SCHÜPFHEIM: 20'000 Zuschauer und 2000 Musikanten trotzten der Hitze

Pralle Sonne, knappe 30 Grad und eine dicke Uniform: Trotz erschwerter Bedingungen begeisterten die 22 Formationen auch am Sonntag das Publikum. Einen kühlen Kopf behielt man dank der Helfer.

Natalie Ehrenzweig
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Die Musikgesellschaft Menzberg beim Einstehen. (Bild: Pius Amrein (Schüpfheim, 28. Mai 2017))

Die Musikgesellschaft Menzberg beim Einstehen. (Bild: Pius Amrein (Schüpfheim, 28. Mai 2017))

Natalie Ehrenzweig

kanton@luzernerzeitung.ch

«Etwas kühler dürfte es schon sein», meint Michael Vogel (23). Gerade kommt er mit seinen Kollegen der Feldmusik Schwarzenbach aus dem grossen Zelt auf den Festplatz vor dem Entlebucherhaus in Schüpfheim. Dort herrschen knappe 30 Grad – auch der zweite und letzte Teil des Kantonal-Musiktags ist am Sonntag bei strahlendem Wetter über die Bühne gegangen.

Wenn die Sonne so vom Himmel knallt und schon die Zuschauer vor der Hitze in jedes bisschen Schatten fliehen, wie müssen sich dann die Musikerinnen und Musiker der verschiedenen Formationen fühlen? «Die Hitze lenkt schon ein bisschen ab, man schwitzt auch die ganze Zeit», sagte etwa Rebekka Schwegler (16), gleich nachdem sie mit der Musikgesellschaft Schlierbach die Parade gelaufen war. «Das Schwierigste ist, gut zu spielen, das Piano und Forte richtig zu machen und dabei noch gerade zu laufen», erzählte Schwegler, während sie so schnell wie möglich ihre Jacke auszog. Zweimal in der Woche habe sie vor dem Musiktag geprobt und täglich daheim geübt. «Der Musiktag ist super organisiert», betonte die Kornett-Spielerin.

Auf Rollschuhen die Jury bedienen

Auch Felix Baumgartner (55), Fähnrich bei der Feldmusik Schwarzenbach, war zufrieden: «Der Vortrag war sehr gut und der Bericht auch. Jetzt müssen wir noch die Parade laufen.» Die Parade, die am Samstag und Sonntag stattfand, ist Teil des Wettbewerbs. Während dieser zeigte sich, wie gross der organisatorische Aufwand für einen solchen Anlass ist. So fuhren die Helfer, welche die Expertenblätter zum Jurywagen brachten, auf Rollschuhen, um den zeitlichen Ablauf einzuhalten. Über 1300 Freiwillige standen am Wochenende im Einsatz. Laut OK-Präsident Raymond Studer waren 20'000 Zuschauer zugegen. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Anlass», bilanzierte er. «Das Wetter, das musikalische Niveau, die Organisation – alles war hervorragend.»

