Schülertheater
Schillers «Räuber» werden im Ebikoner Gymnasium St. Klemens weiblich

Das Theater überzeugt mit einer modernen, facettenreichen Version des Literaturklassikers. Zuschauen geht – allerdings nur digital.

Yvonne Imbach
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Das Freifach Theater am Gymnasium St. Klemens in Ebikon haben in diesem Schuljahr zehn Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren gewählt. Unter professioneller Regieanleitung von Dieter Ockenfels führt das Ensemble das anspruchsvolle Jugendstück «Räuber. Schiller für uns» in der Aula auf. Besucht werden dürfen die Aufführungen zwar nur von den Klassen des Gymnasiums, aber die Videoaufzeichnung ist ab Freitag öffentlich abrufbar über die Website des Gymnasiums.

Szene aus dem Theaterstück «Räuber. Schiller für uns» am Gymnasium St. Klemens.

Szene aus dem Theaterstück «Räuber. Schiller für uns» am Gymnasium St. Klemens.

Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 8. Juni 2021)

«Die Räuber» von Friedrich Schiller kennt zumindest dem Namen nach jeder. Als gelbes Reclam-Heftchen hatten viele die Schullektüre schon in der Hand. Das Image des Literaturklassikers dürfte als angestaubt gelten. Spannend, wie Autorin Marlene Skala in ihrer modernen Version die Geschlechter getauscht hat.

Es kommt zu Raub, Erpressung und Totschlag

Marlene Skala projiziert in ihrem Stück Schillers Drama in die heutige, digitale Zeit. Aus den verfeindeten Brüdern Moor werden zwei sich bekriegende Schwestern und aus der Räuberbande eine Mädchen-Gang. Anführerin ist Charlotte Moor. Die Girls und ein Mann, IT-Nerd «ET», hausen in einer leeren Lagerhalle, fernab von Zwängen und Zivilisation. Ein Teil von ihnen ist bemüht, seine Ideale und Träume zu verwirklichen, die anderen wollen nur rasch ans schnelle Geld, dies durchaus auch mit kriminellen Mitteln. Schliesslich führt die angespannte Finanzlage zu Raub, Erpressung und sogar Totschlag.

Szene aus dem Theaterstück «Räuber. Schiller für uns» am Gymnasium St. Klemens.

Szene aus dem Theaterstück «Räuber. Schiller für uns» am Gymnasium St. Klemens.

Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 8. Juni 2021)

Parallel dazu blickt man in das Wohnzimmer der Familie Moor, wo Charlottes Vater und Schwester eigene Kämpfe führen. Es geht um Ablösung, unerfüllte Erwartungen, Eifersucht und Wut. Die facettenreiche Inszenierung verzichtet auf ein aufwendiges Bühnenbild. Vielmehr werden Handlung und Bühne durch die starke Präsenz der einzelnen Akteure ausgefüllt. Sie agieren konzentriert und stellen die Stärken und Schwächen des jeweiligen Charakters glaubhaft dar. Regisseur Dieter Ockenfels ist zurecht sehr zufrieden:

«Wir hatten grossen Spass. Das Stück richtet sich eindeutig an die Jugendlichen.»