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SCHÜPFHEIM: Hier erhalten Bauern ihr Rüstzeug

Seit 40 Jahren werden in Schüpfheim Landwirte ausgebildet. Die Schülerzahlen sind stabil, der Standort gesichert. Dennoch gibt es Sorgen.
Cyril Aregger
Prorektor Ruedi Tschachtli (ganz rechts), Leiter des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung in Schüpfheim, mit Rektor Walter Gut. Links im Bild bestimmen Schüler Gräser. (Bild Boris Bürgisser)

Prorektor Ruedi Tschachtli (ganz rechts), Leiter des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung in Schüpfheim, mit Rektor Walter Gut. Links im Bild bestimmen Schüler Gräser. (Bild Boris Bürgisser)

Über 50 ausgebildete Landwirte verzeichnet die Schule heute im Schnitt jährlich. Auf die Ausbildung warten muss am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Schüpfheim niemand mehr. Vor 40 Jahren war dies noch ­anders: 1976 eröffnete der Kanton Luzern in Schüpfheim eine Bergbauernschule. Initiiert von Entlebucher Politikern und engagierten Bauern wurden Winter­kurse im ehemaligen Kinderheim – dem heutigen Entlebucher-Haus – angeboten. Es gab zwei zusammengehörige Kurse, die jeweils alle zwei Jahre im Winter stattfanden. Rund 30 Schüler besuchten die Kurse, es gab lange Wartelisten – auch, weil im Entlebuch ein Nachholbedarf an landwirtschaftlicher Bildung bestand.

Unbeliebte Chemie

Unterrichtet wurde an der Bergbauernschule grundsätzlich dasselbe Programm wie an den anderen Luzerner Landwirtschaftsschulen. Es gab angesichts der Lage der Schule und ihres Einzugsgebiets jedoch Anpassungen: So wurden beispielsweise bei der Viehzucht, der Kleintierhaltung oder der Alpwirtschaft Schwerpunkte gesetzt. Das Thema Ackerbau hingegen wurde weniger stark gewichtet als an anderen Schulen. Dafür stand der Tourismus bereits 1976 auf dem Unterrichtsplan. Hinzu kamen Grundlagenfächer wie Mathematik, Physik und Mikrobiologie. Fächer, die heute integral in den Unterricht eingebaut werden – und die damals bei den Schülern auf eher wenig Gegenliebe stiessen, wie Ruedi Tschachtli, Prorektor des BBZN und Leiter des Standorts Schüpfheim, weiss. Und nicht nur bei den Schülern, wie er lachend hinzufügt: «Es war eigentlich Usus unter den Lehrern, dass immer der Jüngste Chemie unterrichten musste.»

Vergangene Zeiten. Das Bildungsangebot hat sich seit der Gründung der Schule stark verändert: Die klassische Ausbildung zum Landwirt mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) dauert heute drei Jahre, hinzu kommen Ausbildungsgänge für Zweitausbildner (zwei Jahre) sowie eine dreijährige berufsbegleitende Nachholbildung. Angeboten wird in Schüpfheim auch eine einjährige Berufsmaturität – und die 1983 gegründete Bäuerinnenschule.

Geändert haben sich auch die Schwerpunkte der Ausbildung. Das Handwerkliche, zum Beispiel im Bereich Holz- und Metallverarbeitung oder in der Maschinentechnik, ist heute eher in den Hintergrund getreten. Die Werkräume im Schulgebäude, das vor 25 Jahren eingeweiht wurde, erinnern noch an die frühere Bedeutung. Heute liegt der Schwerpunkt bei den landwirtschaft­lichen Fächern. «Unsere Schüler sind in den ersten beiden Lehrjahren jeweils einen Tag in der Woche bei uns, im dritten Lehrjahr wird im Winter ein Blockkurs angeboten. Es macht Sinn, wenn die praktische Ausbildung vorwiegend auf dem Lehrbetrieb stattfindet», erklärt Prorektor Ruedi Tschachtli.

