SCHÜPFHEIM: Für eine Fasnacht sind sie die Grössten

Zum 35-Jahr-Bestehen hat die Guuggenmusig Fläckler Schüpfe 54 Ehemalige reaktiviert. Es ist nicht ihre erste ausgefallene Idee.

Mirjam Weiss
Drucken
Teilen
Das diesjährige Grossaufgebot der Guuggenmusig Fläckler Schüpfe. Fotografiert bei der Probe in einer Taekwondo-Halle ausserhalb von Schüpfheim. (Bild: Remo Naegeli)

Das diesjährige Grossaufgebot der Guuggenmusig Fläckler Schüpfe. Fotografiert bei der Probe in einer Taekwondo-Halle ausserhalb von Schüpfheim. (Bild: Remo Naegeli)

In einer kleinen Taekwondo-Halle ausserhalb von Schüpfheim hat sich die grösste Guuggenmusig des Kantons Luzern versammelt: 100 Mitglieder stark sind die Fläckler Schüpfe – aber nur für diese Fasnacht. Zu ihrem 35-jährigen Bestehen haben die 46 aktiven Fläckler (Durchschnittsalter 20) nämlich 54 Ehemalige eingeladen, noch einmal aktiv mitzumachen. «Das 35-Jährige wird ja normalerweise nicht gross gefeiert», sagt Raymond Studer (28), OK-Präsident der Jubiläumsfasnacht. «Aber gerade deswegen wollten wir dieses Jahr etwas Spezielles machen. Denn von allen fünf Guuggenmusigen in Schüpfheim sind wir die ausgefallenste.» Tina Turners Hit «Simply the best» ist an sich schon ein Knaller, aber wenn 100 Musiker den Song in voller Lautstärke schränzen, bekäme man ohne Ohrenschützer glatt einen Hörschaden.

«Es ist noch viel lauter als sonst – super», strahlt Aktivmitglied Jolanda Moser (24) aus Schüpfheim, deren Brüder schon bei den Fläcklern waren. Die Ehemaligen und die Aktiven hätten sich auf Anhieb verstanden, erzählt sie, «als wären die Ehemaligen nie weg gewesen.» In gerade mal vier Proben haben sie die Songs eingeübt, die zuvor in einer Umfrage ausgewählt wurden. «Gewünscht wurden hauptsächlich neuere Songs, etwa von AC/DC oder Meat Loaf», sagt Raymond Studer. «Es tönt vielleicht hie und da etwas schräg, aber wenn eine Guuggenmusig nur schön tönt, bringt sie keine Stimmung», ist er überzeugt. Und die Stimmung an der Probe ist gut: Da wird geschunkelt, anfeuernd gejuchzt und immer wieder eine kleine Choreografie eingebaut. Erst spielen alle zusammen, dann wird nach Register geprobt. Und für einmal sagten die Jungen den Älteren, wie es läuft.

Alte Erinnerungen kommen hoch

Fünf Jahre lang sei ihre Posaune unbenutzt auf dem Estrich gelegen, erzählt die Ehemalige Luzia Alessandri (33) aus Entlebuch. «Drei Tage vor der ersten Probe habe ich sie heruntergeholt, und meine Tochter hat sie gebadet.» Weil sich ein kleines Kind und das ständige Unterwegssein an der Fasnacht nicht so gut vereinbaren liessen, sei sie damals ausgetreten. «Ich war eine sehr aktive Fasnächtlerin», erzählt sie schmunzelnd. «Und jetzt beim Spielen kommen viele Erinnerungen und Gefühle hoch.»

Den meisten ehemaligen Mitgliedern erging es wohl ähnlich. «Diesen Raum hier haben wir vor 35 Jahren selber als Proberaum gebaut», erinnert sich Joe Schöpfer (47) aus Schüpfheim. Nie vergessen werde er das Konzert mit Polo Hofer, das die Guuggenmusig 1991 organisiert habe. «Wir haben 1000 Besucher erwartet, gekommen sind 2000», erzählt er. Und Polo Hofer habe zum Schluss gesagt: «Ehr send alles geili Sieche.» Es sei schon speziell, jetzt mit Jungen zu spielen, mit deren Eltern er teilweise zur Schule gegangen sei, sagt der 47-Jährige.

«Wir haben früher jedes Jahr einen Grend gebastelt und selber Kleider genäht, das war jeweils ein Riesenaufwand», erzählt Gründungsmitglied Ruedi Stalder (46) aus St. Urban. Gwändli schneidern die Fläckler immer noch selber, ausserdem basteln sie bis heute sogenannte «Göschli» (Plaketten). Heute wäre ihm der ganze Aufwand zu gross, bekennt Ruedi Stalder lachend.