SCHÜPFHEIM: In der Mauer steckt noch eine Kugel von 1847

Die Kirche Johannes und Paulus feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Nur dank den Schüpfheimern hat diese einen Spitzturm.

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Der Gemeindeleiter Urs Corradini (links) und Ausstellungsleiter Ruedi Emmenegger begutachten die 200 Jahre alte Kirche. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Gemeindeleiter Urs Corradini (links) und Ausstellungsleiter Ruedi Emmenegger begutachten die 200 Jahre alte Kirche. (Bild Corinne Glanzmann)

Inmitten von Schüpfheim ragt der 88 Meter hohe Turm der Pfarrkirche Johannes und Paulus in die Höhe. Eine typische spätbarocke Kirche, wie sie oft in der Innerschweiz zu sehen ist. Typisch dafür ist beispielsweise der weite helle Einheitsraum. Mit dem Einbau der prunkvollen klassizistischen Kanzel wurde die langjährige Bauphase im Jahr 1814 abgeschlossen. Nun feiert die Kirchgemeinde ihr 200-jähriges Bestehen in Form einer Begegnungswoche. Ein Highlight ist dabei eine Ausstellung über den Bau und die Geschichte der Kirche (siehe Kasten). Der Ausstellungsleiter Ruedi Emmenegger sagt: «Der Übergang vom Spätbarock zum Klassizismus ist in dieser Kirche sehr schön zu sehen – das Charakteristische dieser Stilepoche hat in Schüpfheim eine meisterhafte Ausformung erfahren.» Vor allem der klar und gleichmässig strukturierte Baukörper sei dem frühen Klassizismus zuzuordnen.

Die Bevölkerung setzte sich durch

Der Baumeister, wie damals der Architekt genannt wurde, war Niklaus Purtschert. Er gehörte zu den bedeutendsten Kirchenbauern jener Zeit. «Typisch für diesen Baumeister ist zum Beispiel die dreigliedrige Aussenfront der Kirche», sagt Emmenegger. Doch Purtschert wollte nicht alles so ausführen, wie es die Baugenossenschaft verlangte. Emmenegger erzählt: «Die Schüpfer wollten einen Turm mit Spitzhelm, doch geplant war eine rote Kuppelhaube wie in Ruswil. Obwohl die Schüpfer vom Kleinen Rat in Luzern recht bekamen, verweigerte er die Ausführung.» Darauf sei der Auftrag an einen anderen Baumeister vergeben worden – aber auf Kosten von Purtschert. «Auf Unrecht habende Kosten» – steht in einer Antwort der Regierung an die Baukommission geschrieben. Die Bevölkerung hat sich durchgesetzt. «So sind die Schüpfer doch zu ihrem Spitzhelm gekommen», sagt der ehemalige Sekundarlehrer.

Beschlossen wurde der Neubau 1803, als der neue Pfarrer Joseph Eicher nach Schüpfheim kam. «Da kam ein neuer Wind auf. Die alte Kirche war baufällig und zu klein. Es heisst auch, dass ein Stück einer Mauer herunterfiel», sagt Emmenegger. Vorbild war die spätbarocke Kirche in Ruswil, wo Pfarrer Eicher zuvor als Vikar gewirkt hatte. Wichtig war den Schüpfheimern jedoch, dass ihre neue Kirche grösser würde – mit 60,5 Metern ist sie heute fast sechs Meter länger. «Man erzählt, dass drei Bauern nach Ruswil fuhren, um die dortige neue Kirche anzuschauen. Die Ruswiler sollen sie ein wenig «von oben herab» behandelt und gemeint haben, diese «Pürli» könnten sich doch ein so grossartiges Bauwerk nicht leisten. Die drei fragten nach den Baukosten und gaben dann zu verstehen, sie würden das Geld auch alleine aufbringen.» Der Bau kostete damals rund 63 000 Gulden. Als Vergleich: Ein guter Zugochse war 50 Gulden wert und eine mittlere Liegenschaft entsprach in etwa 5000 Gulden.

Vom Sonderbundskrieg gezeichnet

Die Kirche ist 1822 den Märtyrern Johannes und Paulus als Kirchenpatronen geweiht worden. Seither hat die Kirche einiges erlebt. Ein Dorfbrand und zwei Blitzschläge haben der Kirche nichts anhaben können. Zwischen den beiden linken Seitenaltären ist heute noch eine Kugel aus dem Sonderbundskrieg (1847) eingemauert. «Viele Leute von hier erinnern sich auch noch an das Jahr 1990», sagt Emmenegger. Damals musste die Kirche für ungefähr zwei Monate die Tore schliessen. Grund: Eine Gipsplatte war von der Decke auf den Orgeltisch gefallen. «Und das ausgerechnet vor Ostern», fügt der ehemalige Pfarreiratspräsident (2000–2010) hinzu. Der letzte grössere Wandel kam mit der Innenrenovation von 2010. Moderne Formen fanden ihren Weg in eine traditionelle Kirche. «Das war schon eine markante Veränderung, das wichtig für das heutige Gottesdienstverständnis ist», sagt Ruedi Emmenegger.

Ausstellung im Pfarreiheim

tl. Die Kirchgemeinde Schüpfheim feiert das 200-jährige Bestehen ihrer Pfarrkirche. Noch bis am Freitag finden diverse Veranstaltungen in Form einer Begegnungswoche statt. Die Pfarrei lädt neben Gottesdiensten auch zu einem Orientierungslauf für Schüler oder einem Podiumsgespräch mit Bischof Felix ein. Zudem ist eine Ausstellung über den Bau und die Geschichte der Kirche im Pfarrheim zu sehen. Abgeschlossen wird die Woche mit der jährlichen Wallfahrt zu Bruder Klaus. Mehr Informationen: www.pastoralraum-me.ch