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SCHONGAU: Barthaare in Kirche verewigt

Vor über 90 Jahren wurde der Grundstein für die Pfarrkirche St. Ulrich gelegt. Dieser hütet ein kurioses Geheimnis.
Manuela Liem
In der 90-jährigen Kirche St. Ulrich in Schongau gibt es viel zu entdecken. (Bild Pius Amrein)

In der 90-jährigen Kirche St. Ulrich in Schongau gibt es viel zu entdecken. (Bild Pius Amrein)

Er hat für diese Kirche gekämpft und schussendlich gewonnen: Pfarrer Franz Fessler. Dank seines Einsatzes darf die Kirche St. Ulrich in Schongau dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiern.

«Der Neubau war nötig, denn die alte Kirche war viel zu klein und die Holzkonstruktion morsch», sagt der heutige Pfarreileiter Christoph Beeler-Longobardi. 1913 liess Pfarrer Fessler darüber abstimmen, ob er sich den Platz für die Kirche vom damaligen Pfarrer von Weggis schenken lassen dürfe. Die anwesenden Schongauer sprachen sich fast einstimmig dafür aus. Im Alleingang begann Pfarrer Fessler, bei Verwandten und Freunden Geld zu sammeln. Ganze 100 000 Franken brachte er zusammen. Damit kaufte er 300 000 Backsteine, die vergünstigt angeboten wurden. Diese transportierte er mit Hilfe verschiedener Bauern bis zum vorgesehenen Bauplatz im Zentrum von Mettmenschongau. Bereits damals waren die Pläne für die Kirche fertig, sogar eine Postkarte der zukünftigen Kirche existierte. Wegen des Ersten Weltkriegs musste der Baustart allerdings verschoben werden.

Pfarrer nutzte sein Ansehen aus

1922 wurde der Bau endlich eingeleitet. Die Dorfbewohner spendeten verschiedene Bestandteile der Kirche, die mit einer Widmung versehen wurden. Besonders bei den Fenstern und Bildern ist das noch immer gut sichtbar. Dies war nicht die einzige Aktion, mit der der Pfarrer günstig an Materialien kommen wollte. Er hatte den Plan, ein Waschhaus und eine Kapelle abzureissen, um das Baumaterial weiterzuverwenden. Die Schongauer konnten sich jedoch dagegen wehren.

Im April 1923 wurde der Grundstein gelegt. Für die nachfolgenden Generationen verstaute man darin wie üblich Fotos und andere Zeitzeugnisse in einem Apothekerglas – und ausserdem Barthaare des Pfarrers. Jemand hatte sich wohl einen Scherz erlaubt.

Neben der Kirche verlangte der Pfarrer ebenfalls die Errichtung eines Pfarrhauses. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. «Er war ein angesehener Pfarrer. Das nutzte er aus», sagt Beeler. Wenn er kein Pfarrhaus bekäme, würde er die Gemeinde verlassen, sagte damals Pfarrer Fessler. In einer weiteren Angelegenheit wollte er seinen Willen durchsetzen: Über der Eingangstür der Kirche sollte eine Statue des Namenspatrons St. Ulrich aufgestellt werden. Die Gemeinde wollte dies jedoch vertagen. Fessler befürchtete, dass die Statue nie eingesetzt würde, wenn man es nicht sofort machte. Eine Statue gab es schliesslich – aber keine von St. Ulrich sondern eine Marienstatue. Wie es dazu kam, ist nicht bekannt. Die Figur wurde nach Überlieferung von «Frauen und Jungfrauen» der Gemeinde gespendet. «Das könnte ein Grund sein», sagt Beeler.

Alter Stil mit modernen Elementen

Die Kirche St. Ulrich ist eine der letzten im Kanton Luzern erbauten neubarocken Kirchen, weist aber auch moderne Elemente auf. So wurde sie aus Backsteinen gebaut und der Turm aus Beton. Das Kirchenschiff hat statt eines hölzernen Dachstuhls ein Stahlgerüst, das gleich konstruiert ist wie das einer Brücke: Auf der einen Seite ist es fixiert, auf der anderen hat es Rollen, sodass die Kirche nicht auseinanderbricht, wenn sich der Stahl durch Wärme ausdehnt. Auf Wunsch von Pfarrer Fessler ist sogar das Ewige Licht moderner als in anderen Kirchen. Es ist elektrisch. «Inzwischen haben wir aber noch ein authentisches Ewiges Licht angeschafft, um das Osterfeuer weiterbrennen zu lassen», sagt Beeler.

Anlässlich des 90. Geburtstags findet heute ein Gottesdienst statt, in dem fünf Personen verschiedenen Alters von ihren Erlebnissen mit der Kirche erzählen. Bis am 2. August ist zudem eine Ausstellung in der Kirche zu sehen. Es gibt Plakate mit Informationen, Bilder, ein Xylofon, um die Töne der Kirchenglocken nachzuspielen und eine Attrappe des Apothekerglases. Nur die originalen Barthaare werden weiter im Grundstein versteckt bleiben.

Manuela Liem

Die bereits erschienen Artikel der Serie «Kirchen im Kanton Luzern» finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien

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