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SCHÜPFHEIM: Das ist die Frau hinter dem Jodlerfest

Bernadette Roos-Stadelmann hat Jodeln zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Dieses Wochenende wacht sie über 299 Vorträge – und freut sich auf ein ganz besonderes Ritual.
Monika Van De Giessen
Die Vollblut-Jodlerin Bernadette Roos-Stadelmann – hier vor ihrem Haus in Schüpfheim – ist Jury-Obfrau des Zentralschweizer Jodlerfestes. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Vollblut-Jodlerin Bernadette Roos-Stadelmann – hier vor ihrem Haus in Schüpfheim – ist Jury-Obfrau des Zentralschweizer Jodlerfestes. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Monika Van De Giessen

Sie ist Jury-Gesamtobfrau des 61. Zentralschweizerischen Jodlerfestes – Bernadette Roos-Stadelmann aus Schüpfheim. Die Mutter dreier erwachsener Kinder ist Jodlerin, Dirigentin, Hausfrau, Mutter, Grossmutter, Bäuerin, Jodelkursleiterin, Jodlercoach und Assistentin der Verlagsredaktion beim Entlebucher Anzeiger. Wie bringt sie all das unter einen Hut? Sie achte darauf, dass sie früh ins Bett komme, sagt Roos. «Ich brauche genügend Schlaf, nur so kann ich all meine Jobs gut bewältigen.»

Musikalisch vorbelastet

Das grosse Bild in der Küche, das über dem langen Tisch hängt, verrät weitere Hobbys der Jodlerin: Schwingen und Eishockey. Das Bild zeigt die Moggi-Zwillinge (Claudio und Sandro Moggi) von den SCL Tigers und Schwingerkönig Matthias Sempach. Bernadette Roos ist ein treuer Fan von Sempach. Eigentlich naheliegend, denn ihre Kollegin, die Vize-Dirigentin und Jodlerin des Jodlerklubs Schüpfheim, Heidi Jenny, ist die Lebenspartnerin des Schwingerkönigs.

Das eigentliche «Kerngeschäft» von Bernadette Roos ist jedoch nicht Sport, sondern das Jodeln. Die Musik und der Gesang wurden ihr quasi in die Wiege gelegt. «In unserer Familie wurde immer viel gesungen», sagt sie. Ihr Vater war Gründer des Jodlerchörlis Lehn (Gründungsjahr 1961).

Immer nur Bestnoten geholt

Seit 32 Jahren steht die gebürtige Escholzmatterin dem Jodlerklub Schüpfheim als musikalische Leiterin vor – und dies mit grossem Erfolg. Die «Schüpfer-Jodler» erreichten an Jodlerfesten in all den Jahren immer die Bestnote 1 (sehr gut). Nicht zuletzt ein Verdienst ihrer kompetenten Dirigentin.

Ihre Jodlerkarriere begann sehr früh. Als erst 17-Jährige übernahm Bernadette Roos die Leitung des Jodlerklubs Schratte-Hilferental. Eine tiefe Verbundenheit verbindet sie auch mit dem Äschlismatter Jodlerterzett – mehr als drei Jahrzehnte sang sie mit Schwester Annalies und Bruder Franz-Markus in diesem schweizweit bekannten Terzett. Während 32 Jahren war sie Jodlerin und Vizedirigentin des Jodlerchörlis Lehn.

Bei all diesem Engagement für die Jodlerei überrascht es nicht, dass auch ihre Kinder Michael (34), Susanne (32) und Christian (28) jodeln. Diese traten am Freitag als Jodlergruppe «5-Klang» am Jodlerfest vor einer Jury auf. Geleitet wird die Gruppe von Tochter Susanne Duss-Roos. Und auch deren Nachwuchs ist bereits in den Startlöchern: Die fünf Monate alte Enkelin Hanna habe bereits Gefallen am Jodeln, sagt Bernadette Roos. «Wenn ich ihr etwas vorsinge, dann spitzt sie ihren kleinen Mund, als wolle sie zu einem Jodel ansetzen.»

An ihr allererstes Jodlerfest kann sich Bernadette Roos gut erinnern. Vierzig Jahre ist es her, als sie 1976 zusammen mit ihrem Bruder, dem Komponisten, Dirigenten und Jodler Walter Stadelmann in Sarnen erstmals vor einer Jury auf der Bühne stand. Zusammen holten sie sich die Bestnote.

Am Jodlerfest in Schüpfheim nun wird Bernadette Roos selbst 30 Jodelvorträge als Jurymitglied bewerten. Insgesamt sind während des Fests 299 Jodelvorträge zu beurteilen. Die Einteilung aller Vortragenden sei jeweils eine besondere Knacknuss, sagt Roos. Diverse Spezialwünsche müssen berücksichtigt werden. Zudem müsse man aufpassen, dass es keine Zeitüberschneidungen gebe. Denn einige Jodlerinnen und Jodler treten im Chor, Einzel, im Duett, im Terzett oder im Quartett auf. Und der Akkordeonbegleiter ist oft auch an mehreren Fronten aktiv.

Und was ist für Jodelfachfrau ein guter Vortrag? «Ein Vortrag muss harmonisch rein sein. Das vorgetragene Lied soll «etwas erzählen», sagt die Expertin. Will heissen: Wenn jemand von der Liebe singt, soll es auch lieblich und freundlich klingen. Persönlich stelle sie sich nach einem Vortrag die Frage, ob das Lied sie berührt habe. «Das hat ­einen Einfluss auf die Benotung», so die Fachfrau.

Jurybericht: Neu unterschreiben alle

Aktive erhalten einige Wochen nach ihrem Auftritt den Festbericht. Darin steht, was gut oder weniger gut war. Früher wurde der Festbericht vom Juryleiter allein unterschrieben. Ab diesem Jahr ist neu, dass alle drei Jurymitglieder den Festbericht signieren. Dies berge weniger Angriffsfläche, so Roos. Die Verantwortung läge nicht mehr bei nur einer Person. Es käme nämlich vor, dass Aktive, die mit der Benotung nicht zufrieden waren, zum Telefon greifen und dabei nicht immer die nettesten Worte verwenden.

Und auf was freut sich die Powerfrau am meisten am Jodlerfest? «Einerseits freue ich mich, dass das Jodlerfest in meiner Heimat stattfindet und andererseits bin ich glücklich, dass wir diesen Mega-Anlass gemeinsam gestemmt haben.» Sie sei stolz auf die Bevölkerung, die so gut mitgemacht habe. Ein Ritual, das die engagierte Jodlerin und Dirigentin jeweils am Samstagabend, nach Beendigung aller Wettvorträge praktiziert, verrät sie unserer Zeitung: «Für mich ist das Jodlerfest dann fertig, wenn ich mir eine feine Zigarre anzünden und ein Bier trinken kann.» Das ist erfahrungsgemäss nach 22 Uhr. Keine Frage: Die Power-Frau Bernadette Roos-Stadelmann vom Feldli in Schüpfheim ist ein echter Glücktreffer für die Szene.

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