SCHÖTZ/ETTISWIL: Zander kommt vom Bauernhof

Zwei Landwirte bauen die erste Zanderfischproduktion dieser Grösse im Kanton Luzern auf. Sie wollen jährlich 12 000 Kilo des Speisefisches produzieren.

Ernesto Piazza
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Der Zander, ein einheimischer Fisch. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Der Zander, ein einheimischer Fisch. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Zander vom Bauernhof: Die beiden Landwirte Thomas Muri (Schötz) und Reto Kaufmann (Kottwil) produzieren künftig pro Jahr auf ihren Höfen je 6000 Kilo des Speisefisches. Der Baustart ist bereits erfolgt. Im Juli kommen die ersten Zander auf die beiden Höfe. Die Fische werden in einer so genannten Kreislaufanlage mit Rundstrombecken von 60 Kubikliter Wasserinhalt gehalten.

Zusammen mit Georges Kreyenbühl und Bernhard Kaufmann sind sie Gesellschafter der neu gegründeten Gourmet-fisch.ch GmbH. Über diese Firma soll auch die Vermarktung erfolgen. Der Hauptabsatz der Fische passiert über ein grosses Comestible-Geschäft in der Zentralschweiz.

Der für die Vermarktung zuständige Georges Kreyenbühl erinnert sich: «Begonnen hatte alles vor zwei Jahren.» Er hat sich bei seiner langjährigen Aussendiensttätigkeit bei Landwirten letztlich dazu inspirieren lassen. «Georges kam mit der zündenden Idee», so Thomas Muri. Mittlerweile ist die Gruppe seit einem Jahr sehr intensiv an der Erarbeitung diverser Bausteine. «Weil das Projekt von langer Hand vorbereitet ist, sehen wir darin auch grosse Chancen», sagt Reto Kaufmann.

Landwirte nutzen leere Räume

Sowohl Thomas Muri – er betreibt vorwiegend Schweinezucht und Ackerbau – wie Schweinezüchter und Pouletmäster Reto Kaufmann haben leer stehende Räume. Das ungenutzte Potenzial wollen sie künftig für die Produktion des Zanders verwenden. Nach verschiedenen Abklärungen mit mehreren kantonalen Dienststellen sagt Thomas Muri: «Wir erfüllen die Auflagen vom Kanton und sind im Besitze der notwendigen Baubewilligungen.» Einer der Knackpunkte war die Zonenkonformität – weil die Fischproduktion nicht in den Bereich Landwirtschaft falle, so Muri.

Bei einer Studienreise haben sich die Projektträger über ihr neues Standbein informiert. In Holland besichtigten sie eine bereits bestehende Zanderproduktionsanlage. Eine Privatführung im Tropenhaus Frutigen habe sehr interessante Einblicke in den Bereich Aquakultur ergeben. Und zudem betont Reto Kaufmann: «Mit dem Kontakt zu Bernhard Kaufmann gelang es uns das Know-how eines verlässlichen Anlagebauers zu gewinnen.» Seit Februar läuft bei ihm in Klingnau ein Pilotversuch mit 5000 Zandersetzlingen. Er holte sich mitunter auch Erfahrungen und einen verlässlichen Ansprechpartner bei einem Zuchtbetrieb in Holland. Das aufgegleiste Zanderprojekt bezeichnet Bernhard Kaufmann «als schweizweites Pionierprojekt». Dahinter steckt die Idee, dass die Fische mit einem Gewicht von zirka 15 Gramm in die Schweiz kommen und nach knapp einem Jahr die Schlachtreife von 1 bis 1,3 Kilo und einer Länge von rund 60 Zentimetern erreichen. Der erste Verkauf auf den beiden Höfen ist für Dezember geplant. In einer Metzgerei in der Region soll auch eine Fischverarbeitungsstelle eingerichtet werden.

«Wir schätzen den Zanderbedarf in der Schweiz als gross ein», sagt Kreyenbühl. Deshalb beurteilt er das Risiko aus Sicht der Vermarktung als vertretbar. Die Gourmet-fisch.ch GmbH will neben dem Grossabsatz auch Restaurants und Private mit Zander beliefern.

Neuer, spannender Betriebszweig

Die Gesellschafter betrachten das finanzielle Risiko als überschaubar. Je nachdem, wie viel umgebaut werden muss, liegt die Investition in der Grössenordnung eines mittleren sechsstelligen Betrages. Muri sagt jedoch: «Die Finanzierung für das Projekt steht.» Genauso sei ein Businessplan vorhanden. Die Gesellschafter sind überzeugt, mit dem Zandergeschäft einen neuen, spannenden Betriebszweig gefunden zu haben. Sie sagen unisono: «Momentan bezahlt der Konsument beim Grossverteiler für Zanderfilets 55 Franken pro Kilo für Importware. Wir können für diesen in der Schweiz produzierten Fisch ebenfalls einen interessanten Preis anbieten.» Ihr Ziel ist es, als zentraler Ansprechpartner von mehreren Fischproduktionsanlagen – mit derselben Philosophie – am Markt aufzutreten.

Die Unternehmer sehen diesen Betriebszweig als Herausforderung und wollen ihn fortlaufend ausbauen und optimieren. Sie befinden sich in einem «Learning by doing»-Prozess. In einer ersten Phase geht es Thomas Muri und Reto Kaufmann um die Produktion und die Vermarktung. Einen nächsten Schritt weisen sich aber nicht von der Hand: «Eine eigene Zucht kann für uns durchaus zu einem Thema werden», so die künftigen Fischwirte.