Die Brassband Feldmusik Nottwil während der Parademusik am Sonntag durch Schüpfheim. (Bild: Pius Amrein)
34 Bilder
Die Schonger Musig während der Parademusik. (Bild: Pius Amrein)
MG Hohenrain während der Parademusik (Bild: Pius Amrein)
Ein Juror inspiziert Musikanten der MG Menzberg. (Bild: Pius Amrein)
Ausrichten bitte: Ein Musikant der MG Menzberg. (Bild: Pius Amrein)
Ein Juror beobachtet die MG Schlierbach. (Bild: Pius Amrein)
Eine Musikantin der MG Menzberg (Bild: Pius Amrein)
Eine Musikantin der MG Menzberg (Bild: Pius Amrein)
Dirigent Benedict Zemp von der MG Menzberg nimmt Mass. (Bild: Pius Amrein)
Bei der MG Menzberg muss alles sitzen. (Bild: Pius Amrein)
Dirigentin Emerita Blum-Duss von der MG Beromünster nimmt Mass. (Bild: Pius Amrein)
Die MG Beromünster beim Einstehen für die Musikparade. (Bild: Pius Amrein)
Die MG Beromünster beim Einstehen für die Musikparade. (Bild: Pius Amrein)
Knapp 30 Grad heiss war es am Sonntag in Schüpfheim. (Bild: Pius Amrein)
Die MG Oberkirch beim Einstehen für die Parademusik. (Bild: Pius Amrein)
Die Feldmusik Hellbühl während der Parademusik. (Bild: Pius Amrein)
Die Feldmusik Hellbühl während der Parademusik (Bild: Pius Amrein)
Eine Musikantin der Brassband Feldmusik Marbach unter Leitung von Kobi Banz. (Bild: René Meier)
Ehrendame der Feldmusik Marbach (Bild: René Meier)
Eine Querflötistin der Feldmusik Wolhusen (Bild: René Meier)
Musikanten der Brassband Frohsinn Grosswangen (Bild: René Meier)
Die Feldmusik Hellbühl marschiert durch Schüpfheim. (Bild: René Meier)
Die MG Ufhusen auf der Parade. (Bild: René Meier)
Konzentriert sich auf den Takt: Ehrendame der Harmonie-Musik Marbach.
Die MG Beromünster posiert für ein Erinnerungsfoto. (Bild: René Meier)
Musikanten so weit das Auge reicht. (Bild: Pius Amrein)
Musikanten auf dem Weg zum Auftritt am Samstag. (Bild: Pius Amrein)
Die Musik-Gesellschaft Aesch-Mosen beim Gruppenbild nach ihrem Vortrag - bobachtet durch andere Musikantinnen und Musikanten. (Bild: Pius Amrein)
Bild: Pius Amrein
Warten vor dem Vortragslokal Moosmättili. (Bild: Pius Amrein)
Die Musik-Gesellschaft Littau nach ihrem Vortrag im Moosmättili. Im Vordergrund die Jury auf dem Gerüst. (Bild: Pius Amrein)
Die Musik-Gesellschaft Littau nach ihrem Vortrag im Moosmättili; die Jury im Vordergrund. (Bild: Pius Amrein)
Die Musik-Gesellschaft Aesch-Mosen konzertiert. (Bild: Pius Amrein)
Die Musik-Gesellschaft Littau nach ihrem Vortrag. (Bild: Pius Amrein)

Die Brassband Feldmusik Nottwil während der Parademusik am Sonntag durch Schüpfheim. (Bild: Pius Amrein)

Für den Anlass hatte sich Schüpfheim herausgeputzt. Die Wege zu den Vortragslokalen, dem Festareal und den WCs waren bestens ausgeschildert, und der Speaker machte mehrmals darauf aufmerksam, dass gratis Sonnencreme ausgehändigt wird. Und selbst wer entlang der Paradestrecke stand, musste nicht verdursten: Die Helfer verkauften auch zu Fuss Getränke. Dabei mussten sie die Zuschauer nicht einmal beim Musikhören stören, denn erst wenn eine Formation die Parade fertig abgelaufen hatte, ging die nächste los. Da blieb genug Zeit für einen Schwatz zwischendurch. Denn am Musiktag trifft man alte Bekannte; «jo lueg au do» war ein vielgehörter Satz.

Trotz Hitze grosse Konzentration

Trotz sommerlicher Ausgelassenheit: Wenn sich eine Formation bereitmachte, herrschte vollste Konzentration. Etwa bei der Musikgesellschaft Ufhusen: Mit Präzision wurde der Tambourmajor-Stab in die Höhe gestreckt, synchron begannen die Musiker zu marschieren und spielten «Jour du fête». Und die Jurymitglieder sassen nicht nur im Jurywagen, sondern waren auch auf der Paradestrecke unterwegs und notierten mit strengem Blick Punkte und Bemerkungen. Dem Publikum hats gefallen: Es wurde geklatscht, fotografiert und gefilmt.

Auch Esther Sigrist (31) aus St. Erhard schaute die Parade mit ihren Kindern und unterstützte ihren Mann, der bei der Musikgesellschaft Knutwil mitspielte. «Ich war schon oft selber an einem Musiktag. Doch zurzeit mache ich eine Kinderpause», sagte die Klarinettistin. Sie vermisse den Vereinszusammenhalt, wenn man so etwas zusammen erlebe, sehr. «Doch ich erinnere mich auch, wie wahnsinnig heiss es beim Einstehen in den schwarzen Schuhen war.»