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SCHÜPFHEIM: Er nimmt dem Gemeinderat Schüpfheim den Tagesballast ab

Martin Hug ist der erste Geschäftsführer der Gemeinde. Seine Vita zeigt: Der 59-Jährige liebt es, mit der Arbeit auf einer grünen Wiese zu beginnen.
Stephan Santschi
Martin Hug auf einer Anhöhe ob Schüpfheim. (Bild Philipp Schmidli)

Martin Hug auf einer Anhöhe ob Schüpfheim. (Bild Philipp Schmidli)

Er begann als Sekundarlehrer, studierte in Amerika, unterrichtete an der Kantonsschule, liess sich zum Schulleiter ausbilden. Er half beim Aufbau der kantonalen Schulevaluation ebenso mit wie bei der Entwicklung der Pädagogischen Hochschule Luzern und des neuen Schulleitungsmodells in Schüpfheim. Und nun, seit Donnerstag, ist er offiziell der erste Geschäftsführer der Gemeinde. Zu viel Lebenslauf für einen Menschen? Martin Hug beweist das Gegenteil. 59 Jahre alt ist er und trotz des reich gefüllten Rucksacks mit ungebrochenem Tatendrang. Der wird auch künftig vonnöten sein, denn Hug soll die Gemeinde als Kapitän ins neue Führungsmodell schiffen. Doch dazu später mehr. Zunächst lohnt sich ein Blick auf die umfangreiche Vita des Mannes mit dem weissen Haar, dem Bart und den musternden Augen.

Prägendes Studium in den USA

Ein Zufallsentscheid habe ihn ins Schulzimmer geführt. Einer, wie ihn junge Leute nach der Matura ohne Druck und aus pragmatischen Überlegungen zu fällen pflegen. «Herausgekommen bin ich aber als echter Pädagoge. Und der bin ich nun seit 40 Jahren», sagt er mit einem Lächeln. Was macht ihn aus, den echten Pädagogen? «Wenn für Lehrer und Schüler an erster Stelle das Wort ‹lernen› kommt.» Dazu gehöre nicht nur die nackte Wissensvermittlung; auch die Methodik und die Didaktik seien elementar. Im Sinn von: «Wie lehre ich möglichst raffiniert, um nicht belehrend zu wirken?»

Prägend war für ihn das Studienjahr in den USA. Lernen dürfen, was er wollte, so lautete sein Motto an der Kansas State University in Manhattan. «Ich habe 24 Stunden am Tag studiert. War um 3 Uhr morgens ein Computer frei, setzte ich mich davor.» Computerwissenschaften und Sportmedizin interessierten ihn am meisten, aber nicht nur. Auch Sportlehrereinheiten besuchte er – dazu gehörten nebst Leichtathletik oder Tennis auch Tontaubenschiessen oder Lektionen in «Gun Safety», der Sicherheit im Umgang mit Schusswaffen. Auch einen Spanischkurs machte er. «Spannend war es. Ich wollte nicht nur studieren, ich wollte in dieser Zeit ein Amerikaner sein.» Selbst beim Basketball hätten sie den kleinen, hoffnungslos unterlegenen Europäer mitspielen lassen. Geblieben sind ihm zwei Kernpunkte für seine spätere Tätigkeit: die Kompetenz der Dozenten und die Lust am Studieren.

Neuorientierung mit 44

Auf kompetente Personen traf er immer wieder. Vor allem als er beschloss, sich im Alter von 44 Jahren neu zu orientieren. Hug absolvierte die Schulleiterausbildung, weil er wusste: «Führen – das liegt mir.» Die neu gegründete Fachstelle für Schulevaluation kam da wie gerufen. Mitglied eines Powerteams mit «Vollgas-Typen» sei er gewesen, «es war der Hammer». Ihre Aufgabe: die Qualitätssicherung der kantonalen Volksschulen. «Wir waren keine Inspektoren, aber auch keine Berater. Es ging darum, Empfehlungen für Verbesserungen zu geben.» Damals wie heute kein einfaches Unterfangen bei Lehrern, wie er schmunzelnd anmerkt.

Ähnlich inspirierend war später die Arbeit an der heutigen Pädagogischen Hochschule Luzern. Als Studiengangsmanager und Dozent prägte er deren Entwicklung mit. Michael Zutavern, den heutigen Prorektor Ausbildung, adelt er als Tausendsassa, als Pionier, der ihn jeweils bat, Struktur in seine Ideen zu bringen. Hug liebt es, wenn er mit einem Projekt auf grüner Wiese beginnen kann. Hat es Fahrt aufgenommen und sich etabliert, verliert er das Interesse. «Führungsarbeit ermüdet auf beiden Seiten.»

Beschlüsse «sensibel» fassen

Nun also soll er Struktur ins neue Führungsmodell von Schüpfheim bringen. Mit Legislaturbeginn vom 1. September trat es in Kraft, bereits seit zwei Monaten ist der erste Geschäftsführer der Gemeinde mit vorbereitenden Arbeiten beschäftigt. Zentrales Anliegen ist die Trennung der politisch-strategischen Führungsebene des Gemeinderats von der operativen Arbeit der Verwaltung, die Hug leitet. Auf dem Weg zu klaren Beschlüssen müsse man sensibel vorgehen, weil es dort, wo Kompetenzen neu geregelt werden, auch «menscheln» könne. Die Gemeinderäte seien unverändert die Vertreter des Volkes und um Bürgernähe bemüht, würden aber zu Gunsten der organisatorischen Effizienz an Einfluss auf das Tagesgeschäft verlieren. Was bedeutet das für die Schüpfheimer? «Tangiert werden sie nur sehr wenig. Sie haben neue Ansprechpersonen, beispielsweise wenn es um die Frage geht, ob der Anbau am Haus noch 10 Zentimeter grösser werden kann.» Es gibt keine Gemeindekanzlei mehr, dafür vier Verwaltungsabteilungen. Und die Aufgaben des ehemaligen Gemeindeammanns sind aufgeteilt worden – «an bekannte Gesichter».

Auch in der Freizeit vielfältig

Den Posten als Co-Schulleiter, den er seit 2009 innehat, wird Hug im reduzierten Pensum behalten, daneben kümmert sich der verwitwete Familienvater um seine 21-jährige Tochter und den 17-jährigen Sohn. «Ich war immer in Teilzeit tätig und somit auch Hausmann, wenn auch ein bescheidener.» Wenn es die Zeit erlaubt, erholt er sich beim Biken, Gleitschirmfliegen oder auf Wildwasserfahrten im Kanu. Nur längere Skitouren lässt sein lädiertes Knie nicht mehr zu. Erstaunlich ist sie, die Vielseitigkeit von Martin Hug. Auch als Privatmann.

Stephan Santschi

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