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SCHÜPFHEIM: Hier sind Sterne zum Greifen nah

Lange lag die Sternwarte im Oberberg brach und war für die Öffentlichkeit nur selten geöffnet. Das soll sich nun ändern: dank einer neuen Stiftung und zwei aussergewöhnlichen Tüftlern.
Niels Jost
Die künftigen Demonstratoren Paul Ehrler (links) und Bruno Stadelmann beim Teleskop, das zum Vorschein kommt, wenn der obere Teil des Häuschens zurückgekurbelt wird. Bild: Pius Amrein (Schüpfheim, 31. März 2017 (Bild: ))

Die künftigen Demonstratoren Paul Ehrler (links) und Bruno Stadelmann beim Teleskop, das zum Vorschein kommt, wenn der obere Teil des Häuschens zurückgekurbelt wird. Bild: Pius Amrein (Schüpfheim, 31. März 2017 (Bild: ))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Die Augen von Paul Ehrler leuchten. Nicht nur, weil er Sterne im Nachthimmel sieht, die Tausende Lichtjahre von uns entfernt sind. Nein, vor allem weil er die Sterne durch ein selbst gebautes Teleskop gestochen scharf erkennen kann. «Die Präzision ist verblüffend», sagt der Hobbyastronom aus Escholzmatt.

Noch verblüffender ist der gut 30 Zentimeter grosse Spiegel des über 2 Meter langen Teleskops, das Herzstück des Geräts. Dieser wurde nicht wie gewöhnlich von spezialisierten Maschinen zu einer parabolischen Form geschliffen, sondern von Hand. Mehrere hundert Arbeitsstunden seien nötig gewesen, so Ehrler. Angesichts der Präzision ein kaum vorstellbares Handwerk.

Zwei Brüder bauten ganzes Observatorium

Möglich gemacht haben dies die mittlerweile verstorbenen Brüder Franz und Peter Stalder. Sie sind auf dem Hof neben der kleinen Sternwarte auf dem Oberberg bei Schüpfheim aufgewachsen – ohne Luxus, dafür mit umso mehr Interesse für die Natur und die Astronomie. Ihre Neugier stillten sie mit Büchern. Weil das Geld nicht reichte, um sich ein Teleskop zu kaufen, bauten sie es kurzerhand selber. Oder besser gesagt: gleich ein ganzes Observatorium samt Sonnenuhr und einem Modell des Sonnensystems. 1989 nahmen sie es in Betrieb, fernab jeglichen Lichtes, das beim Betrachten der Sterne stören würde. Zugänglich war es aber nur auf Anfrage. «Die Brüder waren bescheiden, sie suchten die Öffentlichkeit nicht», sagt Nicola Stalder. Er ist der Grossneffe der beiden Tüftler und hat sich für seine Maturaarbeit im Jahr 2011 mit der Entstehungs­geschichte der Sternwarte befasst. Und: Der 24-Jährige ist neu Präsident der Stiftung Sternwarte Oberberg Schüpfheim, die gestern Abend gegründet wurde. Ihr Zweck: das Lebenswerk der verstorbenen Brüder zu erhalten.

Die in Vergessenheit geratene Sternwarte soll wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. «Unser Ziel ist es, auf Anfrage mehrmals monatlich Führungen anzubieten», sagt Stalder. Weiter erhofft er sich, dass der Oberberg zu einer Adresse für Hobby-Astronomen wird und das Observatorium vielleicht gar einen Bildungsauftrag wahrnehmen kann. Dies dürften nicht nur Träumereien sein: Hobby­astronomen, Schulklassen und private Gruppen haben bereits Inter­esse am Projekt bekundet.

Als Nächstes stehen nun Unterhaltsarbeiten an. Zwar ist die Sternwarte technisch voll funktionsfähig. Weil das Inventar aber über ein Jahr lang brach gelegen ist – Grund ist das Erbe der verstorbenen Tüftler, das erst jetzt gänzlich geklärt werden konnte –, muss die Sternwarte in Schuss gebracht werden.

Verschiebbares Dach gibt Blick auf Sterne frei

Auch die rund ein Dutzend beteiligten Ehrenamtlichen müssen sich mit der komplexen Technik vertraut machen. Laut den künftigen Demonstratoren Paul Ehrler und Bruno Stadelmann sollen Besucher innert 15 Minuten Sterne beobachten können. Dazu muss das Holzdach weggeschoben und das Teleskop manuell eingestellt werden. Letzteres ist eine aufwendige Angelegenheit, wie der Besuch vor Ort zeigte.

Das Observatorium soll laut Stalder im Sommer öffnen. Damit würde der Auftakt auf ein Jubiläumsjahr fallen: Vor 15 Jahren hat Peter Stalder, der jüngere der beiden Brüder, den ersten je verliehenen «Schüpfer Anerkennungspreis» erhalten. Um den Zeitplan einzuhalten, reist Stalder gerne einmal mehr von Bern, wo er nun sein Studium abschliesst, nach Schüpfheim. «Die Sternwarte ist ein Kulturgut der Region, das es zu erhalten gilt. Wir möchten den Besuchern das näherbringen, was die Brüder fasziniert hat: die Schönheit der Natur.»

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