Einsprecher fürchten Abriss ihrer Häuschen: Die Schrebergärten im Eschenbacher Moos kommen vors Volk

Eschenbach stimmt über neue Zonen im Moos ab. Nun wehren sich Einsprecher gegen den Abriss ihrer Häuschen.

Niels Jost
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Das Häuschen von Einsprecherin Karin Anderhub: Dieses muss sie wohl redimensionieren.

Das Häuschen von Einsprecherin Karin Anderhub: Dieses muss sie wohl redimensionieren.

Bild: Karin Anderhub

Es herrscht Wildwuchs bei den Schrebergärten im Eschenbacher Moos – nicht in den Gärten selber, sondern bei der Einhaltung des dortigen Zonenplans. Über die Jahre sind auf den rund 50 Parzellen Dutzende Gärten angelegt und kleinere wie auch stattlich ausgebaute Häuschen errichtet worden. Ein Traum für Familien, Pensionäre und Hobbygärtner – aber ein Graus für Raumplaner. Denn ein Teil der Schrebergärten befindet sich in der Naturschutz- oder Landwirtschaftszone. Zudem wurden nicht alle Bauten mit einer gültigen Baubewilligung erstellt.

Nun möchte der Gemeinderat rechtliche Klarheit schaffen. Am 28.Juni können die Eschenbacher Stimmbürger über den angepassten Zonenplan sowie das neue Bau- und Zonenreglement abstimmen. Geplant ist, dass einige Bauten, welche sich heute in der Naturschutz- oder Landwirtschaftszone befinden, neu in die Familiengartenzone eingegliedert werden. Für bis dahin nicht bewilligte Bauten muss nachträglich ein entsprechendes Baugesuch eingereicht werden. Auch sämtliche baubewilligte Gebäude, welche vorschriftsgemäss erstellt worden sind, müssen nicht rückgebaut werden.

Doch nicht alle Häuschen können stehen bleiben. Vom Abriss bedroht sind jene Bauten, bei denen eine gültige Baubewilligung fehlt und die in der künftigen Rand-, Wald- oder Naturschutzzone stehen.

Betroffene ist «schockiert» über drohenden Rückbau

Betroffen ist etwa Silvia Burri. Ihre Familie besitzt seit 1973 eine 7225 Parzelle am Waldrand, mit grosser Schafweide, Gärten und Häuschen. Als die Teilzonenplanrevision vor fast vier Jahren zum Thema wurde, glaubte die Krienserin nicht an einen Rückbau. «Als uns die Nachricht erreichte, waren wir schockiert», sagt sie. Daher habe sie eine Einsprache eingereicht, genauso wie zwei ihrer Pächter. Burri: «Ich bin bereit, einen Teil meiner Parzelle in die Randzone abzugeben. Die Gärten sollen jedoch in der Familiengartenzone bleiben.» Ihre Pächter Karin Anderhub und Walter Küng schreiben in ihrer gemeinsamen Einsprache, dass sie keinen Handlungsbedarf für eine Umzonung sehen, nachdem in den vergangenen Jahrzehnten keine Massnahmen umgesetzt worden seien. Zudem würden sie auf der Parzelle mit viel Herzblut gärtnern, zu den Tieren schauen und für den Schutz der Natur sorgen.

Der Gemeinderat beantragt den Stimmberechtigten, beide Einsprachen abzulehnen. Benno Fleischli, zuständig für das Ressort Umwelt und Sicherheit, kann die emotionale Bindung zum eigens aufgebauten Idyll zwar verstehen. «Die übergeordnete Gesetzgebung verlangt aber eine Anpassung des Zonenplans», sagt der FDP-Politiker.

Fleischli hebt zudem hervor, dass mit der Teilzonenplanrevision mehr Personen ihr Häuschen behalten können, als mit den bestehenden Plänen und Verordnungen. Schliesslich würden gewisse Parzellen, die heute in der Naturschutzzone stehen, künftig in die Familiengartenzone umgezont.

Neu dürften die Häuschen ein bisschen grösser sein

Weiter sind gemäss Fleischli mit der neuen Verordnung zum Schutz und zur Nutzung des Eschenbacher Mooses (VEM) grössere Bauten erlaubt. Gemäss gültiger Verordnung dürfen die Häuschen nur eine Fläche von sechs Quadratmetern beanspruchen. Neu sind Bauten auf 13 Quadratmetern möglich. «Die Vorlage hat in der Summe für mehr Personen Vorteile», bilanziert Fleischli.

Doch was ist mit Personen wie Silvia Burri, die ihre Häuschen auf einen Schlag verlieren? Für alle nicht zonenkonform erstellten Bauten bestehe die Möglichkeit, solche in der neuen Familiengartenzone zu erwerben. «Dabei müssen sich die Hobbygärtner allerdings selber organisieren», sagt Fleischli. «Dies ist nicht Aufgabe der Gemeinde.» Interessierte könnten sich jedoch bei der Gemeinde melden, die das Anliegen den Grundeigentümern in der Familiengartenzone weiterleiten würde.

Sollte am 28. Juni ein Ja resultieren, muss der Luzerner Regierungsrat die Teilzonenplanänderung sowie die neue VEM bewilligen. Letztere lag bereits öffentlich auf und kommt nicht mehr vors Volk.