SCHÜPFHEIM: Sie will die Entlebucher «Grizabella» spielen

Bei Raphaela Felder (18) dreht sich alles um die Musik. Ihr nächstes Ziel: eine Rolle im Musical «Cats», das erstmals von einer Schweizer Laientruppe gezeigt wird.

Mirjam Weiss
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Hat fast nur Musik im Sinn: Raphaela Felder zu Hause im Garten. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Hat fast nur Musik im Sinn: Raphaela Felder zu Hause im Garten. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Eine kleine Gesangseinlage im Garten? Raphaela Felder aus Schüpfheim lässt sich nicht zweimal bitten. Umgeben von Sträuchern und Gartenzwergen, singt die 18-Jährige den Elvis-Song «Fallin’ in Love» mit ihrer klaren Stimme und einer Inbrunst, als stünde sie auf einer Konzertbühne. «Bei mir dreht sich von morgens bis abends alles um die Musik», erklärt die lebhafte Kanti-Schülerin. Im Haus ihrer Eltern hat sie seit Neuestem sogar einen eigenen Proberaum, ihr «Atelier», etwas entfernt von den Wohnräumen. Hatte ihre Familie von ihrem Gesang die Nase voll und hat sie deshalb ausquartiert? «Im Gegenteil», lacht Raphaela. «Ich muss beim Singen jeweils das Fenster aufmachen, damit sie mich im Haus noch hören.»

Von Country bis Operette

Ihre Leidenschaft fürs Singen hat Raphaela vor vier Jahren entdeckt. «Damals habe ich begonnen, klassischen Gesangsunterricht zu nehmen», erinnert sich die 18-Jährige. Ihre Gesangslehrerin Brigitt Lanker-Schmid habe ihr dann das Gymnasium Plus in Schüpfheim empfohlen, wo besonders talentierte Jugendliche in verschiedenen Bereichen speziell gefördert werden. Seit drei Jahren besucht sie dort den Talentbereich Musik Sologesang. An einem ganzen Tag und an vier Vormittagen hat Raphaela normal Unterricht, an den Nachmittagen und an den Wochenenden kann sie sich ihren Gesangsprojekten widmen.

Und das sind einige: Vor einem Jahr hat sie mit Freundin Jana Röösli das Duo Amabile gegründet, das regelmässig bei Hochzeiten, Taufen und anderen Festen auftritt. «Wir singen alles, aber besonders gern Country-Songs, beispielsweise von Miranda Lambert», erklärt Raphaela Felder. Gemeinsam mit ihrem Vater sang sie zudem in der Entlebucher Operette mit – in bis zu 40 Aufführungen. «Manchmal muss ich zum Lernen Nachtschichten einlegen, damit die Schule nicht zu kurz kommt.»

Trotzdem möchte sie die Operettenauftritte nicht missen. «Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und gleichzeitig zu singen und zu schauspielern», erzählt sie. Deshalb habe sie sich sofort beworben, als an der Kanti Schüpfheim vor zwei Jahren das Musical «Die Schöne und das Biest» aufgeführt wurde. Prompt erhielt sie eine der Hauptrollen, die Schwester von Bella. «Vor Freude bin ich wie ein Gummiball durch die Wohnung gehüpft», erinnert sie sich. Als das Publikum bei der Premiere mit Standing Ovations reagierte, seien ihr vor Freude die Tränen runtergelaufen. «Das war ein einmaliges Gefühl.»

Zweitägiges Casting für Musical

Jetzt steht das nächste Musicalprojekt der Kanti Schüpfheim und des neu gegründeten Vereins Musical Plus an: Im nächsten Frühling wird in Schüpfheim «Cats» aufgeführt – zum ersten Mal in der Schweiz nur mit Laiendarstellern.

Am letzten Wochenende hat dafür ein zweitägiges Casting stattgefunden, an dem Raphaela mit 33 weiteren Bewerbern teilgenommen hat. «Es war sehr spannend, aber auch anstrengend, vor allem die Choreo- und die Körperar­beiten», sagt sie. Nächste Woche werde bekannt gegeben, wer für eine Rolle in «Cats» ausgewählt wurde. «Am allerliebsten hätte ich die etwas traurige Rolle der älteren Katze Grizabella», sagt die 18-Jährige. «Ech hätt e huere Schiiss­fröid, wenns klappt.»

Wenn sie in zwei Jahren ihr Maturazeugnis in der Tasche hat, möchte sie Gesang studieren und die Musik zum Beruf machen – und dann vielleicht auch in professionellen Musicals mitspielen. «Meine Eltern unterstützen mich dabei voll und ganz», sagt sie. «Wir geniessen ihre Musik sehr», sagt Mutter Brigitte Felder-Lochmann (45). «Manchmal schauderts mich, wenn ich sie singen höre, weils so schön ist.» Mit ihrer Musikbegeisterung hat Raphaela Felder jetzt auch schon ihren achtjährigen Bruder angesteckt. «Er hat schon angekündigt, er werde auch mit Singen anfangen, wenn er nicht mehr zum Flötenunterricht muss», sagt ihre Mutter schmunzelnd.