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Schon vor dem Betriebsstart: Adligenswiler Pflegezentrum braucht Finanzspritze

Da der Gemeinderat die Auslastung des neuen Pflegezentrums Riedbach massiv überschätzt hat, muss die Gemeinde jetzt zusätzliches Geld in den Betrieb einschiessen. Die FDP fordert eine unabhängige Untersuchung.
Christian Glaus und Hugo Bischof
Das neue Pflegezentrum Riedbach in Adligenswil. (Bild: PD)

Das neue Pflegezentrum Riedbach in Adligenswil. (Bild: PD)

Die gemeindeeigene Pflegezentrum Riedbach AG in Adligenswil wird am 5. Februar den operativen Betrieb aufnehmen und die ersten Bewohner begrüssen. Doch schon jetzt zeigt sich, dass die finanzielle Situation alles andere als rosig ist. Sah der Businessplan ursprünglich Investitionen von 3,25 Millionen Franken in die Betriebseinrichtungen vor, belaufen sich diese nun gemäss Offerten auf 4,5 bis 5 Millionen, wie der Adligenswiler Gemeinderat mitteilt. Dies führt zu jährlichen Abschreibungen von bis zu 425'000 Franken statt der geplanten 280'000 Franken.

Auch die erwartete Bettenauslastung von 82 Prozent im ersten und 98 Prozent im zweiten Betriebsjahr können nicht erreicht werden. Aktuell geht man von einer Auslastung von 62 Prozent respektive 85 Prozent ab dem zweiten Betriebsjahr aus.

Das Pflegeheim im Alters- und Gesundheitszentrum Riedbach bietet 56 stationäre Pflegebetten an. Die tiefe Belegung ist gemäss dem Adligenswiler Finanzvorsteher Pascal Ludin (SP) das Hauptproblem für die Finanzlücke:

«Wir haben in den ersten Betriebsjahren kleinere Defizite erwartet, wie bei neuen Zentren üblich. Dass sie aber viel höher ausfallen als vorgesehen, hat uns schon überrascht.»

War die Planung zu optimistisch, gar naiv? «Nein», sagt Ludin. «Wir haben in der Vorbereitungsphase zwei Beratungsfirmen engagiert. Sie haben die Betriebspläne erstellt, überprüft und uns positive Rückmeldungen gegeben.» Die Pläne seien zudem öffentlich aufgelegen. Und der Kanton Luzern habe den Bedarf für die 56 Pflegeplätze anerkannt.

«Wir haben zusätzlich im Vorfeld alle Adligenswilerinnen und Adligenswiler kontaktiert, die heute in Pflegezentren in der Region wohnen», so Ludin. «Wir versuchten sie zu überzeugen, ins Pflegezentrum Riedbach zu wechseln.» Das sei leider nur bei zwei Personen gelungen. «Das war eine Fehleinschätzung», räumt Ludin ein. «Ein Umzug ist aufwendig, zudem ist die Eingewöhnungsphase schwierig.» Enttäuscht ist Ludin dennoch:

«Viele Adligenswilerinnen und Adligenswiler argumentierten in der Vergangenheit stets, es sei ein Skandal, dass wir kein eigenes Pflegezentrum haben. Jetzt, wo wir ein solches bauten, will niemand einziehen.»

Um die finanzielle Situation zu verbessern, hat der Gemeinderat bereits diverse Massnahmen ergriffen. So wurden bei den Investitionen in die Betriebseinrichtungen Abstriche gemacht, damit diese die Grenze von 4 Millionen Franken nicht überschreiten. Weiter wurden der Stellenplan gestrafft und die Aufenthaltstaxe von 175 auf 179 Franken erhöht. Damit liegt man weit über dem kantonalen Durchschnitt von rund 155 Franken.

Schreckt man damit nicht weitere potenzielle Bewohner ab? «Das glaube ich nicht», sagt Ludin. «Mit 179 Franken liegen wir bei neu erstellten Pflegezentren im vergleichbaren Rahmen.» Einen positiven Schub erhofft sich der Gemeinderat vom Tag der offenen Tür am 2. Februar. «Potenzielle Bewohner wollen ein neues Zentrum zuerst sehen, bevor sie dort einziehen.»

Verlust von fast 2 Millionen

Der Gemeinderat geht heute davon aus, dass das Pflegezentrum bis 2026 einen Verlust von insgesamt mindestens 1,9 Millionen Franken schreiben wird, sofern sich die Zahlen gemäss Finanzplan entwickeln. Das erste positive Ergebnis wird im Jahr 2022 erwartet. «Dieser Umstand und die höheren Investitionen führen zu einem Finanzierungsbedarf von mindestens 6,6 Millionen Franken», sagt Ludin.

Dies entspreche einer Differenz von 2,2 Millionen gegenüber der Abstimmungsvorlage vom 28. Februar 2016. «Weiter müssen zur kurzfristigen Sicherstellung der Liquidität Überbrückungskredite in Form eines festen Vorschusses vorgesehen werden.»

FDP verlangt Aufarbeitung

Nun sollen die Adligenswiler an der Urnenabstimmung vom 19. Mai über eine Aktienkapitalerhöhung entscheiden. Wie hoch diese sein wird, ist noch offen. Damit die Liquidität bis dahin gesichert ist, hat der Gemeinderat in Eigenregie Geld zugesichert. Das Darlehen der Gemeinde wird um 0,8 auf 3,7 Millionen Franken erhöht. «Somit ist gewährleistet, dass die Mehrinvestitionen gedeckt sind und der operative Betrieb Anfang Februar aufgenommen werden kann», so Ludin. «Der grösste Teil der zusätzlichen Finanzmittel der Gemeinde sind Darlehen, die innerhalb von sieben Jahren zurückbezahlt werden müssen», betont Ludin.

Die FDP Adligenswil nimmt mit «sehr grosser Besorgnis» zur Kenntnis, dass die Pflegezentrum Riedbach AG überraschend in einer Finanzkrise steckt und nur mit Sofortmassnahmen vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden konnte. Die FDP habe sich stets sehr kritisch zum Projekt geäussert. Nun haben sich die Bedenken bestätigt. Offensichtlich habe das Controlling versagt, teilt die Partei mit. Die FDP eine «lückenlose Aufarbeitung im Rahmen einer unabhängigen Untersuchung». Nach Abschluss der Untersuchungen erwartet die Partei, dass die verantwortlichen Personen die Konsequenzen tragen.

Auch die CVP äussert sich kritisch. Deren Präsident Joseph Durrer sagt, es sei störend, «dass die Parteien nicht bereits im Budgetprozess 2019 über die Finanzengpässe der Pflegezentrum Riedbach AG informiert wurden». Es sei fraglich, ob der Verwaltungsrat «seinen Pflichten nachgekommen ist – auch bezüglich öffentliche Information».

«Sehr unglücklich über die jetzige Situation» ist auch die SVP Adligenswil. Deren Co-Präsident Markus Gabriel betont: «Wir haben schon zu Beginn der Planung gesagt, dass der Aufwand, ein solches Pflegeheim zu führen, zu gross ist.» Es gelte jetzt, seriös abzuklären, was zur schwierigen finanziellen Lage geführt habe.

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