Grösseres Einzugsgebiet

Anders als früher kommen die Schüler in Schüpfheim nicht mehr «nur» aus dem Entlebuch und dem angrenzenden Emmental. Grund dafür ist einerseits, dass es heute weniger Schulen gibt als früher, anderseits wechseln die Schüler jedes Jahr ihren Lehrbetrieb – und somit häufig auch die Schule. Das funktioniert, weil in der landwirtschaftlichen Ausbildung die Lehrmittel schweizweit koordiniert sind. «Durch den Wechsel lernen die Schüler unterschiedliche Arten von Betrieben kennen», erklärt Tschachtli. «Das ist wichtig, denn anders als früher herrscht heute auch in der Landwirtschaft eine grosse Dynamik – früher hat man meist den Hof übernommen und weitergemacht wie bisher. Heute ist es wichtig, dass der Horizont erweitert wird.»

Es ist schwierig geworden

Seit 40 Jahren wird nun in Schüpfheim unterrichtet. Mittlerweile ist die Schule Teil des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung mit den Standorten in Sursee, Hohenrain und eben Schüpfheim. «Die lokale Verankerung, die Pflege der Standorte sind uns wichtig», betont Rektor Walter Gut. «Deshalb feiern wir auch die Jubiläen der einzelnen Standorte.» Wird es angesichts der Sparbemühungen des Kantons auch noch weitere Jubiläen in Schüpfheim zu feiern geben? Gut ist davon überzeugt: «In den letzten Jahren stand Schüpfheim nie zur De­batte. Zudem ist der Schulraum, wie auch in anderen Berufsbildungszentren, knapp. Es braucht Schüpfheim.» Aber wie alle Berufsbildungszentren leide man unter der aktuellen Finanzlage des Kantons: «Wir mussten Angebote streichen, den Klassenlehrer abschaffen, und im Herbst haben wir eine Woche Unterrichtsausfall», zählt Gut auf. Die Rekrutierung von Lehrpersonen sei mittlerweile eine Herausforderung.

Es ist schwierig geworden. Auch, weil die Attraktivität des Kantons als Arbeitgeber – nicht erst seit den bevorstehenden Zwangsferien – gelitten hat.

Auch bei der landwirtschaftlichen Beratung für Bauern musste man Einsparungen vornehmen. «Die Ressourcen wurden in den letzten fünf Jahren halbiert», sagt Prorektor Ruedi Tschachtli. «Beratungsprojekte zu neuen Themen können wir nur noch mit Partnern realisieren.»

Trübsal bläst man deswegen nicht in Schüpfheim. «Obwohl die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe stetig sinkt, ist die Zahl der Schüler stabil», sagt Walter Gut. «Und im Vergleich zum Start vor 40 Jahren haben sie sich in Schüpfheim fast verdoppelt.»

Cyrill Aregger

HINWEIS

Das BBZN Schüpfheim feiert am Samstag, 10., und Sonntag, 11. September, mit Tagen der offenen Türen mit Führungen, Infoständen, Festwirtschaft, Kinderangeboten und Ateliers (Samstag, 13.30 bis 21 Uhr, Unterhaltungsabend bis 3 Uhr, Sonntag, 10 bis 16 Uhr). Weitere Infos: bbzn.lu.ch/jubilaeum

Seit 40 Jahren in Schüpfheim

GESCHICHTEca. 1976:Der Kanton Luzern eröffnet die Bergbauernschule als Zweigschule der landwirtschaftlichen Schule Willisau.
1984: Die Bergbauernschule firmiert definitiv unter dem Namen Landwirtschaftliche Schule Schüpfheim. Sie wird von der Schule Willisau getrennt und selbstständig.
1991: Das neue Gebäude im Chlosterbüel 28 kann bezogen werden.
1999:Die Landwirtschaftliche Schule Willisau wird geschlossen.
2009: Erstmals wird eine dreijährige Lehre angeboten.

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