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SCHÜPFHEIM: Alte Wörter erscheinen ihm im Traum

Josef Röösli geht selten ohne Notizblock aus dem Haus. Er sammelt Entlebucher Mundartwörter.
Cyril Aregger
Josef Röösli (83) hat mehr als 4000 Mundart-Wörter aus dem Entlebuch gesammelt. Nun hat er ein Buch mit den Ausdrücken veröffentlicht. (Bild Eveline Beerkircher)

Josef Röösli (83) hat mehr als 4000 Mundart-Wörter aus dem Entlebuch gesammelt. Nun hat er ein Buch mit den Ausdrücken veröffentlicht. (Bild Eveline Beerkircher)

Cyril Aregger

Über 4000 Wörter hat Josef Röösli-Balmer im Verlaufe der Jahre gesammelt. Wörter aus dem Entlebuch – von A wie Aabee (WC) über L wie Länderböde (Holzsandalen) bis Z wie Zwinglinööter. (Trotzkopf). Seine Sammlung veröffentlicht der pensionierte Lehrer, dem man seine 83 Jahre bei weitem nicht ansieht, nun im Buch «Wimmer so redt». Heute Abend wird es in Schüpfheim vorgestellt (siehe Hinweis).

Angefangen hat Rööslis Sammelleidenschaft bereits vor rund 45 Jahren. «Ich unterrichtete im Schulhaus Klusen in Schüpfheim, und wir nahmen das Thema ‹Köhlerei am Napf› durch», erinnert sich Röösli. «Da bemerkte ich, dass fast die Hälfte der rund 40 Schüler mit dem Wort ‹Müsele› – also meterlange Tannen- oder Buchenscheite – nichts anfangen konnten.» Diese Erfahrung hat ihn dazu gebracht, alte Mundartwörter aus dem Entlebuch zu sammeln und aufzuschreiben. Zunächst von Hand, später mit der Schreibmaschine.

Wunsch von Heimweh-Entlebuchern

Jahrelang sammelte Röösli, unterstützt von seiner Frau Marlis, ebenfalls eine gebürtige Schüpferin, Entlebucher Mundartwörter. Die Seiten füllten sich eng beschrieben. An eine Veröffentlichung dachte er jedoch lange nicht. Bis 2001 der damalige Amtsgerichtspräsident Walther Unternährer auf ihn zukam. «Er sagte, er brauche meine Wörtersammlung für die nächste Ausgabe ‹Blätter für Heimatkunde aus dem Entlebuch›», erzählt Röösli.

Die Sammlung wurde publiziert und stiess auf so grosse Nachfrage, dass die rund 90 Seiten danach als eigenes Büchlein aufgelegt wurden. Heute ist es längst vergriffen, vergessen wurde es jedoch nicht. «Immer wieder erhielt ich Anfragen, meist von Heimweh-Entle­buchern, die merkten, dass ihre Kinder die Sprache der Eltern nicht mehr sprechen», sagt Röösli.

Zweite Auflage ist doppelt so gross

Also musste eine zweite Auflage her. Diese wuchs um mehr als die Hälfte, denn Josef Röösli sammelte immer weiter. «Systematisch habe ich das nie gemacht, es ist ja auch keine wissenschaftliche Arbeit im eigentlichen Sinne», erklärt er. «Aber wenn wir aus dem Haus gehen, haben wir eigentlich immer einen Notizblock dabei, falls wir wieder etwas Neues hören.» Das kann auf dem Weg zum Einkaufen sein, beim Spazieren, aber auch auf den Velotouren, die die Rööslis nach wie vor regelmässig unternehmen. Mit dem Sammeln wird er auch nach der Veröffentlichung des neuen Buches nicht aufhören. «Aber eine dritte Auflage werde ich wohl nicht mehr hinbekommen», meint Röösli ­lachend. Fertig werden kann so ein Werk sowieso nicht, ist er sich bewusst. Seine Sammlung erhebe deshalb auch bei weitem nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, betont Röösli. «Liest man heute Texte aus dem 19. Jahrhundert, wirkt das fast wie eine Fremdsprache. Das zeigt, dass unsere Sprache lebt. Es kommen immer wieder neue Wörter und Einflüsse hinzu. Und das soll auch so sein.»

Viele Entlebucher – und insbesondere Schüpfer – wissen um die Passion Rööslis, der gerne in Haus und Garten «wärchet». Sie kommen immer wieder mit neuen, alten Wörtern auf ihn zu. Aber es gibt noch einen anderen, ungewöhnlicheren Weg zu alten Wörtern, verrät Röösli: «Ich habe auch auf dem Nachttisch einen Notizblock. Denn wenn ich von Begebenheiten aus meiner Kindheit träume, kommen auch im Traum Wörter vor, die ich eigentlich schon fast vergessen habe. Diese muss ich dann schnell festhalten können.»

Egal, wie die Wörter ihren Weg ins Notizbuch gefunden haben: Mit dem Sammeln allein ist es nicht getan. «Manchmal ist es sehr schwierig, ein Wort halbwegs genau zu übersetzen oder zu umschreiben», sagt Röösli. Dann wird am Mittagstisch der Rööslis diskutiert und um eine möglichst passende Beschreibung des Wortes ge­rungen.

«Pääguhaarige Hutzercheib»

Auf die Frage, weshalb die Mundart so fasziniert, hat Josef Röösli eine klare Antwort: «Mundart ist einfach viel farbiger als das Schriftdeutsche. Gerade auch bei den ‹wüsten› Wörtern. Vor Jahren sagte ein Schüler zum anderen auf der Skipiste: ‹Du pääguhaarige Hutzercheib› (etwa: Du widerborstiger Kerl, Anm. d. Red.) – so schön kann man sich nur auf Mundart wüst sagen. Ich musste mir damals als Lehrer ein Lachen verkneifen.»

Redewendungen und Anekdoten

An Humor mangelt es Josef Röösli ganz gewiss nicht. Sein Buch ist durchsetzt von Sprüchen, Anekdoten und Redewendungen. Teils selbst erfunden, teils aufgeschnappt, teils zugetragen. Aber fast immer mit einem Augenzwinkern. Das liest sich dann zum Beispiel so:

Dr einzig vierbeinig Heilig hei si bi dr Auerheiligelätenei vergässe – dr «Heilige Stuhl». (Den einzigen vierbeinigen Heiligen haben sie bei den Anrufungen und Fürbitten an Allerheiligen vergessen – den Heiligen Stuhl.)

«Die Redewendungen helfen dabei, die Wörter im Kontext richtig zu verstehen. Sie zeigen, ‹wimmer so redt›», erklärt Röösli, ganz der Pädagoge. Um sogleich mit Schalk in den Augen hinzuzufügen: «Ich wollte keinen Duden machen. Das wäre ja zum Davonlaufen.»

Hinweis

«Wimmer so redt» von Josef Röösli-Balmer, 160 Seiten, 27 Franken (zuzüglich Versand), ISBN 978-3-907821-98-5. Zu beziehen bei der Druckerei Schüpfheim AG, Buchverlag, Vormüli 2, 6170 Schüpfheim. E-Mail: info@dsag.ch; Online: www.entlebucher-shop.ch. Buchvernissage heute Abend, 19.30 Uhr im Entlebucherhaus, Kapuzinerweg 5, Schüpfheim.

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