SCHÜPFHEIM: Er bringt Kunst unter die Leute

Der Kunstverein Entlebuch präsentiert sieben junge Künstler. Und hofft damit auch auf eine Blutauffrischung.

Cyril Aregger
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Benno Baumeler, Präsident des Entlebucher Kunstvereins an der Kanti Schüpfheim mit Fotos des Sörenberger Künstlers Flurin Bisig an den Fenstern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Benno Baumeler, Präsident des Entlebucher Kunstvereins an der Kanti Schüpfheim mit Fotos des Sörenberger Künstlers Flurin Bisig an den Fenstern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Pause. Die Schüler der Kantonsschule Schüpfheim verlassen ihre Zimmer und strömen in den Lichthof. «Das ist unser Ausstellungsraum», sagt Benno Baumeler (65), Präsident des Entlebucher Kunstvereins. Noch ist wenig zu sehen von der Ausstellung «Aktuelle Kunst U 33», die hier ab morgen zu sehen sein wird (siehe Hinweis). «Eigentlich sollten wir schon etwas weiter sein», meint Baumeler an diesem Dienstagmorgen gelassen. «Aber die Künstler haben eben einen etwas anderen Arbeitsrhythmus.»

Die Kanti hat Vorteile

Die Lokalität erscheint für eine Kunstausstellung auf den ersten Blick überraschend. Doch die Kanti Schüpfheim beherbergt schon seit langer Zeit die Ausstellungen des 1968 von den Kantonsschullehrern Hermann Bieri (geboren 1931) und dem verstorbenen Georges Bühlmann gegründeten Kunstvereins. Natürlich gebe es durch den belebten Raum Einschränkungen, sagt Baumeler. Raumgreifende Skulpturen oder besonders wertvolle Exponate könnten hier nicht gezeigt werden. Dennoch sagt Baumeler: «Ein eigener Ausstellungsraum ist eigentlich kein Traum von uns.» Dies liege einerseits daran, dass der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern die Kosten für einen festen Raum schlicht nicht finanzieren könne. «Aber die Kanti hat auch sonst ihre Vorteile», fügt Baumeler an. «Wir haben hier viel ‹Laufkundschaft› – nicht nur Schüler –, und die Hemmschwelle, sich die Werke in einem öffentlichen Raum anzuschauen, ist ebenfalls tiefer.»

Und auch die Kanti profitiere, wie Rektor Heinrich Felder im Vorbeigehen einwirft: «Gerade für die Schüler in den Talentbereichen Musik und bildende Kunst sind die Ausstellungen ein tolles Ereignis – zumal auch schon ehemalige Schüler hier die Gelegenheit bekamen, ihre Werke zu präsentieren.»

Ausstellung an vier Orten

Jüngere Leute für Kunst zu interessieren, ist denn auch einer der Hauptgründe für «Aktuelle Kunst U 33», die junge Kunstschaffende in Sursee (siehe Ausgabe vom Samstag), Schüpfheim, Zofingen und Willisau präsentiert, wie Benno Baumeler erklärt. «Alle vier organisierenden Vereine haben ungefähr das gleiche Problem – sie sind etwas grauhaarig», schmunzelt der 65-jährige Architekt, der seit nunmehr 20 Jahren Präsident des Entlebucher Kunstvereins ist. Ist es denn schwierig, die Entlebucher für den Kunstverein und seine Ausstellungen zu begeistern? Eine typische Frage eines Städters natürlich. Wobei: Auf der Homepage des Vereins steht Folgendes: «Zweck des Vereines ist es, die bildenden Künste zu fördern und der Öffentlichkeit vermehrten Kontakt mit der modernen Kunst zu ermöglichen. (...) Diese oft nicht leichte Aufgabe versucht der Vorstand des Vereins in rein ehrenamtlicher Tätigkeit zu erfüllen.»

Baumeler lacht, als er mit diesen Sätzen konfrontiert wird. «Den Artikel wollten wir schon länger neu schreiben – bisher haben wir es aber noch nicht geschafft.» Denn das Interesse an Kultur im Entlebuch sei gross – man denke nur an die zahlreichen Musikvereine und Chöre. Und auch der bildenden Kunst werde viel Interesse und guter Wille entgegengebracht. «Natürlich ist es in der Stadt mit ihren Museen und Galerien einfacher, mit bildender Kunst in Kontakt zu kommen. Aber auch im Entlebuch ist die Bereitschaft da. So helfen uns viele Handwerker beim Aufbau unserer Ausstellungen unentgeltlich. Ohne solche freiwilligen Einsätze könnten wir nicht bestehen.»

Talentschmiede und Artothek

Bestehen kann der Kunstverein auch dank der «Entlebucher Brattig», die er seit 1983 herausgibt. Über 3500 Exemplare werden jährlich gedruckt. Den Erlös kann der Verein gut für neue Projekte gebrauchen: So schwebt dem Verein eine «Talentschmiede Entlebuch» vor. Interessierte Oberstufen- und Kantonsschüler sollen in bildnerischer Kunst oder Literatur gefördert werden. «Wir stellen uns eine Art Förderstiftung vor, die den Schülern als ‹Freizeitgestaltung› entsprechende Kurse anbietet.» Und auch die Artothek wartet auf ihre Realisierung: Werke aus der Sammlung des Vereins – derzeit über 200 Werke, davon viele des Luzerner Malers Alfred Schmidiger (1892–1977) – sollen wie bei einer Bibliothek von Privaten ausgeliehen werden können.

Diese Projekte brauchen Zeit und Geld. «Manchmal geht es schon etwas langsam», sinniert Benno Baumeler. «Aber wir machen weiter, und irgendwie geht es dann voran.» Um die Wartezeit zu verkürzen, helfen auch die Erinnerungen an Anekdoten. Baumeler: «Anlässlich der Landschaftsausstellung auf Heiligkreuz 2009 errichtete ein Künstler eine Lichtinstallation mit Morsezeichen. Die Polizei musste sich am Abend plötzlich mit Hilfe suchenden Personen beschäftigen, die von besorgten Anrufern gemeldet wurden. Wir hatten schlicht nicht daran gedacht, die Polizei vorab zu informieren.»