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SCHÜPFHEIM: «Kloster für alle» rüstet sich für Zukunft

Die erste Etappe des Projekts «lückenfüllen» im Sunnehügel ist abgeschlossen. Der moderne Annexbau steht bereit. Doch die Kerngemeinschaft steht bereits vor neuen Herausforderungen.
Ernesto Piazza
Blick auf den Erweiterungsbau beim Sunnehügel, der noch eingerüstet ist. (Bild: Boris Bürgisser (Schüpfheim, 2. Mai 2018))

Blick auf den Erweiterungsbau beim Sunnehügel, der noch eingerüstet ist. (Bild: Boris Bürgisser (Schüpfheim, 2. Mai 2018))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Noch sind im Sunnehügel in Schüpfheim die Handwerker am Zug, doch ein Augenschein zeigt: Die Inbetriebnahme des Annexbaus im «Haus der Gastfreundschaft» im ehemaligen Kapuzinerkloster steht kurz bevor. Konkret sind in den vergangenen zehn Monaten eine 4½-Zimmer-Wohnung – sie wird fremdvermietet –, verschiedene Nasszellen sowie Arbeitsräume entstanden. Lukas Fries mit seiner Frau Sandra Schmid Fries sowie den Zwillingen Salome und Mirjam ziehen ebenfalls in den Annexbau ein.

Gemeinsam mit drei weiteren Bewohnerinnen bilden sie die Kerngemeinschaft des Sunnehügels. Sie leiten das Haus und wollen es weiterentwickeln. «Wir bieten den Menschen einen ‹gewöhnlichen› Alltag mit gemeinsamem Essen und Arbeiten an und reduzieren uns dabei auf das Wesentliche.»

«Weiterbildung ins Leben» steht auch im Angebot

Angeboten wird den durchschnittlich fünf bis sechs Gästen eine Ganztagesstruktur. Das heisst konkret: Um 7 Uhr morgens können sie am fakultativen Gebet teilnehmen. Am Vormittag arbeiten sie mit, sei es in der Schreinerei, beim Kerzenziehen oder in der Küche. Der Nachmittag steht den Gästen zur freien Verfügung. Ihre Zimmer befinden sich im Altbau, einem historisch wertvollen Kulturgut aus dem 17. Jahrhundert. Dieser wird jetzt – nach Fertigstellung des Annexbaus – einer sanften Renovation unterzogen. Deren Fertigstellung ist für 20./21. Oktober geplant.

In den Sunnehügel kommen vor allem Menschen in akuten Krisensituationen, mit psychischen Erkrankungen oder bei Sinnkrisen. Man biete auch «Weiterbildung ins Leben» an, wenn beispielsweise jemand eine Auszeit nehme, sagte Sandra Schmid. «Wir wollen die Gäste begleiten.» Dabei spricht sie bewusst nicht von Klienten. Die Aufenthaltsdauer ist sehr individuell – von einer Woche bis maximal einem halben Jahr. Es sei immer noch ein Kloster, erklärte Lukas Fries. «Unsere Motivation ist vor allem: Spiritualität in einer religionslosen Gesellschaft neu zu denken.» Finanziert wird der Betrieb durch Lohnverzicht und wenn möglich durch externe Arbeit der Mitglieder der Kerngruppe, Pensionsgelder der Gäste und Spenden. «Weil wir keine staatlichen Beiträge erhalten, ermöglicht uns das grosse Flexibilität und eine unbürokratische Aufnahme neuer Gäste.»

Mit dem Annexbau ist die erste von zwei Kernetappen des Projekts «lückenfüllen» abgeschlossen. Die beiden Hauptziele des Neubaus waren der Einbau eines Treppenhauses und die Erstellung einer Brandmeldeanlage. Weiter wurde die Hygiene für die Gäste durch neue sanitäre Einrichtungen verbessert. Als Nebeneffekt der Bauarbeiten resultiert mehr Komfort durch das Zusammenführen der Arbeitsräume und der Wohneinheiten für die Kerngemeinschaft. Zudem sollte das Kloster erhalten werden und der Neubau sich vom alten Teil abheben. Das wurde optisch mit dem verwendeten Holz erreicht.

Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 4,1 Millionen Franken. Im Detail heisst das: Der neue Annexbau kostet 2,8 Millionen, die Renovation des Altbaus beträgt eine Million. Weiter soll das Refektorium um einen Raum erweitert werden. «Die Massnahme würde die Lichtverhältnisse verbessern», sagte Benno Baumeler. Er ist der Präsident des gemeinnützigen Vereins Sunnehügel und auch der Architekt. Kostenpunkt dieser Erweiterung: 300'000 Franken. Von den 4,1 Millionen sind aktuell 3,8 Millionen finanziert. Beigetragen dazu haben unter anderem das Sammelergebnis «lückenfüllen» mit 1,06 Millionen Franken und die Stiftung Edith Maryon mit einem Beitrag von 1,25 Millionen sowie einige zinslose Darlehen von Privaten in der Höhe von 100'000 Franken. Der Verein Sunnehügel muss auch eine Million Franken fremdfinanzieren. Für die Differenz (Erweiterung Refektorium) soll nächstens das Fundraising gestartet werden.

«Klostererweiterung in der Schweiz ziemlich einmalig»

Der Kapuzinerorden schenkte das Kloster der Basler Stiftung Edith Maryon. Diese stellt es dem Verein Sunnehügel zur Verfügung. Er muss für die laufenden Kosten aufkommen. «Dass ein Kloster erweitert wird, ist wohl ziemlich einmalig in der Schweiz», betonte Baumeler. Und Fries sagte: «Das Bauprojekt ‹lückenfüllen› festigt das Angebot des Sunnehügels als ‹Kloster für alle›.»

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