof. (Bild: Pius Amrein / LZ (Schötz, 13. Dezember 2017))

Archäologen sichern in Schötz Spuren der früheren Kapelle St. Johannes samt Friedhof. (Bild: Pius Amrein / LZ (Schötz, 13. Dezember 2017))

Archäologen sichern in Schötz Spuren der früheren Kapelle St. Johannes samt Friedhof. Die gefundenen Gräben (unten links) zeugen von einstigen Kapellenmauern. (Bilder: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

Archäologen sichern in Schötz Spuren der früheren Kapelle St. Johannes samt Friedhof. Die gefundenen Gräben (unten links) zeugen von einstigen Kapellenmauern. (Bilder: Pius Amrein (13. Dezember 2017))

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