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Schüpfheim: «Kloster für alle» öffnet die Pforte

Mit dem Abschluss des Projekts «lückenfüllen» kommt zusätzliches Leben in den Sonnenhügel. Zusammen mit Gästen wohnt auch eine vierköpfige Familie hinter den Klostermauern.
Ernesto Piazza
Lukas Fries und Sandra Schmid Fries mit ihren beiden Kindern beim Sonnenhügel. (Bild: Nadia Schärli, Schüpfheim, 16. Oktober 2018)

Lukas Fries und Sandra Schmid Fries mit ihren beiden Kindern beim Sonnenhügel. (Bild: Nadia Schärli, Schüpfheim, 16. Oktober 2018)

Die beiden knapp fünfjährigen Zwillinge Salome und Mirjam spielen vergnügt auf dem Vorplatz des Sonnenhügels im ehemaligen Kapuzinerkloster in Schüpfheim. Derweil sitzen ihre Eltern Lukas Fries-Schmid (45) und Sandra Schmid Fries (37) im durch herbstliche Sonnenstrahlen durchfluteten Refektorium und gönnen sich eine kurze Auszeit. Das Wort «Auszeit» passt mit zum aktuellen Lebensstil der beiden Theologen. Doch dazu später mehr.

In den vergangenen Monaten ist im «Haus der Gastfreundschaft» ein moderner Annexbau entstanden. Mit einer sanften Renovation des historisch wertvollen Kulturguts aus dem 17. Jahrhunderts wurde das Projekt «lückenfüllen» abgeschlossen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3,6 Millionen Franken. Am Wochenende hat die Bevölkerung im Rahmen der Tage der offenen Klosterpforte die Gelegenheit, die Räume zu besichtigen.

Wieder ins normale Leben zurückfinden

Seit 2009 sind Lukas Fries und Sandra Schmid Fries für den Betrieb verantwortlich und bilden zusammen mit drei Frauen die Kerngemeinschaft. Sie bieten vor allem Menschen in akuten Krisensituationen, mit psychischen Erkrankungen oder bei Sinnkrisen eine temporäre Bleibe an. «Wir vermitteln ihnen einen gewöhnlichen Alltag mit gemeinsamem Essen und Arbeiten. Dabei reduzieren wir uns auf das Wesentliche», so Lukas Fries. Fünf bis sechs Gäste werden ab 29. Oktober erneut in eine Ganztagesstruktur eingebettet. Sie soll ihnen helfen, wieder ins «normale» Leben zurückzufinden.

Keineswegs alltäglich ist, dass die vierköpfige Familie ebenfalls hinter den Klostermauern – und somit zusammen mit ihren Gästen – lebt. «Die Kinder kennen nur diese Lebensform. Für sie ist es Normalität», erklärt Sandra Schmid Fries die Situation für die beiden Zwillinge. Erstmals Zugang zum Gebäude hatte die Schüpfheimerin übrigens bei Musikschulkonzerten. Später war es der Orchesterverein, dann gehörte sie temporär der Kerngemeinschaft an. «Das Kloster fand ich bereits als Kind faszinierend», erinnert sie sich. Als Gast war sie ebenfalls schon im Sonnenhügel und arbeitete auch als Freiwillige an Wochenenden im Kloster. Ihr Ehemann absolvierte dort vier Monate seines Zivildienstes. Weiter war er nach Abschluss seines Theologiestudiums Mitglied der Kerngemeinschaft und lernte im Orchesterverein seine Frau kennen. Richtig gefunkt habe es aber erst später, erinnert sich Lukas Fries. Und zwar nach dem Umzug nach Basel. Zur Herausforderung Sonnenhügel kamen sie während eines gemeinsamen, einjährigen USA-Aufenthalts. Und zwar wurden sie angefragt, ob sie als Paar die Leitung übernehmen wollten.

«Wir haben eine Affinität für neue Formen», sagen sie. Deshalb sind sie von diesem Modell der Klostergemeinschaft fasziniert. Im Dorf sei ihre Lebensweise mittlerweile «normal». Dank ihrer Offenheit gelang es eine gewisse Hemmschwelle abzubauen. Für die Gäste schafft das Kloster Distanz zur Aussenwelt. Sie schätzen es, in ihren Lebenssituationen in gewissem Mass geschützt zu sein.

Das Ehepaar definiert jeweils, wer an welchem Tag für die Kinder und wer im Betrieb verantwortlich ist. Alles immer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, sei eine der grössten Herausforderungen, erklärt Lukas Fries. Denn die Unmittelbarkeit von Ereignissen zwinge manchmal zum Reagieren. Das könne sich auch auf die eigenen Bedürfnisse auswirken.

Die ganze Gemeinschaft trifft sich jeweils zum Frühstück, Mittag- und Nachtessen. Das Morgen- und Abendgebet ist jedoch fakultativ. Im ehemaligen Kapuzinerkloster ist der Glaube zwar gegenwärtig, aber keine Bedingung für einen Aufenthalt.

Die freien Tage müssen sie sich rausnehmen

Die Wohnung im Annexbau bietet der Familie Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre. Die freien Tage müssten sie sich rausnehmen, sagen sie. Beide reden von «ihrem Daheim» und von einer «privilegierten Situation». Bei den Arbeiten gelte es eine stimmige Balance zu finden. «Herausforderungen halten uns lebendig», weiss Sandra Schmid Fries. «Wir haben viele Gestaltungsmöglichkeiten. Dafür sind wir dankbar.» Die Lebensgeschichten der Gäste dürfen durchaus berühren. Wichtig sei, dass sich die Personen in der Gemeinschaft getragen fühlen. Denn mit dem Aufenthalt bis zu einem halben Jahr entfliehen sie auch einem Stück Einsamkeit. Therapien gibt es im Sonnenhügel keine. Sie würden den Gästen durch den Alltag im Kloster geboten, so Sandra Schmid Fries. Oft käme es aber zu tiefgründigen Gesprächen.

Aber auf wie viel muss die Familie mit dieser Lebensform verzichten? Lukas Fries betont: «Wir haben uns bewusst für den Weg entschieden. Er beinhaltet ebenfalls, dass wir für gratis Kost und Logis sowie ein bescheidenes Sackgeld den Sonnenhügel führen.» Und beide erklären weiter: «Der seinerzeit gefällte Entscheid ist für uns nach wie vor richtig.»

Hinweis: Weitere Infos gibt es unter www.sunnehuegel.org.

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