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SCHONGAU: Noch immer mahlt der Müller auf «seiner» Mühle

Vor knapp 800 Jahren wurde die «alte Mühle» erstmals erwähnt. Bis heute wird damit Dinkelmehl hergestellt. Dass diese Rarität überlebt hat, verdankt sie vor allem einem Mann.
In seinem Element: Josef Müller (74) in der historischen Mühle im Schongiland. Bild: Dominik Wunderli (Schongau, 21. Oktober 2016)

In seinem Element: Josef Müller (74) in der historischen Mühle im Schongiland. Bild: Dominik Wunderli (Schongau, 21. Oktober 2016)

Josef Müller (74) dreht den Schalter auf Start. Das Kammrad mit seinen 165 Zähnen und einem Durchmesser von 270 Zentimetern beginnt sich zu drehen. Erst langsam, dann schneller. Nachdem die Betriebstemperatur erreicht ist, kippt Müller Dinkelkorn über das Mehlrohr ein. Das klappernde Geräusch des Mahlsteins ist unüberhörbar. Kurze Zeit später zeigt der ehemalige Unter­nehmer mit sichtlichem Stolz das auf der mittlerweile «einzigen sich noch in Betrieb befindenden Steinmühle des Kantons», wie er betont, erzeugte Dinkelmehl.

Dass das Mühlengeschirr, so nennt Müller die Einrichtungen, nach wie vor seinen Dienst versieht, war eine Herausforderung der speziellen Art: Die bereits 1255 als Besitz des Stiftes Beromünster erwähnte Mühle wurde 1886 stillgelegt. Zwar stand sie während des Ersten Weltkriegs nochmals kurzzeitig in Betrieb, 1968 fand jedoch der Abbruch statt. Danach verflossen mehr als 20 Jahre, bis das defekte Mühleninventar am 21. August 1989 auf den heutigen Platz im Schongiland transportiert wurde. «Lange hatte ich die Idee, im alten Schulhaus ein Dorfmuseum einzurichten», sagt Müller. Doch nur die Mühle zusammenstellen, ohne darauf zu mahlen, war für ihn letztlich keine Option.

Werk in Betrieb halten: «Fast wie eine Droge»

Der 74-Jährige hatte andere Pläne und fällte einen mutigen Entscheid: Ein neues Mühlengebäude sollte entstehen. Und zwar aus Altholz mit Mühlenstube und Estrich und in derselben Grösse wie das alte. Müller kaufte für wenige tausend Franken das Geschirr. Entscheidend zur Wiederinstandstellung trugen Mühlenbauspezialist Dölf Gähwiler aus Schiers und Wagnermeister Eligius Furrer, Bettwil, bei. «Ohne sie wäre die Umsetzung nie möglich gewesen», so Müller. 1991 – und somit pünktlich zur CH 91 (700 Jahre Eidgenossenschaft) – war die Mühle wieder in Betrieb.

Der Rentner, der aber kaum im Ruhestand verweilt, steckt nach wie vor viel Schaffenskraft, Leidenschaft und Herzblut in «seine» Mühle. Er sei ein Tüftler, sagt er. Andere wiederum würden ihn ihm einen «Spinner» sehen. Auch damit kann er leben. Das Werk in Betrieb zu halten, ist für ihn «fast wie eine Droge». Und für den Mann, der sich früher mit alten Traktoren und Autos beschäftigte, ist die Mühle nunmehr zum «Rolls-Royce» geworden.

Da es für das Mühlengeschirr schon längst keine Ersatzteile mehr gibt, ist auch hier der Tüftler gefragt. «Wir müssen alles selber reparieren oder wieder herstellen.» So beispielsweise, als «Dölf» nicht mehr redete. Der Müller-Roboter, dessen Stimme ihm Mühlenbauer Dölf Gähwiler lieh und deswegen er so benannt wurde, gibt den Besuchern einen anschaulichen Abriss zur Geschichte und den jeweiligen Produktionsschritten. Zudem wird bei Bedarf auch gemahlen. Ob bei Firmenevents oder einer Klassentagung: Er habe schon mit Schulklassen nicht nur Dinkelmehl produziert, sondern anschliessend auch Brot gebacken.

Doch woher kommt diese «Mühlenromantik»? Es könne sein, dass sie in seiner Jugendzeit schon Wurzeln geschlagen habe, mutmasst er. Einerseits hat Josef Müller bis zum 10. Lebensjahr in der «Nebenmühle» mit grossem Weiher in Niederschongau gewohnt. Sie war damals zwar schon lange stillgelegt. Aber die Wasserkanäle, Steine, Antriebsräder und Gerätschaften existierten noch. «Dort spielte ich oft mit meinen zehn Geschwistern ‹Versteckis›.»

Der Verein «Freunde der alten Mühle Schongau» sorgt nun seit 20 Jahren dafür, dass die Zeugnis alter Mühlenbautechnik auch in Zukunft zweckentsprechend gesichert ist. Momentan zählt er zirka 120 Mitglieder. Mit rund 35000 Franken haben sie das Werk bisher unterstützt. Zudem präsidiert seit 2005 mit Moritz Hübscher ein ehemaliger Schulkollege Müllers den Verein.

Allerdings noch nicht sichergestellt ist, wie es nach ihm mit der Mühle in Schongau weitergeht. Er hofft, dass eines der acht Grosskinder in seine Fussstapfen tritt. Jessica habe sich bereits als Vierjährige interessiert. Er hoffte, sie würde Bäckerin lernen. Heute ist sie Krankenschwester. Müller sagt aber: «Es ist mein grosser Wunsch, dass sie einsteigt.»

Hinweis

Angaben zur Mühle Schongau unter: www.schongiland.ch

Ernesto Piazza

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